Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 16 ° wolkig

Navigation:
Protest bei "Abendspaziergang" in Oranienburg

Über 500 Demonstranten und rund 400 Polizisten auf der Straße Protest bei "Abendspaziergang" in Oranienburg

Am Mittwochabend standen sich in Oranienburg zwei Gruppen gegenüber - und die Polizei dazwischen. Etwa 250 Menschen hatten sich zu einem "Abendspaziergang für eine angemessene Asylpolitik" getroffen. Mindestens genauso viele Gegner der Gruppierung machten ihren Unmut über das Treffen lautstark deutlich.

Oranienburg 52.753728 13.236681
Oranienburg Mehr Infos
Nächster Artikel
Schulen treffen Unternehmen

Zwei Meinungslager prallten am Mittwochabend in Oranienburg aufeinander.

Quelle: Helge Treichel

Oranienburg. Zwei Meinungslager zum Thema Asyl prallten gestern Abend bei Kundgebungen in Oranienburg aufeinander. Ein Aufgebot von rund 400 Polizeibeamten sorgte allerdings dafür, dass die insgesamt etwa 500  Demonstranten voneinander abgeschottet wurden. Als sich die Märsche an der Schlossbrücke kreuzten kam es zu gegenseitigen Unmutsbekundungen. „Nazis raus!“, skandierten die einen, die anderen zeigten vereinzelt den Stinkefinger, blieben ansonsten aber demonstrativ leise.

Zum „2. Abendspaziergang für eine angemessene Asylpolitik“ hatte Carlo-Eik Christopeit aufgerufen. Rund 250 Menschen versammelten sich dazu gegen 18.30Uhr vor dem Postgebäude. „Weil sich die Politik ändern muss“, begründete der junge Oranienburger sein asylkritisches Engagement. „Und weil Asylheime als Massenunterkünfte menschenunwürdig sind.“ Er setze sich für eine dezentrale Unterbringung ein. In seiner Ansprache forderte er ein Zuwanderungsgesetz nach dem Vorbild der Schweiz, die Einführung bundesweiter Bürgerentscheide – und den „Schutz unserer christlich-jüdischen Kultur“. Ausdrücklich sprach sich Christopeit gegen „Hass und Gewalt“ sowie rassistische Äußerungen aus. Sollte es dazu kommen, werde er demjenigen das Mikrofon „entreißen“.

Dass beim ersten Abendspaziergang im Dezember unter anderen Aileen Rokohl, NPD-Kreisvorsitzende in Barnim-Uckermark frei sprechen durfte, begründet der Organisator und Anmelder der Demonstration mit Unwissen: „Ich kannte die Frau nicht.“ Auch diesmal mischte sich Rokohl wieder unter die Abendspaziergänger, gemeinsam mit dem Veltener NPD-Stadtverordneten Robert Wolinski. Letzterer schätzte die Anzahl der NPD-Leute auf „eine Hand voll“. Eine grundsätzliche „Asylkritik“ und das Thema der „Überfremdung“ seien allerdings die Schnittmengen mit den übrigen Demonstranten des Abendspaziergangs. „Das wird von den Bürgern mitgetragen“, sagte Wolinski.

Zwei Meinungslager prallten Mittwochabend bei Kundgebungen in Oranienburg aufeinander. Ein Aufgebot von rund 400 Polizeibeamten sorgte dafür, dass die insgesamt 500 bis 600 Demonstranten voneinander abgeschottet wurden.

Zur Bildergalerie

Von „fremdgesteuerter Asylpolitik“ und Asylbewerbern, die sich „wie die Made im Speck“ fühlen, sprach ein zweiter Redner, der auf Nachfrage seinen Namen nicht nennen wollte. Er wundere sich, dass angesichts der von ihm beschriebenen Zustände nicht schon jeder auf der Straße stünde.

Die Menschen in Oranienburg seien aufgerufen, „sich dem braunen Ungeist zu widersetzen und ein Zeichen für die Stadt zu setzen“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Dirk Blettermann, der die Gegendemonstration angemeldet hatte – ausdrücklich überparteilich. Er stehe grundsätzlich zum Gespräch bereit, nicht jedoch für Nazis. Bei derzeit kaum 300 Asylbewerbern im Landkreis könne man nicht von Überfremdung sprechen. Er habe den Eindruck, dass die Abendspaziergänger „eine andere Republik anstreben“. Es gehe jedoch darum, die jetzige Republik zu schützen.

SPD-Landratskandidat Ludger Weskamp bedankte sich bei den ebenfalls rund 250 Gegendemonstranten, „dass Sie hier sind und Gesicht zeigen“. Das sei das wahre Gesicht von Oberhavel: „Wir sind offen für Flüchtlinge.“ Er forderte dazu auf, ein Willkommenskultur im Landkreis zu etablieren. Alle, „die sich an die Seite der Nazis stellen“, forderte er auf: „Kommen Sie zu uns und reden Sie mit uns!“

Für Zuwanderung sprach sich auch Thomas von Gizycki aus, der für die Bündnisgrünen als Landrat kandidiert. Es habe sich eben in Deutschland herumgesprochen, „dass es sich in Deutschland frei und gut leben lässt.“ Sebastian Kullack, Landratskandidat der Linken warb dafür, den „Rassisten und Nazis nicht länger nachzulaufen“. „Oranienburg bleibt bunt und tolerant“, sagte Kullack.

Die Stadt stehe für Weltoffenheit und Toleranz, sagte Enrico Rossius, Chef der Oranienburger Linken. „Aber die Toleranz endet, wenn Nazis marschieren.“ „Angeblich besorgte Bürger“ stellte er ausdrücklich in eine Reihe mit Nazis und Rassisten.

Von Helge Treichel und Robert Tiesler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Zwei Demos und 250 Polizisten

250 demonstrierende Asyl-Kritiker, 240 Gegen-Demonstranten, 250 Polizisten: In Oranienburg (Oberhavel) war Mittwochabend einiges los. Die Asylkritiker hatten ähnlich der Pegida-Bewegung, die Montagabend in Dresden rund 15.000 Menschen mobilisierte, zum "Abendspaziergang für eine angemessene Asylpolitik" aufgerufen.

mehr
Mehr aus Oberhavel
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg