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Oranienburg: Gegendemo diesmal ausgesetzt

Abendspaziergang in Oranienburg Oranienburg: Gegendemo diesmal ausgesetzt

Rund 300 Asylgegner versammelten sich Mittwochabend zum Abendspaziergang durch Oranienburg. Gegendemonstranten gab es diesmal nicht. Das Bündnis rief stattdessen zu einem unfreiwilligen Spendenlauf auf: Für jeden Kilometer, den ein Spaziergänger läuft, soll ein Euro für die Oranienburger Willkommensinitiative gesammelt werden.

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Rund 300 Abendspaziergänger trafen sich am Mittwochabend auf dem Postplatz, um gegen die Asylpolitik zu demonstrieren.

Quelle: MAZ

Oranienburg. „Wir wollen nicht mehr über jedes Stöckchen springen, das uns hingehalten wird“, findet Arne Probandt, von der Oranienburger Willkommensinitiative. Und so mancher wolle seine Zeit auch sinnvoller für die Hilfe und Integrationsarbeit von Flüchtlingen investieren, als immer und immer wieder zur Gegendemo zu gehen. Deshalb habe man sich bewusst gegen eine Gegendemo gestern Abend zu den mittlerweile siebenten sogenannten „Abendspaziergängen“ durch Oranienburg entschieden, so SPD-Fraktionschef Dirk Blettermann.

Spendenaufruf für Willkommensinitiative

Stattdessen hatten die Initiatoren der Gegendemos unter dem Dach des Forums gegen Rassismus und rechte Gewalt bereits am Freitag zu einem „unfreiwilligen Spendenlauf“ aufgerufen. Die Aktion lehnt sich an die Idee von „Exit“ an, der Nazi-Aussteigerorganisation. Für jeden Kilometer, den ein Abendspaziergänger läuft, wollen wir eine Spende von einem Euro für die Willkommensinitiative sammeln. So liefen sie wenigstens für etwas Sinnvolles, so Arne Probandt. Über die sozialen Netzwerke hätten sich bis Dienstagabend Privatpersonen und kleine Unternehmer gefunden und Spenden zugesagt.

In Oranienburg ist am Wochenende ein Mann wegen eines Nazi-Tattoos aus dem Spaßbad „Turm“ geflogen. Über seinem Steißbein war der Nazi-Spruch „Jedem das Seine“ zu lesen – dazu eine Silhouette eines Konzentrationslagers.

Kritik an CDU

„Das ist aber keine Absage an eine Gegendemo. Wir werden den Rechten den öffentlichen Raum auch künftig nicht überlassen“, betont die Landtagsabgeordnete der Linken, Gerrit Große. Doch die Straße sei nicht der richtige Ort, um die diffusen Ängste vieler Menschen aufzunehmen. Große bedauerte, dass sich die Oranienburger CDU bei den Gegenaktionen „sehr zurückhalte“. Auch Große findet: Die Abendspaziergänge „rauben uns Lebenszeit, in der wir sinnvolle Hilfe geben können“. Und sie wünscht sich, dass noch mehr Unternehmen in der Stadt Gesicht zeigen. Damit das Image der Weltoffenheit und Toleranz keinen Schaden nimmt.

SPD-Abgeordneter: Wir müssen differenzierter aufklären

Zwei Dinge seien seit dem letzten Abendspaziergang in Oranienburg passiert, so der SPD-Landtagsabgeordnete Björn Lüttmann: Paris und der Anschlag in Jüterbog. „Die Stimmung hat nicht nur an Aggressivität zugenommen, es werden zunehmend Anschläge mit den Flüchtlingsproblemen verknüpft und damit die Leute besorgt gemacht.“ Die kreative Idee des unfreiwilligen Spendenlaufs unterstützt er, „aber wir müssen differenzierter aufklären, gegen Gerüchte vorgehen, am Gartenzaun und auf Facebook. Es werden keine sozialen Leistungen gekürzt, auch Flüchtlinge müssen im Supermarkt bezahlen. Und wir müssen zeigen, dass die Politik handelt“. In Brandenburg würden Lehrer, Polizisten und Richter eingestellt und der Wohnungsbau gefördert.

Von MAZonline

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