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Tanztheater mit Spaßfaktor

Oranienburg: Über Grenzen hinweg getanzt Tanztheater mit Spaßfaktor

„Guten Tag!, Hallo!, Benvenieu!“. Am vergangenen Dienstag fand das erste Tanztheater in der Oranienburger Nikolaikirche statt. Die Nachwuchsdarsteller zeigten ihr Können bei Tanz- und Schauspielimprovisationen. Der moderne Tanzstil ließ viel Platz für die Fantasie des Einzelnen.

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Am Ende des Stückes sah man den Künstlern die Erleichterung an. Alles hat geklappt.

Quelle: Juliane Weser

Oranienburg. Miras, Saskia und Amjad betreten die Bühne. Die Unterkirche der Oranienburger Nikolaikirche ist mit Spots bestückt. Das leicht gelbliche Licht sammelt sich im Zentrum des schwarzen Tanzteppichs. Das Trio begrüßt das Publikum. Nach und nach kommen die rund 20 Kinder auf die Bühne. Sie rufen sich gegenseitig ihre Namen zu und formieren sich zu einem Kreis. Sie bilden eine Gemeinschaft. Mehrsprachig begrüßen sie die Besucher: „Guten Tag!, Hallo!, Bienvenue!“. Am vergangenen Dienstag fand das erste Tanztheater in der Oranienburger Nikolaikirche statt. Dazu kamen Kinder aus Oranienburg und aus Flüchtlingsfamilien zusammen.

Die Mitwirkenden stammen aus Syrien, Lybien, Palästina und Deutschland. Die Idee Tanz- und Schauspielimprovisationen zu kombinieren und dieses Projekt mit Kindern aus der Kirchengemeinde und aus Flüchtlingsfamilien zu bestreiten, entstand vor rund einem Jahr. Die Tanzpädagogin und Puppenspielerin Kathrin Thiele machte damals Station in Oranienburg und führte in der Kirche ein Stück auf: „Die Diskussion um Flüchtlingsfamilien und ihre Integration war damals gerade zu brisant. So entstand die Idee.“ Gemeinsam mit der Oranienburger Kirchenpädagogin Saskia Waurich begann aus der Idee Wirklichkeit zu werden.

Durch ihren regen Kontakt zu den vielen Familien der Kirchengemeinde wurde das Projekt vorgestellt: „In kurzer Zeit waren die Teilnehmerlisten voll. Der Ansturm war gewaltig.“ Der Kontakt zu den Familien aus Syrien und anderen Ländern musst erst noch hergestellt werden. Saskia Waurich stellte sich persönlich vor und konnte schnell das Vertrauen der Familien gewinnen.

Das erste Treffen mit allen Teilnehmern fand am 3. Juli statt. In einem dreitägigen Workshop lernten sich die Kinder kennen. „Sprachbarrieren gab es nicht. Mit dem modernen Tanzstil mussten sich die Nachwuchskünstler jedoch erst einmal anfreunden, so die Pädagogin. Mit zum Team kamen weitere Helfer hinzu wie Hannah Liedke und Tanzpädagoge Fransisco Cuervo. Nach dem ersten Beschnuppern blieben alle Teilnehmer dabei. In einem fünftägigen Workshop in Großväter wurde schließlich das 20-minütige Tanztheater entwickelt. Die Ideen dazu kamen ausschließlich von den Kindern. Die Pädagogen brachten es schließlich in eine Form. Das Stück bekam einen Namen „Ich und Du/ Me and you – Interkulturelles Tanztheater“. Wer bin ich und wer bist du? Wo kommen wir her und was ist unsere Lebensgeschichte? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich die Kinder und setzten es ins Szene. Die Tanzimprovisationen der Kinder zeigten das Auf und Ab des Lebens wieder spiegelten durch Wellenbewegungen der Arme. Die Darsteller zeigten ihr Können auch mit kleinen akrobatischen Einlagen, wie einem Handstand oder einer Brücke. Jeder brachte sich mit seinem Talent ein. Sie zeigten in ihrer Performance wie jeder doch mit dem anderen mal mehr oder weniger in Kontakt kommt. Wie schwer es manchmal ist voran zu kommen im Leben zeigten sie, indem alle Teilnehmer sich fortbewegen musste ohne gehen zu können. Dem Publikum wurde nichts vorgegeben. Jeder sollte sich selbst seine Gedanken machen, wie etwas gemeint gewesen sein könnte.

Kulturelles Tanztheater

Gemeinsam mit der Gemeindepädagogin der Oranienburger Nikolaikirche Saskia Waurich, dem Tanzpädagogen Francisco Cuervo, der Wissenschaftlerin Hannah Liedke, und Job aus Kamerun, entstand mit Kindern aus Flüchtlingsfamilien und aus der Kirchengemeinde das Projekt Tanztheater.

Für das Einstudieren des Stückes fuhren die Teilnehmer zu einem fünftägigen Workshop nach Großväter bei Templin.

Das Projekt wurde unterstützt durch das Bündnis „Kultur macht stark“, die Stadt Oranienburg, den Verband „Freier Theater“, den Landesjugendring sowie die F. C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichekeit, Rassismus und Intoleranz.

Das Tanztheater soll nicht sterben. Für eine Fortführung benötigen die Darsteller Spenden. Wer helfen möchte meldet sich bei Saskia Waurich. Die evangelische Kirchengemeinde sammelt Spenden für die arbeit mit Flüchtlingen.

Das Tanzprojekt kam bei den Gästen sehr gut an. „Das war mal etwas anderes und sehr schön mit anzusehen“, hieß es da. Für die Mitwirkenden war es ein „besonderes Erlebnis“, dass ihnen vor allem“viel Spaß“ gebracht hat, wie die achtjährige Charlotte danach zusammenfasste. „Ich habe durch unser Tanztheater Menschen kennen gelernt, die ich normalerweise nie getroffen hätte“, sagt Celina aus Oranienburg. Saskia Waurich ist im Nachhinein überrascht gewesen, wie einfach doch die Arbeit mit den Kindern gewesen ist: „Wir haben alle voneinander viel gelernt. “ Als Bereicherung empfanden das Publikum auch die Muttersprache der Darsteller zu erleben. Auch wenn man selbst diese Sätze nicht verstehen konnte, hat man doch in diesem Augenblick ein Gefühl dafür, wie sich ein Flüchtling in einem fremden Land fühlen muss.

Von Juliane Weser

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