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28-jähriger Berliner will Wochenmarkt beleben

Oranienburg 28-jähriger Berliner will Wochenmarkt beleben

Tobias John möchte als dritter Betreiber sein Glück mit dem Oranienburger Wochenmarkt versuchen. Die Stadt muss seinen Antrag nur noch genehmigen. Derweil diskutieren MAZ-Leser weiter sehr lebhaft Standort und Zeit des Innenstadt-Basars.

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Verloren wirkt der Wochenmarkt. Freitag kamen drei Händler, um ihre Waren zu verkaufen.

Quelle: Robert Roeske

Oranienburg. Honiggläser, Obst und Gemüse, mediterrane Salate. Drei Händler boten am Freitag auf dem Oranienburger Wochenmarkt ihre Waren feil. Ein trauriger Anblick. „Für mich lohnt sich das nur wegen meiner Stammkundschaft“, sagt Doreen Köpper. Jede Woche reist die Obst- und Gemüsehändlerin gut 75 Kilometer aus Bochow (Groß Kreuz) an. „Im Moment hat der Markt echte Probleme“, stimmt ihr Wolfgang Horst zu. Der Imker aus Zühlsdorf kommt in der Ferienzeit aus Angst vor zu großen finanziellen Einbußen nur alle 14 Tage. „Mit drei Ständen kann man eh keinen Markt machen“, ist er sicher.

Priska Krüger ist raus, die bisherige Betreiberin dreht am Freitag ihre finale Runde. „Es ist mein letzter Tag“, sagt sie. Zufrieden war sie in Oranienburg nie. Tobias John soll es anders ergehen. Er möchte ab September offiziell die Marktleitung übernehmen. „Ich warte noch auf die Genehmigung von der Stadt“, sagt der 28-jährige Berliner. Mit einem Dienstleistungsunternehmen, das Markstände vermietet, hat er sich selbstständig gemacht. Auch die Buden auf dem Oranienburger Markt baut er auf.

Neuer Marktleiter will mehr Händler ranholen

„Ich werde versuchen, neue Händler zu akquirieren“, sagt er. „Der Markt hier ist in Berlin unter Händlern etwas verrufen, das will ich ändern.“ Er ahnt: „Ich weiß, ich muss viel Zeit investieren und Ausdauer haben.“ Mit seiner Mutter wird er zumindest mit einem eigenen Eier-Stand die Angebotspalette erweitern. Vielleicht kommt ein Imbisswagen hinzu. Seine Idee: Mitarbeiter der Bibliothek sowie der Kreis- und Stadtverwaltung wieder mit ins Boot holen. Sie sollen hier künftig ihr Mittag essen. Burger, Falafel oder Currywurst. Die Gerichte könnten variieren.

Was er ferner im Blick hat: Mehr Werbung. „Wenn es die Stadt erlaubt, Banner sind schon gedruckt“, sagt er.

Nicht nur die Stadt entscheidet über die Zukunft des Marktes durch Verbote und Genehmigungen. Die Oranienburger selbst haben einen nicht minder großen Anteil am Fortleben oder Auslaufen eines Innenstadt-Basars. Viele MAZ-Leser und Facebook-Nutzer haben uns ihre Meinung geschickt. Besonders lebendig diskutiert wird eine Verlegung des Marktes auf einen anderen Wochentag.

MAZ-Leser für Wochenmarkt, aber nicht freitags

Der Oranienburger Andreas Schultz schreibt: „Ich bin berufstätig, also werde ich nie den Wochenmarkt aufsuchen.“ Auch Manuela Börner spricht von einer „berufstätigenunfreundlichen Zeit“. Eine Testphase für einen Markt am Sonnabend gab es schon, als Yvonne Trenner den Markt noch führte. Im März, zu den Osterferien. Das war „deutlich ungünstig gewählt“, so Michaela Morkoc. Der Oranienburgerin würde ein Markt am Sonnabend aber gefallen. „Wenn man in Berlin arbeitet, schafft man es nicht freitags.“ Sie wünscht sich: regionale Produkte, besondere Gemüsesorten, frische Kräuter, Fleisch vom Bio-Bauern, Veganes, Food-Trucks vielleicht, die Essen anbieten.

Für Nico Albrecht ist der Freitag ebenfalls unvorteilhaft. Da arbeitet er im Büro. „Auf dem Weg nach Hause fährt man halt bei Kaufland ran und hat alles“, schreibt er. In Oranienburg gebe es für so einen Markt zu wenig Laufkundschaft. Nur am Wochenende würde es für ihn Sinn machen, wenn Berufstätige die Zeit hätten, in Ruhe über einen Markt zu schlendern, denn „gesund, frisch und bewusst kann man auch in den Discountern kaufen.“

Mehr bezahlen für regionale Produkte

Bärbel Sonnemann sieht nicht ein, für drei Buden auf einen Wochenmarkt zu gehen. „Dann lieber zu Lidl“, sagt sie. „Man muss Waren anbieten, wo die Kundschaft ist, und nicht andersrum.“

Martina Sauer hält nur einen Wochenendmarkt für rentabel – mit „bezahlbaren Bioprodukten und attraktiven Nebenangeboten“.

Die Effektivität eines Marktes am Sonnabend hebt Facebook-Nutzerin Nina von Berlin hervor. „Da kommen dann sicher auch Kunden, die Geld ausgeben wollen.“ Zudem gefalle ihr der Standort kurz hinter der Brücke nicht. „In dieser Ecke fällt er kaum auf und sieht gequetscht aus, man hat gar keine Lust, deshalb anzuhalten.“

Einige MAZ-Leser sind sich einig, dass sie für gute Produkte auch etwas mehr bezahlen würden. „Allerdings denke ich, dass in Oranienburg die Masse der Kundschaft lieber Billiges im Supermarkt kauft. Die Kaufkraft liegt in der arbeitenden Bevölkerung, die wochentags keine Möglichkeit hat, auf dem Markt einzukaufen“, so die Oranienburgerin Susanne Jakob. Also Sonnabend wäre der bessere Tag. „Nach mehreren Stadtmarketing- und Einzelhandelskonzepten muss die Stadt neue Wege gehen, um den Wochenmarkt als Erfolgsfaktor in der Stadt zu etablieren“, schreibt Barbara Boitz. „Der private Betreiber ist nicht die Lösung, er wird in kürzester Zeit wieder pleite gehen“, prophezeit sie. „Wenn man es ernst meint, geht der Markt nur in Eigenregie der Stadt oder einer ihrer Stadtgesellschaften.“

Aber erst einmal will Tobias John sein Glück versuchen.

Von Marco Winkler

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