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875 Glienicker entschieden über Bürgerhaushalt

Glienicke 875 Glienicker entschieden über Bürgerhaushalt

Von Wahlmüdigkeit keine Spur: 875 Glienicker entschieden am Sonnabend mit, wovor die 100 000 Euro des Bürgerhaushaltes ausgegeben werden sollen. Ganz vorn lag der Wunsch nach neuen Spielgeräten für den Pausenhof der Grundschule. Aber es erfüllen sich noch mehr Wünsche.

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Hans Günther Oberlack war von den vielen „Wählern“ begeistert.

Quelle: Helmut Schneider

Glienicke. Ob bei Bundestags,- Landtags- oder Kommunalwahlen – immer wir über die schlechte Wahlbeteiligung gezetert. Und dass die Entscheidung offenbar zu wenig interessiert. Ganz anders äußerte sich Glienickes Bürgermeister Hans Günther Oberlack gestern über seine Bürger. Die waren am Sonnabend aufgerufen, über den „Bürgerhaushalt“ in Höhe von 100 000 Euro abzustimmen. „Mit 600 Wählern hatten wir gerechnet – es waren schließlich 875“, resümierte Oberlack euphorisch und übernahm gut gelaunt die Moderation für die Auszählung der Stimmen.

Bis 14 Uhr konnten die Glienicker in der Mensa der Grundschule mitbestimmen, wofür die Summe von 100 000 Euro ausgegeben werden sollten. 114 Vorschläge waren zuvor von den Bürgern eingereicht worden und standen nun in der Mensa in Form von nummerierten Glasvasen. Auch, was es kosten würde, war bekannt. Beispielsweise ein Trimm-Dich-Pfad nahe der Ahornallee (15 000 Euro) oder Deckel auf allen Papierkörben zum Schutz vor Vögeln und Wildtieren (5712 Euro) oder überdachte Fahrradständer an der Dreifelderhalle (4000 Euro).

Jeder Wahlberechtigte – Bürger ab zwölf Jahren aus dem Ort – hatte fünf Stimmen (Chips), mit denen er seine Prioritäten festlegen und in die entsprechende „Vasen-Urne“ legen konnte.

Trotz des Schmuddelwetters herrschte fröhliches Treiben an der Grundschule. In einem extra aufgebauten Großzelt konnten die Kinder spielen, sich schminken lassen und es gab belegte Brote, Kaffee und Kuchen. In der gegenüber liegenden Mensa hatten die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung alle Hände voll zu tun, um dem unerwarteten hohen Zuspruch ihrer Bürger gerecht zu werden. Es klappte alles hervorragend. Punkt 14 Uhr wurde es spannend. Alle 114 Urnen wurden unter den kritischen Augen vieler Zuschauer und des Bürgermeisters ausgezählt. Nach 40 Minuten war man bei der 100 gelandet, worauf Hans Günther Oberlack humorig bemerkte: „Wir liegen in der Zeit deutlich vor den Auszählungen beim Eurovisions Song Contest – nur die Moderatoren sind da charmanter“. Wenige Minuten später war es geschafft. Gespannt verfolgten die Glienicker, was nun mit ihrem Geld geschehen wird.

Mit großem Abstand gewann die Nummer 26: Damit gibt es neue Spielgeräte für den Schulhof der Grundschule (12 022 Euro). Es folgte Nummer 55: barrierefreier Übergang über die Straße vor dem Seniorenheim Angerhof (5000 Euro). Freuen können sich die Glienicker weiterhin über die Bereitstellung von 10 000 Laubsäcken und deren kostenlose Abholung (15 000 Euro). Ein Gesundheitsförderprogramm für die Schüler der 5. Klassen (10 380 Euro) wurde ebenso gewählt wie die Beleuchtung hinter der Feuerwehr am Kiesgrund – Kostenpunkt 15 000 Euro. Unter großem Hallo kam auch noch der Beachvolleyballplatz im Bürgerpark für 15 000 Euro durch. Die nächsten Wünsche überstiegen die 100 000-Euro-Grenze, so dass nur noch die nächst bescheideneren Berücksichtigung finden kannte: 1760 Euro für freies WLAN und eine Wippe für 3000 Euro am Spielplatz „Kletterspinne“.

Übrig blieben dann noch Restbeträge, die unter anderem für zwei Bildbände von der Mauer für das Glienicker Gemeindearchiv reichten.

Im kommenden Jahr gibt es wieder eine Abstimmung zu einem Bürgerhaushalt, zu dem jetzt schon Vorschläge eingereicht werden können, war von dem über die gelungene erste Bürgerhaushaltswahl hoch zufriedenen Glienicker Bürgermeister zu erfahren.

Von Helmut Schneider

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