Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Angler verurteilen Facebook-Hetze

Vorstandsmitarbeiter teilt Neonazi-Seiten Angler verurteilen Facebook-Hetze

Weil er Hetzseiten auf Facebook geteilt hat und mit einem bekannten NPD-Mann befreundet war, haben die Angelfreunde Stahl Hennigsdorf (Oberhavel) einen Mitarbeiter des Vorstandes mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. Sie wollen nun politische Neutralität in ihrer Satzung verankern. Doch der Angler stellt seine Aktivitäten im Internet ganz anders dar.

Voriger Artikel
Es ist eine 16 Meter hohe Küstentanne
Nächster Artikel
„Für mich das Überraschungsteam“

Nach Facebook-Hetze ziehen Angler in Hennigsdorf die Reißleine. l.

Quelle: AFP

Hennigsdorf. „Das war, als hätte mir jemand ein Messer in den Rücken gerammt“, sagt Carsten Gruhn. Der Vorsitzende der Angelfreunde Stahl Hennigsdorf 1959 ist entsetzt darüber, dass ein Mitarbeiter seines Vorstandes auf Facebook rechte Hetzseiten mit „gefällt mir“ markiert hatte. Die Seiten tragen die Titel „Aufwachen Deutschland“, „Tägliche Einzelfälle“ und „BRD Pseudostaat-Regierung“, auf Letzterer wird gegen Ausländer gehetzt und die Geschichte umgedeutet. Zudem ist der Angler auf Facebook mit einem Oberhaveler NPD-Abgeordneten befreundet. Für Carsten Gruhn ist das genug, um den Vereinskameraden mit sofortiger Wirkung von seiner Arbeit im Vorstand zu entbinden. In der vergangenen Woche entschieden das die fünf Vorstandsmitglieder der Angelfreunde auf einer eilig einberufenen Sondersitzung zum Thema.

Der Angler verteidigte sich, er sammle nur Kommentare und Äußerungen verschiedener Gruppierungen, um sich ein Gesamtbild machen zu können. Er sei mit der derzeitigen Politik nicht einverstanden. Der Hennigsdorfer beteuerte aber, dass er nicht der rechten Szene angehöre. Für Carsten Gruhn reicht diese Einlassung aber nicht. „Wenn einer im Internet bewusst sowas macht, dann tut er das nicht rein zufällig oder aus kindlichem Leichtsinn“, so Gruhn. Eher lasse er sich die Hand abhacken, als den Hennigsdorfer weiter im Vorstand arbeiten zu lassen. Im Verein mit 234 Mitgliedern seien auch Menschen aus Syrien, Rumänien, Ungarn oder Polen. „Wenn jemand in der Führungsebene solche rechten Ansichten hat, dann fällt das auf den ganzen Verein zurück“, sagt der Vereinschef.

Vereinschef Carsten Gruhn ist entsetzt über den Vorfall

Vereinschef Carsten Gruhn ist entsetzt über den Vorfall.

Quelle: Verein

Nico Scuteri vom Mobilen Beratungsteam, Ratgeber gegen Rechtsextremismus, lobt das schnelle Handeln des Vereins. Ein normales Mitglied müsse man wegen solcher Äußerungen nicht sofort aus dem Verein werfen, auf Vorstandsebene sei eine schnelle Reaktion aber nötig. „Diese Mitglieder repräsentieren den Verein, und wenn sich jemand dann so über Soziale Netzwerke bekennt, schadet das dem Ansehen des Vereins und schreckt potenzielle Mitglieder ab“, erklärt Scuteri.

In den vergangenen Jahren hatten die Angelfreunde wegen solcher Verdächtigungen auch schon zu Unrecht viermal Besuch von der Polizei. Wenn die Mitglieder auf dem Vereinsgelände oder am Wasser die Fischer-Grußformel „Petri Heil“ rufen, verstehen Passanten leider oft nur „Heil“ – also den halben Hitlergruß, erklärt Carsten Gruhn. „Da sieht man, wie schnell man in diese Ecke geschoben werden kann“, so der 49-Jährige.

Im kommenden Jahr soll die Vereinssatzung dahingehend geändert werden, dass Mitglieder in leitender Funktion politisch neutral agieren müssen. „Ausländerfeindlichkeit soll ein Grund für den Vereinsausschluss werden“, erklärt Carsten Gruhn.

Von Marco Paetzel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oranienburg
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg