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Buntes Wohnprojekt in Kleinmenow

Fürstenberg Buntes Wohnprojekt in Kleinmenow

Vor 154 Jahren schlug in Kleinmenow ein Meteorit ein. Ein Gedenkstein erinnert daran – und gab der Villa Meteor ihren Namen. 2012 erwarb Tim Lehmann das Objekt, sanierte es und machte daraus ein spannendes Wohnprojekt mit Fürstenberger Mietern und Berlinern, die ihre Wochenenden dort verbringen.

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Jeder kümmert sich: Die verschiedenen Mieter sorgen für die Begrünung und Pflanzen vor der Villa.

Quelle: Marco Winkler

Fürstenberg. Anita Stölke wohnt seit über 45 Jahren in Kleinmenow – in einer Villa. Als ihr Mann Dietmar kürzlich seinen 70. Geburtstag feiern wollte, richtete sie diesen nicht in ihrer Wohnung, sondern in der großen Gemeinschaftsküche ein paar Türen weiter aus.

Fünf Wohnungen gibt es im Haus. Das Ehepaar Stölke bewohnt eine, zwei weitere die erwachsenen Söhne Ralph und Axel. Und dann gibt es da noch die elf Berliner. Sie leben im Rest des großen Hauses in einer Wohngemeinschaft. „Die WG-Leute sind wie Kinder für mich“, sagt Anita Stölke. „Wir sind eine große Familie.“

Den historischen Charakter erhalten

Es ist ein ganz besonderes Wohnprojekt, das der Berliner Architekt und Stadtplaner Tim Lehmann in Kleinmenow auf die Beine gestellt hat. Es war sozusagen seine Blaupause für den Fürstenberger Bahnhof. „Ohne den Erfolg der Villa hätte ich das Bahnhofsgebäude wohl nicht gekauft“, so der Mittvierziger. 2012 erwarb er die Immobilie und weckte sie aus ihrem Dornröschenschlaf – mit Hammer, Meißel, Spachtel, viel Farbe und noch mehr Gespür für die Erhaltung des historischen Charakters.

Die Villa passt sich der Idylle Kleinmenows an. Straße, Grün, Wasser, wenige Menschen. Stille. „Die Villa ist das einzige originale Gutshaus in Kleinmenow“, so der Besitzer. Grau und trist fand er das Haus vor. Jetzt strahlt es fast. „Noch ist viel Arbeit, das Dach ist undicht, es regnet teils durch.“

Eine Postkarten aus dem Jahr 1920

Eine Postkarten aus dem Jahr 1920.

Quelle: privat

Vor allem im Turmzimmer, das er bewohnt. Aber das sieht der geneigte Besucher nicht, wenn er auf dem Balkon im Obergeschoss sitzt und den Blick auf die Stelle, wo die Havel aus dem Ziernsee fließt, genießt. Der See gehört zu Mecklenburg-Vorpommern.

Gerade so in Oberhavel ist deshalb vor 154 Jahren nahe der Villa ein Meteorit eingeschlagen. Eimergroß soll der kosmische Körper gewesen sein. Teile sind weltweit in Museen zu finden. Nicht nur an den Einschlag erinnert am östlichen Rand des Grundstücks ein Gedenkstein. Auch dem Schäfer und seiner Herde, die laut Überlieferung mit dem Schrecken davongekommen sind, wird damit gedacht. Bis heute wirkt der Meteorit nach. Ihm verdankt die Villa Meteor ihren Namen: Villa Meteor.

Viel Arbeit, die zusammenschweißt

Um 1900 wurde das Wohnhaus errichtet. Die alte Linde ist noch da, das Teehaus im Landschaftspark nicht mehr. Ebenfalls nicht erhalten: Stall, Scheune, Gewächshaus, Schmiede, Pumpenhaus. Das historische Windrad gibt es auch nicht mehr. Selbst der Holzbalkon war verschollen – Tim Lehmann ließ ihn nachbauen, verlieh der Villa wieder ihren Flair. Es ist eine Gemeinschaft aus Jung und Alt, aus alteingesessen und zugezogen. „Wir haben hier eine Menge selbst gemacht“, so Tim Lehmann. Zimmer renoviert, Böden abgeschliffen, Wände geweißt, Fassade saniert, eine Gemeinschaftsküche installiert. Viel Arbeit. „Das hat uns zusammengeschweißt.“

Dabei hatte er die WG-Idee gar nicht im Sinn. Berliner Freunde, die extra aus der Hauptstadt an Klarwasserseen wie den Stechlin oder Peetschsee reisten, machten ihn darauf aufmerksam, dass eine nahe Übernachtungsmöglichkeit ideal wäre. So wie Anna Hopp und ihr Mann. Die Architekten haben sich gegen ein Haus am Stadtrand entschieden, „weil wir sehr gern in Berlin-Mitte wohnen bleiben wollten“ – und für eine WG. „Tim hat jedem von uns viel Spielraum gegeben“, so Anna Hopp. Mit den anderen Mietern hat sie ein „gutes Verhältnis“.

Anita Stölke war froh, als sie hörte, dass Tim Lehmann das Haus kauft. „Wir hatten keinerlei Bedenken“, sagt sie. Alle Mieter sollten schließlich bleiben. Durch die Wohngemeinschaft kam Leben in Haus und Hof. Nur manchmal stört es sie, wenn die „jungen Leute“ keine Gardinen vor ihren Fenstern haben. „Das sieht dann aus wie tote Augen.“ Als wären kleine Meteoriten eingeschlagen.

Von Marco Winkler

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