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Catherine Shepherds Vorliebe fürs Dunkle

Oranienburg Catherine Shepherds Vorliebe fürs Dunkle

Ihre E-Books verkauften sich hunderttausendfach im Internet. Im MAZ-Interview erzählt Autorin Catherine Shepherd von Erfolg und anonymer Häme im Internet, ihrem Hang zum Düsteren und ihrer Jugend in Oranienburg.

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Abschied von der Kundschaft

Catherine Shepherd an ihrem Arbeitsplatz.

Quelle: privat

Oranienburg. Ihre Ebooks verkauften sich hunderttausendfach im Internet. Im MAZ-Interview erzählt Autorin Catherine Shepherd /gebürtig: Katrin Schäfer) von Erfolg und anonymer Häme im Internet, ihrem Hang zum Düsteren und ihrer Jugend in Oranienburg

Frau Shepherd, Sie sind aus Oranienburg, hier aufgewachsen. Wie lange haben sie in Oranienburg gelebt?

Catherine Shepherd : 14 Jahre. Ich bin im Alter von fünf Jahren nach Oranienburg gezogen und habe ich mit 19 Jahren ein Wirtschaftsstudium in Giessen (Hessen) zugewiesen bekommen.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Oranienburg?

Shepherd : Ich habe meine gesamte Kindheit und Jugend dort verbracht. Ich erinnere mich an tolle Schulausflüge an die Havel, an das Oranienburger Schloss und das nette Eiscafé, schräg gegenüber des F.-F. Runge-Gymnasiums, in dem ich als Teenager Stunden mit Freunden verbracht habe. Aber auch meine sportliche Zeit als Florett-Fechterin ist mir lebhaft im Gedächtnis geblieben. Ich habe fast zehn Jahre in einem Sportverein in Lehnitz trainiert und diese Sportart hat mich sehr geprägt.

Ist ein Stück ihrer Geburtsstadt in ihrem literarischen Werk zu finden?

Shepherd : Geboren wurde ich in Greifswald, bin aber schon mit knapp drei Jahren von dort nach Magdeburg gezogen, so dass ich kaum Erinnerungen an diese beiden Städte habe. Aber mit meinem Roman „Krähenmutter“ bin ich in den Norden Berlins zurückgekehrt. Meine Ermittlerin Laura Kern ist als Spezialermittlerin beim LKA tätig. Ganz sicher wird sie in einem der nächsten Bücher auch einmal in Oranienburg zu tun haben.

Auf Facebook gibt es zwei Seiten von Ihnen. Sind das reine „Fanpages“ oder treten Sie dort in Kontakt mit ihren Lesern?

Shepherd : Ja, hierbei handelt es sich um zwei Fanseiten, über die ich aber tatsächlich sehr engen Kontakt zu meinen Lesern halte. Darüber hinaus gibt es noch eine Personenseite, über die man mit mir persönlich befreundet sein kann. Ich antwortete aber auch gerne auf E-Mails oder auf Nachrichten bei Instagram und Twitter.

Wie wichtig ist Ihnen das Feedback Ihrer Leser?

Shepherd : Jeder Autor lebt dafür, dass seine Bücher gelesen werden. Von daher befinde ich mich in regem Austausch und bin über jedes Feedback sehr dankbar. Ich habe beispielsweise jemanden von der Kriminalpolizei unter meinen Lesern, der mir schon oft Tipps gegeben hat. Ich freue mich aber auch über jedes Dankeschön.

Wie gehen Sie mit Kritik um, wenn beispielsweise ein anonymer Amazon-Kunde ihren Roman „Der Puzzlemörder von Zons“ als „das Allerletzte, was ich in den letzten Jahren gelesen habe“ bezeichnet?

Shepherd : Ich lese jede Kritik und sofern sie gerechtfertigt ist, nehme ich sie auf. Leider gibt es Leser, die sich im Ton vergreifen und dem Buch bewusst schaden wollen. Die meisten dieser Rezensionen entwerten sich von selbst. Es gibt glücklicherweise viel mehr Rezensionen von begeisterten Lesern, die mich nach einer schlechten Rezension „aufbauen“ und den Ärger verblassen lassen.

Selfpublisher, also Autoren, die ihre Werke selbst verlegen, haben nicht den besten Ruf – ohne einen Verlag im Rücken, aber mit dem Risiko, auf den Kosten sitzen zu bleiben. Warum sind Sie 2012 diesen Weg gegangen?

Shepherd : Ich hatte nie vor Autorin zu werden. Mein erstes Buch war eine reine Herzensangelegenheit. Ich war schon immer künstlerisch veranlagt und wollte vor meinem Wirtschaftsstudium eigentlich Malerei und Grafik studieren. Doch die Kreativität hat sich offenkundig einen Weg an die Oberfläche gesucht. Als ich erfahren habe, dass man Bücher selbst veröffentlichen kann, hatte ich sofort eine Geschichte im Kopf, die ich einfach aufgeschrieben und hochgeladen habe. Damals war ich als Managerin in einer Düsseldorfer Bank tätig und wäre nicht im Traum auf die Idee gekommen, dass sich mein Leben durch dieses Buch derartig verändern würde.

Wie alt waren Sie da?

Shepherd : Ich war zu diesem Zeitpunkt vierzig. Aber für neue Wege ist es wohl nie zu spät im Leben. Kosten für mein erstes Buch sind mir übrigens bis auf meine Arbeitszeit fast nicht entstanden. Über Amazon erhält man eine Provision für jedes verkaufte Buch und muss nicht in Vorleistung gehen. Korrekturarbeiten haben Freunde und Familie übernommen und das Cover habe ich selbst gestaltet.

Dann kam der Schritt in den klassischen Buchhandel.

Shepherd : Ja, den Kafel Verlag habe ich später gegründet, um auch gedruckte Bücher in den Buchhandel bringen zu können. Da bin ich aber kein finanzielles Risiko eingegangen, weil ich hunderte Vorbestellungen hatte. Seit dem zweiten Buch wurde es aber schon viel professioneller: alle Titel werden jetzt von Lektoren und Korrektoren durchgesehen und das Cover kommt von einem Designer.

Einige von ihnen werden international berühmt und reich wie E. L. James mit ihrer „Shades of Grey“-Trilogie. Dennoch werden sie oft belächelt. Ist Selbstveröffentlichung ein Segen für die literarische (Nischen-)Vielfalt oder ein Fluch, bei welchem massenhaft Texte den Markt überfluten?

Shepherd : Die erfolgreichen Selfpublisher arbeiten heute alle professionell. Natürlich gibt es schwarze Schafe, aber solche Titel setzen sich auf Dauer nicht durch. Außerdem können E-Books bei Amazon zurückgegeben werden. Ich denke, für den Buchmarkt ist es ein Segen, denn am Ende bestimmt der Leser, was er lesen möchte und nicht die Marketingkampagne eines großen Verlages.

Jetzt hat Sie ein „richtiger“ Verlag unter Vertrag genommen. Wie sehr hat Sie das Angebot überrascht und haben Sie kurz gezögert, weil Sie befürchteten, Ihre Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zu verlieren?

Shepherd : Ich hatte einige Angebote und habe mich für Piper entschieden, weil der Verlag von der „Krähenmutter“ überzeugt war.

Aber Sie hatten auch Ängste ...

Shepherd : Ich hatte tatsächlich einige Befürchtungen, insbesondere weil Autorenkollegen von mir schlechte Erfahrungen mit Verlagen gesammelt haben. Aber ich bin sehr begeistert von der Zusammenarbeit mit Piper. Der Verlag respektiert seine Autoren und macht absolut gar nichts ohne dessen Zustimmung.

Von ihren sieben Thriller konnten Sie mittlerweile über 700 000 Exemplare verkaufen. Können Sie von der Arbeit als Autorin leben?

Shepherd : Ja, bei dieser Anzahl von Büchern brauche ich meinen Bankjob nicht mehr.

Was sind die Motive in Ihren Büchern?

Shepherd : Meine Bücher sind eine Mischung aus Gegenwart und Mittelalter. Die Kapitel wechseln sich ab und erst am Ende verschmelzen die Erzählstränge zu einer einzigen Geschichte. Meist sind grausame Serienmörder am Werk, die ihren Groll durch die Jahrhunderte tragen oder einfach nur Nachahmungstäter sind. Ich lebe inzwischen in Zons, einer kleinen Stadt zwischen Düsseldorf und Köln, die im Mittelalter gegründet wurde und immer noch sehr gut erhalten ist. Das inspiriert mich. Wer an meinen Krimiführungen durch die dunklen, engen Gassen teilnimmt, wird mich verstehen

Hört sich düster an. Woher kommt diese Affinität fürs Dunkle?

Shepherd : Dieselbe Frage hat mir meine Mutter auch gestellt. Ich weiß es nicht. Die Geschichten kommen einfach zu mir, genau wie die Hauptfiguren. Da meine Ermittler aber im nächsten Band wieder auftauchen, ist zumindest in dieser Hinsicht ein Happy End oder Licht im Dunkeln garantiert.

Wann wurde eigentlich aus der gebürtigen Katrin Schäfer die Autorin Catherine Shepherd?

Shepherd : Schon mein erstes Buch habe ich unter diesem Pseudonym geschrieben, weil ich Katrin Schäfer ein wenig langweilig fand. Mein Mann kam auf die Idee mit der Übersetzung und es hat mich sofort überzeugt.

In weiser Voraussicht, auf dem internationalen Markt Bestand zu haben?

Shepherd : Zwei meiner Bücher sind bereits ins Amerikanische übersetzt, aber damit hatte ich damals nicht im Ansatz gerechnet.

Zorn und Krähenmutter

Catherine Shepherd wurde am 28. Oktober 1972 in Greifswald geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in Oranienburg, bevor sie BWL studierte und in Frankfurt am Main sowie Düsseldorf in Banken arbeitete. Seit 2007 lebt sie in Zons in Nordrhein-Westfahlen. Dort spielen auch ihre Romane.

Ihre „Zons-Krimis“ sind eine Mischung aus historischem Roman und Thriller. Mittlerweile gibt es sechs Teile: Der Puzzlemörder von Zons, Erntezeit, Kalter Zwilling, Auf den Flügeln der Angst, Tiefschwarze Melodie, Seelenblind.

Im Oktober erscheint ihr Roman „Krähenmutter“ als erstes Werk der Autorin bei einem großen Buchverlag: Piper. Es ist der Start einer neuen Reihe um Spezialermittlerin Laura Kern. Als E-Book ist das Buch schon auf Amazon für 3,99 Euro erhältlich.

Von Marco Winkler

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