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„Charme-Bahnhof“ nimmt Gestalt an

Fürstenberg „Charme-Bahnhof“ nimmt Gestalt an

Problemlösung durch Abriss. Das Konzept ist Tim Lehmann bekannt. Doch der Eigentümer des Fürstenberger Bahnhofs kann damit nichts anfangen. „Das funktioniert heutzutage einfach nicht mehr“, sagt er. Er setzt auf eine sinnvolle Nachnutzung und zukunftsfähige Ideen.

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Tim Lehmann (links) begutachtet mit Bauarbeitern seinen Bahnhof.

Quelle: Marco Winkler

Fürstenberg. Problemlösung durch Abriss. Das Konzept ist Tim Lehmann bekannt. Doch der Eigentümer des Fürstenberger Bahnhofs kann damit nichts anfangen. „Das funktioniert heutzutage einfach nicht mehr“, sagt er. Er setzt auf eine sinnvolle Nachnutzung und zukunftsfähige Ideen. Vielleicht spricht er deshalb von seiner Anfang 2015 erworbenen Immobilie als „Charme-Bahnhof“. Er habe viel Potenzial.

Damit das noch besser zur Geltung kommt, ist eine Außensanierung fast abgeschlossen. Keine tristen braunen Fensterumrahmungen mehr, kein undefinierbarer Fassadenfarbton, der an nassen Sand erinnert. Nach der Durchsicht eines vielfältigen Farbfächers hat sich Tim Lehmann für ein Lichtgrau als Fensterumrahmung und einen Rotton für das äußere Erscheinungsbild entschieden. „Eigentlich wollte ich das Rot kräftiger“, sagt er. „Aber so wirkt es sicher freundlicher.“ Kleine Schritte mit großem Effekt, das ist sein Motto. Er will aufwerten, was an Material vorhanden ist. „Altes bewahren und Neues hinzufügen.“

Von der Telefonkabinen-Nostalgie

Nicht immer ist das einfach. So wollte er die Telefonzelle von der Telekom entfernen lassen, da diese in Zeiten von Smartphones keiner mehr nutzt. Bei der Telekom rannte er mit seinem Vorschlag offene Türen ein. Doch die Stadt Fürstenberg musste erst zustimmen. „Sie hat abgelehnt“, so Lehmann. Begründung: Eine Telefonzelle würde das Stadtbild aufwerten. Tim Lehmann spricht von „Nostalgie-Denken“, sei so eine enge Zelle mittlerweile doch nur noch ein Anachronismus.

Er konnte die Stadt aber schließlich überreden; die Telefonkabine kam weg, ein sogenanntes „Basis-Telefon“ hinzu: Eine Stele mit pinkem Hörer. Der Notruf kann gewählt, R-Gespräche geführt werden. Viel mehr nicht. Geld nimmt das Telefon nicht. „Wichtig ist die Möglichkeit, den Notruf zu wählen“, so Lehmann. Die alte Zelle als Bücherbox umzufunktionieren, wäre in seinem Anliegen gewesen. Doch der bürokratische Aufwand sei zu hoch gewesen.

Bespielung des öffentlichen Raums

Wenn der Fassadenanstrich komplett durch ist, wird an der rechten Bahnhofshälfte noch eine Laderampe installiert, eine „Reminiszenz an die historische Rampe der Güterschuppen“, die vor Jahren abgerissen wurde. Ferner werden Blitzableiter und Regenrohre teils erneuert.

Schon seit längerer Zeit neu: Michel Bürgel und Maria Fechner. Sie renovieren die Eingangshalle, stellten dort Kunst aus, verleihen Fahrräder. Manchmal trocknen sie sogar ihre Wäsche auf dem Bahnsteig. „Sie wissen aber, wo ihre Grenzen sind, der Bahnsteig ist ja schließlich noch Bahneigentum“, so Tim Lehmann, der sich über die „Bespielung des öffentlichen Raums“ freut.

Tisch und Bänke haben die beiden Berliner hingestellt, jeder kann sich setzen. Ein kleines Gartenprojekt ist neben dem Bahnhof zu finden. Tomaten, Kräuter, Paletten als Sitzmöglichkeiten. „Das ist alles angelehnt an die ’Grassroots-Bewegung’ aus den USA“, so Tim Lehmann. Die „Graswurzel-Bewegung“ geht von der Bevölkerung aus, von Privatpersonen, die in Eigeninitiative etwas für ihre Nachbarn, Stadt oder die Gesellschaft machen wollen – von ganz unten heraus, wie eine Graswurzel. „Hier gibt es sogar eine Privatperson, die die Blumen regelmäßig gießt“, so Lehmann, „aus eigener Motivation heraus.“

Abriss oder Nachnutzung?

Zu der Bewegung gehört auch, alte Gebäude zu nutzen, sie umzufunktionieren, nicht verkommen zu lassen. Wie den Pavillon der ehemaligen Eisenbahnerwohnung in Bahnhofsnähe. Den könnten Michel Bürgel und Maria Fechner als öffentlichen Garten bewirtschaften. Doch die Stadt hat andere Pläne. Sie will ihn abreißen. „Er muss einer Parkplatzerweiterung weichen, die für 2017 geplant ist“, erklärt Toni Papentin von der Fürstenberger Bauverwaltung. Die bisherigen Stellplätze würden nicht ausreichen.

Für eine Feier werden sie aber reichen. Tim Lehmann will seinen Fortschritt allen zeigen und plant für Mitte Oktober eine offizielle Bahnhofseröffnung. „So etwas hat es lange nicht gegeben“, sagt er. Er ist stolz auf sein „Beispielprojekt“, das ohne „Abriss als Problemlösung“ auskommt.

Michel Bürgel und Maria Fechner haben viel vor mit ihren Bahnhofsräumen

Michel Bürgel und Maria Fechner haben viel vor mit ihren Bahnhofsräumen.

Quelle: Marco Winkler

Michel Bürgel (31) und Mari Fechner (29) haben einige Räume des Fürstenberger Bahnhofsgebäudes gemietet. Momentan sind sie noch mitten in den Renovierungsarbeiten. Für die Berliner ist der Bahnhof ein Herzensprojekt.

Was hat euch an den Räumen im Bahnhof gereizt?

Bürgel/Fechner: Der industrielle Charme hat uns gereizt, das Erhalten und Umnutzen vorhandener Strukturen wie die ehemaligen Fahrkartenausgabe oder Gepäckaufbewahrung. Die Lage des Gebäudes hat natürlich auch etwas ausgesprochen Besonderes. Man kann soviel Publikum erreichen. Und schon die Tatsache, dass es ein genutzter Bahnhof ist, gefällt uns sehr.

Was habt ihr bisher gemacht in euren Räumen?


Bürgel/Fechner: Wir haben die Fahrkartenausgabe, die Gepäckaufbewahrung und die ehemalige Wartehalle teilweise renoviert. Als nächstes sind dann die ehemaligen Büroräume gleich nebenan dran.

Wie sieht eure Vision für den Bahnhof aus?

Bürgel/Fechner: Wir hoffen im Einklang mit dem Ort und den Nachbarn einen Raum zu schaffen, in dem außergewöhnliche Dinge passieren. Irgendwann werden Gäste hier übernachten und ihre Projekte in der Halle umsetzen. Vielleicht auch so, dass das Bahnhofspublikum mit einbezogen werden kann.

Von Marco Winkler

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