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Oranienburg Der Kampf um einen neuen Zaun
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00:39 16.04.2018
Ein Geflügelzaun ist alles, was auf dem Hof steht. Drei Pferde müssen deshalb für 530 Euro im Monat in einer Pension untergestellt werden, obwohl es mal eine Koppel gab. Quelle: : Robert Roeske
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Wensickendorf

„Wir können doch unseren Traum nicht aufgeben“, sagt Ruth Schnitzler, Vorstandsmitglied im Verein „Gnadenhof & Wildtierrettung Notkleintiere“. „Um die Tiere würde sich sonst niemand kümmern.“

Ruth Schnitzler ist ziemlich verärgert, wie mit dem Verein umgegangen wird. Quelle: Robert Roeske

Was Ruth Schnitzler so verärgert, ist folgendes: Sandra und Steven Giese wollen auf ihrem Gnadenhof im Gärtnerweg 15 einfach nur einen neuen Zaun ziehen. Genau dort, wo vorher der alte, verrottete Zaun stand. Gieses führen den Hof inzwischen als Privatleute und werden bei ihrer Arbeit weiterhin kräftig unterstützt von dem Verein.

Etliche Hunde bekommen auf dem Hof ihr Gnadenbrot. Quelle: Robert Roeske

Der Bauantrag für den Zaun wurde schon im Februar 2017 gestellt. „Im Oktober haben wir das letzte Mal nachgefragt.“. Der Bearbeiter sei freundlich gewesen. Aber ein Zaun darf nicht errichtet werden, so viel schon vorweg. Der Antrag wurde Anfang März 2018 abgelehnt. Dabei hatte sich der Verein große Mühe mit den Unterlagen gegeben.

Ein Vermessungsbüro wurde beauftragt

Ein Vermessungsbüro wurde beauftragt, sämtliche angeforderten Unterlagen beigebracht, das Gelände neu eingemessen. Eine umfassende Fotodokumentation, wo welcher alte Zaun abgerissen wurde, liegt dem Antrag bei.

Die Gründe aus dem Bauordnungsamt stützen sich auf eine Ablehnung aus dem Oranienburger Stadtplanungsamt nach Paragraf 36 Baugesetzbuch. Der Standort liege im Außenbereich, es gebe keine Bauleitpläne, der Flächennutzungsplan sehe Landwirtschaft vor.

Sandra und Steven Giese wollen eigentlich nur Tieren helfen. Polizei und Feuerwehr schätzen ihre Arbeit sehr. Quelle: Robert Roeske

Für Ruth Schnitzler ist die Ablehnung nicht plausibel und willkürlich. Zum einen wurden in der Umgebung des Grundstücks etliche Neubauten errichtet. Auch den Hinweis auf die vorhandene oder gewünschte Landwirtschaft hält Ruth Schnitzler gelinde gesagt für „Quatsch“. Bis auf einen kleinen Reiterhof in der Nähe ist nichts von Landwirtschaft zu sehen.

Andererseits wird der Gärtnerweg 15 seit Jahrzehnten als Einfamilienhaus geführt, selbst die Grundsteuerbescheide sind so ausgelegt. „Gebühren für ein Einfamilienhaus erheben, aber es nicht als solches anerkennen – wie passt das zusammen?“, fragt sie sich. „Aus unserer Sicht findet keine Gleichbehandlung zu anderen Anwohnern statt.“

Jede Antragsseite abgestempelt

Großzügiger Weise hatte der Beamte im Bauordnungsamt angeboten, nur die halbe Gebühr zu erheben, falls der Antrag zurückgezogen wird. 35 Euro hätte der Verein sparen können. Aber die Vermessung, auf die das Amt bestanden hatte, kostete alleine 1000 Euro.

Zwischenzeitlich war der Plan zurückgekommen, „weil irgendwelche Linie nicht gelb, sondern rot sein mussten.“ Der Plan wurde wieder eingereicht, mit Bildern, CD und alles in dreifacher Ausfertigung. Immerhin war der Mitarbeiter im Bauordnungsamt sehr sorgfältig. Jede der 32 Seiten des Antrags hatte er per Hand mit einem Stempel versehen: „nicht genehmigt“.

Auf dem Grundstück Gärtnerweg 15 steht das helle Wohnhaus, was auch als Einfamilienhaus geführt wird. Jedenfalls werden Grundsteuern erhoben. Quelle: Robert Roeske

Hauptgrund : Es gibt keine Baugenehmigung für das Grundstück. „Mitte 2015 haben wir das schon mal alles durch, als Gieses einzogen.“ Damals gab es Schwierigkeiten mit der Wohnnutzung. Die Lösung war, den Gnadenhof von Gieses privat betreiben zu lassen. Und der Verein steht hinter ihrer Arbeit. „Wir wollen gar keine Sonderbehandlung, aber wir erbringen doch auch viele Leistungen“, sagt Ruth.

Weil es noch keine Koppel wieder gibt, müssen die drei Pferde, die der Verein vor dem Schlachter bewahrt hat, in einer Pension stehen. Das kostet monatlich 530 Euro. Die Vereinsmitglieder bezahlen vieles aus ihrer eigenen Tasche.

Kein Mensch kümmert sich sonst um die Wildtiere

„Wir arbeiten mit der Feuerwehr und der Polizei zusammen, wir kümmern uns um Streunerkatzen“, sagt Ruth Schnitzler. „Jeder, der hier anruft, will einem Tier helfen.“

Kein Mensch schert sich sonst um Wildtiere. „Wir machen Veranstaltungen, beschäftigen Leute mit Sozialstunden, haben Kinder des Märkischen Sozialbvereins hier.“ Die Crux ist: „Wir wollen kein Geld vom Staat, aber im Gegenzug wirft uns der Landkreis immer nur Knüppel zwischen die Beine.“ Ruth Schnitzler ist enttäuscht.

„Ich verliere immer mehr den Glauben an meinen Staat.“ Da werde immer gesagt, die Bürger sollen sich einbringen. „Dann sollen sie uns aber auch nicht schlechter stellen. So kann man doch nicht mit einem gemeinnützigen Verein umgehen.“

Auf Nachfrage der MAZ bei der Stadt Oranienburg, ob es nicht auch andere Möglichkeiten gebe, äußert sich vorerst Gilbert Collé. Der Bürgermeister ist zurzeit im Urlaub.

Vorläufige Stellungnahme der Stadt

Für die Stadt gibt Gilbert Collé, Referent des Bürgermeisters, eine vorläufige Stellungnahme ab.

Die Stadt entscheidet auf der Basis von gesetzlichen Grundlagen, die auf dem Baugesetzbuch und anderer Gesetze beruhen.

Die Entscheidung trifft letztlich der Landkreis, der keine Genehmigung gegen bestehendes Recht erteilen kann, egal wie gut der Zweck des Verein ist.

Die Stadt war und ist immer bereit, den Verein dabei zu unterstützen, planerische Lösungen zu finden, die rechtskonform sind. Es hat in der Vergangenheit dazu Gespräche gegeben, aus deren Ergebnissen dann aber nicht die notwendigen Schritte erfolgt sind.

Der Umzug des Vereins von Lehnitz 2015 hat jedenfalls ohne weitere Abstimmung mit der Stadtverwaltung stattgefunden.

Aus Sicht der Stadt kann allein ein transparentes, ergebnisoffenes Planverfahren zur Sicherung des Standortes führen, so der Referent.

Von Andrea Kathert

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