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Der Tafel-Skandal

Oranienburg Der Tafel-Skandal

Junge, Alte, Flüchtlingsfamilien – immer mehr Menschen sind auf die Spenden der „Oranienburger Tafel“ angewiesen. Zusammen mit dem DGB wollen die Organisatoren auf die Misere hinweisen, vor allem auch auf die wachsende Altersarmut. Der Protesttag findet am 7. Oktober in Oranienburg statt. Es gibt Erbsensuppe aus der Gulaschkanone.

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Die Organisatoren für den Diskussionstag an der Tafel.

Quelle: Heike Bergt

Oranienburg. „Nach der Wende 1990 sind sie entstanden. Als Übergangslösung. So dachten wir. Inzwischen richten sich die Leute ein, dass es für sie nie wieder anders wird. Ich habe Familien, da sind drei Generationen bei uns“, sagt Oranienburgs Tafelchefin, Viola Knerndel. „Ein Skandal. Man kann mit dieser Situation nicht zufrieden sein“, findet auch Detlef Almagro Velàzquez, DGB-Gewerkschaftssekretär aus Potsdam. Auf die Misere, dass Langzeitarbeitslose längst abgeschrieben sind und junge Leute, die zwar nicht selten gut bezahlte, aber nur projektbezogene Arbeitsplätze haben und ihre Zukunft nicht planen können, wollen DGB und „Oranienburger Tafel“ bei ihrer Veranstaltung am Freitag, 7. Oktober, aufmerksam machen. Am „Welttag für menschenwürdige Arbeit“, der international seit 2008 begangen wird, und zugleich am 10. Deutschen Tafeltag.

Um „5 vor 12“ werden an diesem Tag im Arbeitslosenservice in der Strelitzer Straße 5 bis 6 Protest-Luftballons aufsteigen. Es gibt Erbsensuppe aus der Gulaschkanone für Jedermann, „Arbeitsplätzchen“ haben Arbeitslose schon gebacken und auch Schmalzstullen werden noch geschmiert. Dabei will man unter anderem zum Thema „Altersarmut“ ins Gespräch kommen. Gerade bei den Senioren schämten sich viele, zur Tafel zu kommen, so Knerndel.

Rund 40 Prozent aller Berufstätigen in Deutschland arbeiten inzwischen im Niedriglohnbereich. Müssen trotz Job „aufstocken“. So ist Altersarmut vorprogrammiert. Nach 40 Jahren Arbeit können Menschen nicht von ihrer Rente leben. „Immer mehr Junge, Alte und vor allem Flüchtlingsfamilien sind auf die Tafel angewiesen“, so Viola Knerndel. 14 gibt es davon in Brandenburg, die Oranienburgerin hat sei Jahren hier den Hut auf und nennt Zahlen: 13 316 Haushalte hat die Tafel von Januar bis August versorgt, dahinter stehen 26 416 Menschen, davon sind 5499 Kinder bis zu 14 Jahren, 2505 Rentner und 6643 Asylbewerber.

Gerade die Zahl der Flüchtlinge sei gestiegen. Um Konflikte zu beenden, wurde ein separater Ausgabetag am Mittwoch in Oranienburg eingerichtet. Hier versorgen sich im Durchschnitt 50 bis 60 Familien. Bis Jahresende, rechnet Knerndel hoch, „haben wir insgesamt 4500 Menschen mehr zu versorgen als 2015.“ Mehr Personal gibt es deshalb nicht. „Wir bemühen uns, die Lebensmittel gerecht zu verteilen. Dolmetscher helfen mittwochs Sprachbarrieren zu überwinden. „Es fehlen uns vor allem Fahrer für die Transporter, die die Lebensmittel holen, die ehrenamtlich helfen.“ Die Lebensmittelversorgung der Oranienburger Tafel sei dank Rewe und Lidl vergleichsweise gut. Im Süden Brandenburgs sehe es schlechter aus. Und Viola Knerndel dirigiert um, was hier zu viel ist. Knapp sei immer Obst und Gemüse. Aber die Tafel hat auch mit bösen Attacken zu kämpfen: „Schrauben wurden übers Wochenende in die Reifen unserer Fahrzeuge gedreht. Schon zum dritten Mal. Wir haben jetzt Anzeige erstattet“, so die Tafelchefin.

Von Heike Bergt

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