Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oranienburg Von früh bis spät für die Oranienburger Tafel auf Achse
Lokales Oberhavel Oranienburg Von früh bis spät für die Oranienburger Tafel auf Achse
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:12 26.09.2018
Dieter Schmidt aus Bergfelde, Ralf-Dieter Patzphal aus Oranienburg und Bernd Krüger aus Birkenwerder (v. l.) beim Ausladen der abgeholten Fracht, die anschließend von der Oranienburger Tafel an Bedürftige verteilt wird.
Oranienburg

Selbstverständlich ist das nicht – an mehreren Tagen in der Woche morgens um 8 Uhr mit dem Lieferwagen durch Oranienburg bis nach Glienicke und Hohen Neundorf zu kurven und Lebensmittel für die „Oranienburger Tafel“ einzusammeln. Die werden dort am Vormittag gleich sortiert und bereits am Mittag an Bedürftige verteilt.

Dankeschön an alle Helfer

Gerade ist die „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ zu Ende gegangen. Für Tafelchefin Viola Knerndel ein guter Anlass, sich bei allen Helfern zu bedanken. Derzeit sind es 18 Frauen und Männer, die ehrenamtlich beim Verein der Tafel mit anpacken. Meist sind es Vorruheständler, die die drei Lkw fahren, aber auch in der Küche, in der Nähstube oder in der Fundgrube helfen.

Die meisten Leute sind freundlich

Einer von ihnen ist Dieter Schmidt aus Bergefelde. Der 69-Jährige saß bis zu seinem 65. Geburtstag auf dem Bock eines Lkw, der für Aldi unterwegs war. Nach zwei Jahren fiel ihm zu Hause die Decke auf den Kopf: „Ich wollte was tun“ , sagt Dieter Schmidt. Erst ist er nur eingesprungen, jetzt fährt der 69-Jährige den Siebentonner zum Rewe-Lager in Oranienburg. Manchmal schiebt er zwei, manchmal aber auch acht Stunden Dienst. „Ich fühle mich wohl und meine Frau will, dass ich zufrieden bin. Sie selbst muss noch zwei Jahre arbeiten“ erzählt Dieter Schmidt und fügt hinzu: „Die meisten Leute, die zur Tafel kommen, sind freundlich und sagen danke. Das motiviert mich.“

Soziale Arbeit gibt ein gutes Gefühl

Ähnlich geht es Bernd Krüger aus Birkenwerder. Der 67-Jährige hatte mit 63 Jahren aufgehört zu arbeiten. Der Maschinenbauingenieur war bis zur Wende im Spezialfahrzeugbau in Pankow beschäftigt, dann in Liechtenstein und 17 Jahre in der Schweiz. Als er Rentner wurde, ist er zurückgekehrt. „Mir war klar, wenn ich aufhöre, reicht mir Gartenarbeit nicht. Ich bin gern zu Hause, finde aber das Ehrenamt wichtig.“ Zum Rettungssanitäter hätte er nicht getaugt. Da läge ich gleich daneben“, sagt er. Als die Tafel 2017 Fahrer suchte, habe er sich gemeldet. „Das ist hier richtig schwere Arbeit“, sagt Bernd Krüger. „Aufladen, sortieren.“ Einen Kaffee zwischendurch? „Nix da. Wir müssen pünktlich sein, damit alles ausgegeben werden kann. Soziale Arbeit gibt mir ein gutes Gefühl. Man hat was getan, was geschafft.“ Ärgerlich findet er, wenn Supermärkte meinten, „wir sind die Müllabfuhr“.

Ralf-Dieter Patzpahl hat es schon wieder eilig. Er muss gleich los mit dem Lkw. Der 65-Jährige aus Birkenwerder ist mit 63 Jahren in Rente gegangen. Er war Siebdrucker beim Bundestag, hat dort Vorlagen und Protokolle vervielfältigt. Seit 2017 ist Ralf-Dieter Patzpahl im Tafel-Team: „Auf Drängen meiner Frau“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Bisher hat er sich noch nicht ehrenamtlich engagiert: Ein Zwölf-Stunden-Arbeitstag habe ihm gereicht. Aber nun sei auch er unter die Ehrenamtler gegangen.

Immer mehr Rentner an der Tafel

Traurig stimme ihn, dass immer mehr Rentner an die Tafel müssen. Dankbarkeit käme vor allem von den Ältern. „Die Jungen hier treten mit einer Arroganz und anmaßend auf, da geht mir der Hut hoch“, ärgert er sich.

Wer Hilfe braucht, soll sie bekommen

Um 8 Uhr fahren die Männer vom Hof. Nicht täglich. Und nicht immer alle. Sie kümmern sich um die Autos, helfen, wo Hände gebraucht werden. Bernd Krüger findet, dass sich mehr Leute engagieren sollten: „Vor allem jene, die meckern, die dreimal im Jahr eine Kreuzfahrt machen. Die wirklich Bedürftigen seien still und traurig.“ Wer Hilfe brauche, sollte sie bekommen, findet er. Aber so einige, die zur Tafel kommen, könnten auch mal arbeiten. Es würden überall Leute gesucht.

Tafel-Chefin sucht einen Nachfolger

Das Ehrenamt bei der Oranienburger Tafel ist kein Ruheposten, betont Viola Knerndel. Immer wieder würden sich Leute hier als „Bufdi“ verdingen, meinten aber, das Geld gebe es umsonst. Die Tafel-Chefin sucht Verstärkung – und eigentlich auch einen Nachfolger. 2020 will sie selbst die Segel streichen. Aber keinesfalls die Tafel und den Arbeitslosenverband, den sie mit aufgebaut hat, untergehen sehen. Noch sei niemand in Sicht. Aber sie hofft. Kontakt: 03301/53 54 25.

Von Heike Bergt

Ein blauer Peugeot 206 CC ist am Mittwochmorgen auf dem Parkplatz am Edeka-Markt in Oranienburg, Sachsenhausener Straße 21, beschädigt worden. Anschließend beging der unbekannte Verursacher Unfallflucht. Nun werden Zeugen gesucht.

26.09.2018

Aufgepasst: Die Polizei in Oberhavel ist am Donnerstag wieder mit dem Radarmessgerät unterwegs und kontrolliert die Einhaltung der Geschwindigkeitsvorschriften.

26.09.2018

Eine offenbar neue Telefonbetrugsmasche wurde am Dienstag von gleich zwei Senioren in Oranienburg angezeigt.

26.09.2018