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Oranienburg Aal-Ole, Käse-Maxx und holländischer Blumenkönig
Lokales Oberhavel Oranienburg Aal-Ole, Käse-Maxx und holländischer Blumenkönig
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19:23 08.11.2018
Michel Saarloss ist der holländische Blumenkönig. 2000 Orchideen hat er in Oranienburg dabei. Quelle: Enrico Kugler
Oranienburg

„Magst du Grillkäse? Wenn nicht, jetzt ja“, schreit Käse-Maxx am Donnerstagmorgen über den Oranienburger Schlossplatz und wirft kurzerhand Packung um Packung mit Grillkäse in das begeisterte Publikum. „Für kein Geld!“, brüllt er hinterher.

Noch bis Sonnabend in Oranienburg

Noch bis Sonnabend sind die Marktschreier, zu denen auch Aal-Ole, Naschkram-Ben und Wurst-Achim gehören, der amtierender Deutscher Meister der Marktschreier ist, täglich von zehn bis 19 Uhr vor dem Schloss anzutreffen. So lange ihre Ware reicht, denn für die Herren dieses aussterbenden Gewerbes, das vor allem vom Hamburger Fischmarkt bekannt ist, steht danach die Winterpause vor der Tür.

Käse-Maxx hat Spaß an seinem Job. Quelle: Enrico Kugler

Auch Käse-Maxx, der eigentlich Michael Thamm heißt und aus Kiel kommt, hat sich seine ersten Sporen auf dem Fischmarkt nahe der Reeperbahn verdient. „Ich war 13 und hatte als Jugendlicher Langeweile, aber das hat mich vom Blödsinnmachen abgehalten“, verrät er. Damals habe er seinem Lehrherren, dem Hamburger Original Bananen-Fred nur die Tüten aufhalten dürfen. „Lehrjahre sind halt keine Herrenjahre.“ Das war 1982. Seit 36 Jahren ist Thamm nun im Geschäft. Über`s Obst kam er zum Käse. Als Familienunternehmen tourt er mit sechs Wagen mit Unterstützung seiner Söhne, von denen der eine Deutscher Vizemeister ist und der andere Deutschlands jüngster Marktschreier, durch die Republik.

Für Käse-Maxx ist der Markt sein Leben

Auch wenn er nebenbei Ausbildungen zum Außenhandelskaufmann und Wirtschaftsassistenten absolviert und sogar Jura studiert habe, sei der Markt sein Leben, so Thamm. „In den 80er und 90er Jahren habe ich an einem Tag so viel verdient, wie andere in einem Jahr“, lacht er. „Da haben sogar die Zuhälter von St. Pauli Augen gemacht.“ Seine Ware ersteht er direkt bei der Industrie. 50 Paletten pro Woche. „Das ist mehr Käse als Kaufland verkauft.“ Die Kunden seien preisbewusst, weiß Käse-Maxx, daher lautet sein Motto auch: „Große Marken – kleine Preise, das ist unsere Arbeitsweise.“ Ein Beutel Käse kostet 15 Euro. Obendrauf gibt es kostenlos Ware mit geringem Haltbarkeitsdatum. Den Marktbesuchern gefällt´s, der Andrang ist groß.

Auf dem Schlossplatz in Oranienburg sind die Marktschreier in Aktion und beschenken die Kunden. Quelle: Enrico Kugler

Auch beim holländischen Blumenkönig stehen die Kunden Schlange. Allein 2000 Orchideen hat Michel Saarloos aus Holland mit nach Oranienburg gebracht. Zusammen mit Blumenzwiebeln, Grünpflanzen und Rosen einen ganzen Lkw voll. Er freut sich, und blickt lächelnd auf Louise-Henriettes Denkmal, erstmals in der quasi niederländischen Stadt Oranienburg zu sein. Abends will er eine Runde durch die Stadt drehen. Wenn er ein wenig geschlafen hat. „Ich bin seit 27 Stunden auf den Beinen.“

Michel Saarloos tourt als Marktschreier durch ganz Europa

Seit 1961 Jahren ist die Familie als Marktschreier im Geschäft. Erst Vater Adrianus, heute Michel und seine Geschwister Antje und Roberto. Der sei aber meist in Hamburg. „Ich hingegen bin auf Tour von Liverpool bis in die Schweiz und mache für den Fischmarkt Werbung“, so Michel Saarloos, der kürzlich in Dresden einen Weltrekord aufgestellt hat, indem er 1524 Orchideen in 1,5 Stunden an den Mann gebracht hat. „Verkauft“, betont er, „nicht verschenkt.“ Denn er ist zugleich auch amtierender Europäischer Blumenmarktschreier. „Man muss den Job mit dem Herzen machen“, ist der Blumenkönig überzeugt. Er mag die Aufmerksamkeit und liebt es, die Leute zu begeistern und ihnen ein Lächeln zu entlocken.

Aal-Ole kommt, anders als sein Räucherfisch, selbst nicht von der Küste, sondern aus Thüringen. Quelle: Enrico Kugler

Das will auch Martin Fischer aus Thüringen als Aal-Ole, der am liebsten im Osten auf den Märkten ist. „Die Wessis sind arrogant. Der Ossi hingegen fragt nur nach und kauft.“ „Aber Aal aus Thüringen?“, fragt ihn ein Wensickendorfer. „Nee, aus dem Steinhuder Meer“, antwortet grinsend Aal-Ole. Bei ihm gibt es wegen der hohen Fischpreise zwar nichts umsonst, aber viele Sprüche. Genau das erwarten die Marktbesucher. Doch wie schaffen die Kerle es, dass bei Wind und Wetter ihre Stimme nicht versagt? „Wir nutzen die Gesangstechnik der Opernsänger“, verrät Käse-Maxx. „Wir schreien nicht mit dem Kehlkopf, sondern mit dem Zwerchfell.“ Und brüllt weiter.

Von Ulrike Gawande

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