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Oranienburg Die Tage nach dem Vogelgrippe-Schock
Lokales Oberhavel Oranienburg Die Tage nach dem Vogelgrippe-Schock
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07:09 05.12.2016
Trauern um ihre Tiere: Landwirt Karl-Heinz Müller findet Halt bei seiner Tochter Jenny. Quelle: Julian Stähle
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Schwante

Es war immer Leben auf dem Hof von Familie Müller in Schwante. Lautes Geschnatter von Hühnern, Gänsen, Mularden, Mandarinenten, Schwänen mit drei Jungtieren. Über 30 verschiedene Arten, Zier- und Zuchttiere, lebten hier. Jetzt: absolute Stille. „Es ist wie in einer Geisterstadt“, sagt Hannelore Müller. Nur noch ein paar Tauben gurren.

„Nachts bin ich aufgewacht, weil ich die Gänse habe schreien hören“, so ihr Mann Karl-Heinz. Der 66-Jährige betreibt mit seiner Frau einen landwirtschaftlichen Betrieb. Seit Freitag ist für die Landwirte alles anders, die Welt steht Kopf. Auf ihrem Hof wurde ein milder Erreger des Vogelgrippevirus festgestellt (MAZ berichtete), 500 Tiere wurden„gekeult“.

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Am Freitag brach eine milde Form der Vogelgrippe in Schwante aus. Die Landwirte stehen kurz vor dem Ruin. Die Notschlachtung von 500 Tieren beschert ihnen Alpträume.

Alles fing mit einer Ausnahmegenehmigung an. Die wollte Familie Müller für ihre Zierenten. Gerade im Winter ist eine frei zugängliche Wasserquelle für die Vögel wichtig, um ihr Gefieder zu pflegen. Da seit Mitte November im Landkreis die Stallpflicht für Geflügel gilt, mussten die Tiere vor der Ausstallung untersucht werden. In genau einer von 45 Proben wurde die niedrigpathogene (gering krankmachende) Form der Vogelgrippe festgestellt.

Dann ging alles Schlag auf Schlag. Freitag richtete der Landkreis einen Sperrbezirk ein, Vertreter des Veterinäramtes waren vor Ort, Feuerwehr, Polizei. Die Familie wurde überrannt, stand machtlos daneben, als ihre Tiere abgeschlachtet wurden. „Es war ein Massaker“, beschreibt die Familie ihren Eindruck. Noch Tage später ist der Boden, wo die Tiere mit Knüppel und Zangen hingerichtet wurden, blutdurchtränkt.

40 Jahre Zucht auf einen Schlag dahin

Selbst die Feuerwehrleute, die daneben standen, hätten Tränen in den Augen gehabt. Keiner schläft mehr gut. „Immer wenn wir die Augen schließen, haben wir die grausamen Bilder vor Augen“, sagt Tochter Jenny. Sie und ihre Geschwister Ronny und Cindy stehen den Eltern jetzt zur Seite. „Wir halten zusammen.“ Doch das ist nicht einfach.

Einst mit Leben gefüllt, jetzt sind die Teiche verlassen. Quelle: Julian Stähle

Vater Karl-Heinz ist mit den Nerven am Ende. „Ein Lebenswerk wurde zerstört“, sagt er unter Tränen. 40 Jahre Zucht – mit einem Schlag weg. Der finanzielle Schaden ist enorm, da unter den 500 getöteten Tieren auch sämtliche Hühner und Mastgänse waren. Schaden: um die 10 000 Euro. „Wie sollen wir den Betrieb jetzt aufrecht halten?“ Die Familie hat nur noch ihren Futtermittelhandel. Der bleibt offen. „Ansonsten wissen wir nicht, wie es weitergeht.“

Hätten mehr Tiere gerettet werden können?

Die Familie ist wie schockgefroren in ihrer Trauer. „Der seelische Schaden ist riesig“, so Tochter Jenny. Sie macht sich Sorgen um ihren Vater. Ob er alles verkraftet. Er ist gesundheitlich sehr angeschlagen. Die Tiere waren neben seiner Familie sein Ein und Alles, sein Leben. Nur die über 200 Tauben konnte die Familie retten. „Eigentlich sollten sie auch sterben“, so Karl-Heinz. Aber Sohn Ronny konnte das verhindern, in dem er mit einer Anzeige drohte. „Da waren die Tauben auf einmal nicht mehr betroffen“, wundert sich die Familie, und fragt, ob noch mehr Tiere hätten gerettet werden können.

Die Familie tröstet sich, gibt sich gegenseitig Kraft. Quelle: Julian Stähle

Sie waren hilflos. Keiner hat vor Ort richtig mit ihnen geredet, ihnen Rechte und Möglichkeiten des Widerspruchs erklärt. Sie standen im Regen. Nur Oberkrämers Bürgermeister Peter Leys und Amtsarzt Christian Schulze hörten zu, fingen Sorgen und Ängste auf. „Wir sind ihnen unendlich dankbar“, so Hannelore Müller. Doch jetzt weiß auch sie nicht, wie es weitergeht. Die Familie soll alles desinfizieren, Ställe, Außenanlagen. „Müssen wir das bezahlen? Wir brauchen wirklich rechtliche Hilfe“, so Tochter Jenny.

Niedrigpathogene Variante

Bei dem Fall der Tierseuche in Schwante handelt es sich nicht um den Geflügelpest-Erreger H5N8, der bereits in Brandenburg nachgewiesen wurde, sondern um die niedrigpathogene (gering krankmachende Form) Influenzavariante mit dem Kürzel H5N1. Diese Form ist ebenfalls anzeigepflichtig.

Entwarnung: Gebratenes, gegrilltes oder gekochtes Geflügelfleisch kann bedenkenlos gegessen werden. Das Virus stirbt bei Temperaturen ab 70 Grad ab. Auch gekochte Eier können verzehrt werden.

Der Landkreis weist darauf hin, dass alle Geflügelhalter, sofern noch nicht erfolgt, die Haltung ihres Geflügels anzeigen sollen – unter Angabe der Anzahl sowie aller Standorte dem Landkreis Oberhavel, Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt, Adolf-Dechert-Straße 1, 16515 Oranienburg, E-Mail: veterinaeramt@oberhavel.de.

Von Marco Winkler

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