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Oranienburg Disput um abgeschaffte Sprachförderklassen
Lokales Oberhavel Oranienburg Disput um abgeschaffte Sprachförderklassen
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12:40 08.09.2016
Der Innenhof der neuen Schule. Quelle: Andrea Kathert
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Oranienburg

Zum Schluss wollte es niemand gewesen sein. Dabei schlugen die Wellen hoch, „als mitten im Bau der neuen Comeniusgrundschule, in der auch Räume für zwei Sprachförderklassen entstanden, vom Schulamt die Information kam: Die brauchen wir nicht mehr. Wir waren entsetzt“, fasste Dirk Blettermann (SPD) im Bildungsausschuss die Vorgeschichte zusammen. Deshalb hatte sich der Fachausschuss auch das Staatliche Schulamt am Mittwochabend an den Tisch geholt. Für eine Erklärung. Harald Schmidt sprach ausführlich. Eine befriedigende Antwort gab er nicht.

Seit dem Schuljahr 1999/2000 hatte es nach dem entsprechenden Beschluss der Stadtverordneten und der Stadt als Schulträger an der Comeniusgrundschule zwei Sprachförderklassen für Kinder aus ganz Oberhavel gegeben. Sie blieben in der Regel zwei Jahre, dann kehrten sie in ihre Schulen am Heimatort zurück. Förderausschuss und Schulamt prüften alle Jahre, wie groß der Bedarf ist. „Wir prüfen regelmäßig, ob solchen Klassen gebraucht werden. In diesem Schuljahr gab es den Bedarf nicht“, so Harald Schmidt. Zudem richte Brandenburg den Fokus auf die Inklusion und deshalb sollten alle Kinder in „normale“ Klassen integriert sein.

Sind sie nun auch an der Comeniusschule: Insgesamt wurden wegen der großen Kinderzahlen fünf erste Klassen in der neuen Schule an der Jenaer Straße eröffnet. In die 1a beziehungsweise 1b gehen nun fünf beziehungsweise sechs Kinder mit erheblichem Nachholebedarf beim Sprechen.

Schulleiterin Christina Kowal und die seit acht Jahren an der Schule unterrichtende Sprachheilpädagogin Annika Richter hatten sich im Vorfeld gegen diese Neureglung ausgesprochen und taten die auch am Mittwochabend kund. „Die Sprachförderklassen waren fester und selbstständiger Bestandteil in unserer Schule. Hier gab es keine Ausgrenzung,“ beschrieb Schulleiterin Kowal.

„Nun werden die Kinder immer wieder für Sonderförderungen aus den Klassen herausgenommen“, so Annika Richter. Das bringe nicht nur organisatorischen Mehraufwand und erfordere enorm viele Detailabsprachen, die Kinder hätten nun auch zwei Gruppen – ihre Fördergruppe und ihre eigentlich Klasse – in der sie lernen. Gerade sie bräuchten aber besonders klare Strukturen und Tagesabläufe. „Das ständige Herausnehmen führt zu Zerrissenheit. Nun werden sie auch sichtbar separiert und sind die Sonderlinge“, so Annika Richter.

Schmidt wiederum verstand nicht, warum die Kinder in zwei, statt auf alle fünf Kassen verteilt sind. Man wolle das Modell zwei Jahre ausprobieren, „Wir haben die Sprachklassen nicht untersagt. Wenn es nicht optimal läuft, kann man das auch wieder ändern“, räumte Schmidt zum Schluss ein.

Von Heike Bergt

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