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Oranienburg Dropebrücke legt Oranienburg lahm
Lokales Oberhavel Oranienburg Dropebrücke legt Oranienburg lahm
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00:19 23.10.2018
Wenn Rettungswagen mit Blaulichtalarm durch Oranienburg müssen, wird es derzeit mehr als eng. Quelle: Sebastian Morgner
Oranienburg

Stoßstange an Stoßstange stehen die Autofahrer im Oranienburger Stadtzentrum seit dem 10. September. Ob morgens, mittags, abends – die von der Stadtverwaltung versprochene grüne Welle im Zuge des Neubaus der Dropebrücke und der damit verbundenen Verkehrsumleitungen funktioniert nur mangelhaft. Insbesondere auf der Bernauer Straße in Richtung Schlossbrücke staut sich der Verkehr regelmäßig. Schleichwege gibt es kaum. Auch Anwohner sind wegen des Dauer-Staus und der Mief-Abgase vor ihren Wohnungen genervt.

Laut Landkreis keine „signifikanten Verlängerungen der Wartezeiten bei Notfällen“

Gut, wer da „nur“ morgens auf dem Weg zur Arbeit und abends auf dem Heimweg betroffen ist. Wie aber schaut die Situation für die Berufstätigen aus, deren Arbeit mit tagtäglichen Wegen quer durch die Stadt, zu jeder Tages- und Nachtzeit verbunden ist? Oft unter Zeitnot, besonders wenn Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte gerufen werden und Menschenleben in Gefahr sind. Laut Constanze Gatzke, Pressesprecherin des Landkreises Oberhavel, sei seit Anbeginn der Bauarbeiten keine „signifikante Verlängerung der Wartezeiten bei Notfällen festzustellen“. Zwar hätten sich die Anfahrzeiten in die östlich der Havel gelegenen Gebiete geringfügig verlängert. Je nach Tageszeit und entsprechender Verkehrsbelastung sei die Erreichbarkeit der Gebiete jedoch durch Staubildung mit nur geringen Verzögerungen „auch unter Nutzung der Sonder- und Wegerechte möglich“. Eine Umorganisierung der Rettungswache aufgrund der Verkehrsbehinderungen durch die Baustellensituation sei nicht erfolgt. Trotz mitunter fehlender Möglichkeiten, für Blaulichtfahrzeuge eine Rettungsgasse durchgehend zu bilden, seien die Rettungsdienstfahrzeuge bislang mit kurzzeitigen Verzögerungen bei Staubildung stets durchgekommen.

Pflegedienst muss Tourenpläne anpassen

Die Mitarbeiter des Pflegedienstes „Christa Kirchoff“ brauchen erheblich länger, um zu ihren Patienten zu gelangen. Quelle: Jeannette Hix

Ganz andere Erfahrungen hat Bianka Preuß vom „Pflegedienst Christa Kirchhoff“ gemacht: „Wir brauchen jetzt etwa pro Tour eine halbe Stunde länger“, berichtet die 45-Jährige. Sie ist eine von insgesamt 20 Mitarbeitern des Pflegedienstes, dessen Hauskranken- und Altenpfleger sowie Sozialassistenten die Patienten in deren häuslicher Umgebung versorgt. Damit diese „nicht warten müssen, fahren wir früher los“. Dennoch sei es oft „gar nicht so einfach, die Tagespläne und Touren einhalten zu können“, berichtet Bianka Preuß. Während die insgesamt acht Frühdienst-Mitarbeiter, die in Oranienburg unterwegs sind, noch halbwegs gut durch den Verkehr kommen, stünden besonders die zwei Kollegen aus dem Spätdienst oft im Stau. Die Mitarbeiter des Pflegedienstes haben dennoch Verständnis für die angespannte Verkehrslage. Denn: „Irgendwann muss eben auch mal eine Brücke saniert werden“, sagt Bianka Preuß.

Pizza bislang noch nicht kalt geworden

Mary Pfennigsdorf kennt Oranienburg wie ihre Westentasche. Seit 20 Jahren liefert die 44-Jährige für das RestaurantLa Villa Oranienburg“ täglich Pizza- und Pastabestellungen aus, kennt jede Straße, jeden Weg. Seit der Sperrung der Dropebrücke zerrt die Situation auf den Straßen der Kreisstadt auch an ihren Nerven. „Doll ist es nicht, mit dem Verkehr durch Oranienburg“, findet sie. So gebe es Stoßzeiten, in denen es besser, aber auch schlechter laufe. Besonders kritisch, so Mary Pfennigsdorf: „Der Bereich rund ums Oranienburger Schloss und die Bernauer Straße Richtung Schlossbrücke. Da kommt es oft zum Stau.“ Die 44-Jährige nimmt in diesem Fall dann “lieber den Weg über die Runge- und Sachsenhausener Straße.“

Seit 20 Jahren fährt Mery Pfennigsdorf für das "La Villa Oranienburg" Pizza und Pasta aus. Quelle: Sebastian Morgner

Beobachtet hat sie auch, „dass an der Ampel am Schloss manchmal nur drei Autos durch die grüne Ampelphase kommen“. Diese sei zudem an zu unterschiedlichen Tageszeiten unterschiedlich lang. Zusammenhängen könnte dies mit der ständigen Optimierung und Anpassung der Ampelschaltungen durch die Stadtverwaltung (siehe Infobox). Die Kunden der „La Villa Oranienburg haben bislang viel Verständnis dafür gezeigt, dass die Anfahrt von Mary Pfennigsdorf auch mal länger dauert. Zumal „bislang auch noch kein Essen kalt war, bis ich da war“, schmunzelt die 44-Jährige.

Wenig Baustellen im Verkehrszentrum sorgen für „passable Situation“ für Zimmerei Spindler

Etwas entspannter gestaltet sich die Situation für die Mitarbeiter der Zimmerei Spindler aus Oranienburg. Christin Eckhold-Spindler hatte dem Beginn der Bauarbeiten mit großen Bauchschmerzen entgegengeschaut. „Wir hatten uns im Vorfeld große Sorgen gemacht, wie die Umleitung des Verkehrs durch die Stadt reibungslos für unsere Mitarbeiter funktionieren soll“, erinnert sich die 42-Jährige, die das Unternehmen gemeinsam mit Ehemann Daniel betriebt und für das Marketing und den Vertrieb verantwortlich ist. Schließlich müssten die Handwerker jeden Morgen samt Werkzeug vom Unternehmensstandort im Schäferweg zu den Baustellen und am Nachmittag wieder zurück kommen.

Die Mitarbeiter der Zimmerei Spindler aus Oranienburg, wie Geselle Julius Neue (Foto), müssen zu den Baustellen ebenfalls quer durch die Stadt, spätestens ab November, wenn sie direkt im Zentrum am Schloss Oranienburg bauen. Quelle: Privat

Nach mittlerweile sechs Wochen Bauzeit an der Dropebrücke „gestaltet sich das Ganze für uns im Moment absolut passabel“, räumt Christin Eckhold-Spindler nun erleichtert ein und „klopft auf Holz, dass es so bleibt“. Ein bisschen Glück gehöre dazu, meint die 42-Jährige. „Im Moment haben wir vorrangig viele Baustellen im Bereich von Borgsdorf und Birkenwerder, die wir über Lehnitz gut erreichen können.“ Dort komme man immer gut durch und stehe „erstaunlicherweise gar nicht im Stau“.

Doch was passiert ab November, wenn auf der Baustelle direkt am Schloss gebaut wird?

Spannend wird es für Spindlers Zimmermänner im November. „Dann nehmen wir unsere Langzeitbaustelle am Schloss wieder in Betrieb, die gegenwärtig pausiert“, blickt Christin Eckhold-Spindler voraus. “Ich denke, dann wird die Anfahrt für unsere Mitarbeiter zur Baustelle deutlich schwieriger. Für den Weg zum Schluss gibt es keine wirkliche Alternative,wir müssen direkt über die Straßen, die am stärksten vom Umleitungsverkehr betroffen sind“. Eine Möglichkeit, den morgendlichen Rückstau im Stadtzentrum zu umgehen sei ein früherer Arbeitsbeginn. „Momentan treffen wir uns morgens 6 Uhr und verlassen die Zimmerei um 6.30 Uhr Richtung Baustellen“, verrät sie. „Wenn wir merken, dass zu diesem Zeitpunkt schon dickster Verkehr und Stau herrschen, werden wir ausprobieren, wie es bei noch früherer Abfahrt läuft.“ Schließlich gebe es unter den Mitarbeitern viele Familienväter mit kleinen Kindern, die pünktlich in den Feierabend gehen wollen und müssen. Je nachdem, wie das Drumherum um die Schloss-Baustelle laufe, „nehmen wir im schlimmsten Fall Aufträge in dem Bereich der Stadt vorerst nicht mehr an“, erklärt sie. Grundsätzlich „ermuntern wir unsere Mitarbeiter zudem, lieber Umwege und damit auch längere Anfahrtwege in Kauf zu nehmen, statt im Stau festzustecken.“ Das nämlich empfindet die 42-Jährige „als echte Zumutung“.

Von Sebastian Morgner, Robert Tiesler, Jeannette Hix und Nadine Bieneck

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