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Oranienburg Ein Leben für die Kunst
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17:05 17.11.2016
Wolfgang Janisch zeigt eine seiner Lithografien in der Liebenwalder Stadtkirche. Quelle: Foto: Melanie Höhn
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Liebenwalde

Seit mehr als 60 Jahren hat sich Wolfgang Janisch der Kunst verschrieben, doch ans Aufhören denkt er noch lange nicht. Im Gegenteil: Gerade stellt der 76-Jährige seine Lithografien und Siebdrucke in der Evangelischen Stadtkirche Liebenwalde aus, die zum Teil noch zu DDR-Zeiten entstanden sind. „Die Vorstellung, dass man noch lebt und nichts mehr zu sagen hat, ist fremd für mich“, sagt er. Ausgestellt hat er teilweise abstrakte Motive in schwarz-weiß, Porträts, Tiersilhouetten und Abbildungen aus der Natur, von der er sich gerne inspirieren lässt: „Durch die Verbindung zur Natur komme ich zu neuen Anregungen – Bäume und organische Strukturen bieten so viel Reichtum, auch für die Kunst.“

Noch bis kurz vor Weihnachten sind 16 Werke des Künstlers in der Liebenwalder Kirche zu sehen, zwölf davon wurden bereits verkauft. Den Erlös spendet er der Evangelischen Kirchengemeinde, damit die vom berühmten Baumeister Karl Friedrich Schinkel 1833 errichtete Kirche saniert werden kann. „Ich wünsche mir, dass wir die Kirche zu einer Kulturstätte werden lassen, von der Liebenwalde profitieren und die man der breiten Öffentlichkeit zeigen kann“, sagt er. Für die Sanierung müssen insgesamt 600 000 Euro zusammenkommen – mit dem Geld soll unter anderem die Treppe zur Empore wieder aufgebaut und Malereien aufgefrischt werden. Der gelernte Schriftsetzer möchte einen Anstoß zum Spenden geben und die Kultur in Liebenwalde nicht verkommen lassen, wie er sagt. „Kunst und Kultur sind leider nicht mehr fest im Leben der Menschen verankert und das Leben ist zu sehr von Materialismus und Konsum geprägt“, kritisiert er. „Wir müssen Kultur mehr schätzen und zur Gewohnheit werden lassen, dann können wir vielleicht auch wieder zu neuen Werten kommen und Raum für Lebendiges schaffen, weg von der Oberflächlichkeit“, ist er überzeugt. „Kultur, die über Jahrhunderte gewachsen ist, gibt uns Halt und ist das, was uns ausmacht.“ Mehr Achtung für Kultur und Geschichte führe auch automatisch zu mehr Toleranz.

Wolfgang Janisch war schon zu DDR-Zeiten ein politischer Mensch. „Ich war in der Friedensbewegung engagiert und wollte das Land verändern“, sagt der Künstler. Schon als Kind lag er „wie ein Resonanzkörper auf dem Bauch seiner Mutter“ und hörte genau zu, wenn sie mit der Nachbarin sprach, erzählt er. Schon früh merkte der gebürtige Berliner, dass er etwas zu sagen hatte: „Etwas steckte in mir, das wollte raus“, erinnert er sich. Mit 15 Jahren bekam Janisch von seinem Vater einen Ölfarbenkasten zu Weihnachten geschenkt, ab da war die Kunst fester Bestandteil seines Lebens. Gerne hätte er Malerei und Grafik studiert, doch aufgrund seiner politischen Beteiligung an der Friedensbewegung durfte er nicht – also brachte er sich alles autodidaktisch bei. Auch seine Familie hatte einen künstlerischen Einschlag: Der Bruder war Sänger und die Mutter wäre gerne Sängerin geworden, konnte dieser Leidenschaft aber aufgrund des Krieges nicht weiter nachgehen. Wolfgang Janisch jedoch war mit seiner Kunst in der Familie eine Ausnahme und musste über die Jahre sein Selbstbewusstsein erst aufbauen und sich selbst finden. „Ich hätte mir gewünscht, von jemandem gefördert zu werden. Ich war sehr verletzlich“, sagt er. Über die Jahre trug sein Vertrauen in sich selbst aber Früchte: Insgesamt konnte er im Laufe seines Lebens 200 Ausstellungen im In- und Ausland realisieren, unter anderem auch politische Fotomontagen. Die Ausstellung im Jahr 2005 in Stanford war ein Höhepunkt seiner Karriere. 2010 zog er mit seiner Frau Gerda nach Liebenwalde, weil die Tochter hier lebt. Hier fertigt er in seinem kleinen Arbeitszimmer Tonfiguren, Malereien oder Holzschnitte mit wilden Strukturen an. Die Liebe zum Holz hat er von seinem Vater, der gelernter Tischler war, geerbt, erzählt Wolfgang Janisch: „Die Kunst repräsentiert auch immer ein Stück von einem selbst.“

Von Melanie Höhn

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