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Oranienburg Behindertenverband: Eine Lobby verschwindet
Lokales Oberhavel Oranienburg Behindertenverband: Eine Lobby verschwindet
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00:25 16.03.2019
Elfriede Hörschelmann (links) war bis zuletzt im Vorstand, als stellvertretende Vorsitzende. Quelle: Andrea Kathert
Oberhavel

Fast drei Jahrzehnte hat er seine Dienste getan. Nun ist er leise, fast unmerklich, von der Bildfläche verschwunden: der Behindertenverband Oberhavel. 1990 war er gegründet worden. Nach neuem, deutschen Recht. Genaugenommen war es der Nachfolger der Vereinigung für Behinderte, die es schon vor der Wende gegeben hatte. Die Mitstreiter waren dieselben. Und sind es bis zum Schluss – Ausnahmen bestätigen die Regel – geblieben.

„Wir wurden immer weniger“, sagt Elfriede Hörschelmann, die bis zuletzt im Vorstand mitarbeitete und dies auch schon zu DDR-Zeiten getan hatte. Sie sagt es unumwunden: „Wir sind alle in einem Alter, in dem man nicht mehr krauchen kann!“ Heißt: über 70 Jahre, über 80 Jahre, um die 90 Jahre. Viele Mitstreiter sind im Laufe der Jahre verstorben. „Mangels Masse“ wurde der Verein bereits zum 31. Dezember vergangenen Jahres aufgelöst.

„Ich bedaure den Schritt sehr“

Ein Begleiter der Szenerie war von Anfang an Holger Dreher, seit zehn Jahren Behindertenbeauftragter der Stadt Oranienburg. Bis zuletzt gab es eine hauptamtliche Kraft, die existiert auch nicht mehr. „Ich bedaure den Schritt sehr“, sagt Holger Dreher. „Es hat sich leider niemand gefunden, der den Verein ehrenamtlich weiterführen wollte. Ich habe immer wieder meine Hilfe angeboten, aber es führte kein Weg hinein“, so Holger Dreher, der dem Verein ein engagiertes Arbeiten attestiert.

Gesprächsrunden, auch ganz privat

Zuallererst ging es den Vereinsmitgliedern darum, „behinderten Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre persönliche und gesellschaftliche Isolation abzubauen“. Um das zu schaffen, wurden verschiedene Selbsthilfegruppen in Oranienburg und Hennigsdorf gebildet. Dort redeten die Betroffenen über ihre Probleme, ihre Interessen und tauschten untereinander Erfahrungen aus. Es wurden Veranstaltungen und Reisen organisiert. Gesprächsrunden „ganz privat“ und Freizeitaktivitäten wurden durchgeführt. In das barrierefreie Bauen mischte sich der Verband ein: beim Fahrstuhl in der Nicolaikirche, Bahnhof Oranienburg, Kino Oranienburg, Landesgartenschau und Turm-Erlebniscity. „Unser Ziel war es, dass Menschen mit Behinderung von einer barrierefreien Gestaltung in Oberhavel profitieren“, so Hannelore Funke vom Kontaktbüro.

Kein Zusammenschluss

In den Anfangsjahren zählte der Verband – in ihm waren Frauen und Männer aus dem Süden des Kreises integriert – etwa 200 Mitglieder. Aber zum Schluss seien es, so Elfriede Hörschelmann, nur noch um die 50 gewesen. Holger Dreher hatte gehofft, dass sich der in Auflösung befindliche Verband aus dem Süden möglicherweise mit dem Behindertenverband aus dem Nordkreis zusammentun. Aber auch das ist nicht geschehen. Es fehlte das Interesse, den Verband am Leben zu halten. Nach den Worten von Elfriede Hörschelmann ist das sogar zu verstehen. „Es ist doch so, dass jeder zufrieden war, wenn er sich nicht mehr zu viel bewegen musste. Deshalb hat sich – zumindest von den älteren – auch niemand um eine Aufgabe im Verband gerissen.“

20 Jahre umsonst bemüht

Für Holger Dreher geht mit dem Verschwinden des Behindertenverbandes auch das Sprachrohr für die Mobilitätseingeschränkten verloren, eine Lobby. Und der Verband sei ein Partner für die Selbsthilfe gewesen. „Auch das ist jetzt vorbei.“ Elfriede Hörschelmann bedauert das Aus auch, sieht es auf eine gewisse Weise aber auch nüchtern: „Wir haben uns 20 Jahre lang um Nachfolger bemüht. Wenn sich keiner bereit erklärt, kann man auch nichts machen.“

Von Stefan Blumberg

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