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Faszinierende Technik für Oldtimer-Fans

Mildenberg Faszinierende Technik für Oldtimer-Fans

Mildenberger Ziegeleipark, „Faszination Technik“: Der Tau ist noch nicht getrocknet, da stürmen erste Schnäppchenjäger den Floh- und Ersatzteilemarkt; zur Einfahrt der Oldtimer weht Essensgeruch in die Nase, Tracy Chapmans „Fast Car“ in die Ohren. Die 14. Auflage der Veranstaltung war ein voller Erfolg.

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Von oben: Überblick über einen kleinen Teil des Geländes. Überall glänzt der Chrom, wurden alte Maschinen poliert.

Quelle: Marco Winkler

Mildenberg. Sonnabend, kurz nach 10 Uhr, Mildenberger Ziegeleipark, 14. Auflage der „Faszination Technik“. Der Tau ist noch nicht ganz getrocknet, da stürmen erste Schnäppchenjäger den Floh- und Ersatzteilemarkt; zur Einfahrt der Oldtimer weht Essensgeruch (Gebackene Pute, Spanferkel, Erbseneintopf mit Bockwurst) in die Nase, Tracy Chapmans „Fast Car“ in die Ohren. Wehmut? Eher Nostalgie!

Für Gerhard Schön aus Velten ist das jedenfalls so. Er ist mit einem IFA F8 angereist. „Holzkarosserie mit originalem Kunstleder aus dem Osten, zwei Zylinder, Baujahr 1954“, zählt der 69-Jährige die Eckdaten seiner Maschine auf. In Eigeninitiative hat er ihn zusammengebaut. „Mein zwölfjähriger Enkel schraubt viel mit mir.“ Generationsübergreifende Passion.

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Zwei Tage lang tauschen sich Oldtimer-Freunde aus und präsentieren ihre Fahrzeuge. Im Mildenberger Ziegeleipark fand am Wochenende die 14. Faszination Technik statt.

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Mehr als 300 Exponate präsentierten sich am Wochenende. „Der Ziegeleipark macht Technik begreifbar und erlebbar“, so Landrat Ludger Weskamp. Es knattert und dampft auf dem Gelände des Industriemuseums. Auch bei Martin Lorenz. Er kam mit einem Trabant 601, dem meistgebauten Modell in der ehemaligen DDR. Alles im Originalzustand, selbst die Patina. Nur Roststellen entfernt er ab und zu. „Das Dach habe ich nachgerüstet“, sagt der 33-Jährige. Gemeint ist ein Glashebedach, das es nur im Intershop gab.

Seine Begeisterung für alte Fahrzeuge zeigt sich vor allem in einem Umstand: „Zum Führerschein wollte mein Vater mir einen Golf kaufen, ich sagte aber nein.“ Er wollte unbedingt einen Trabi. Und der hat erst an die 10 000 Kilometer „runter“, fahre aber noch „wie am ersten Tag.“ Was er sich – wie viele Oldtimerfreunde – wünscht: Die alte Kfz-Kennzeichnung „OR“ beziehungsweise „GRS“. Das „OHV“ sei ihm zu schwammig. „Wenn die das mal wieder einführen, bin ich der erste in der Schlange bei der Zulassungsstelle“, so der Sachsenhausener, der in Berlin als Erzieher arbeitet. „Zu Hause habe ich noch einen Anhänger Marke Eigenbau für den Trabi, der ist einmalig.“

Erster Trabi für 3500 Mark

„Geschichte kann hier eingeatmet werden“, so Vize-Landrat Egmont Hamelow. Technik zum Anfassen. Wie bei Dietmar und Sigrid Nägel aus Zehdenick. Auch sie sind mit einem Trabi angereist. „Einem 600er Kombi, Baujahr 1965“, so der 67-Jährige. 1974 hat er ihn für rund 3500 Mark gekauft. Dann verschwand er 20 Jahre lang in seiner Garage. Bis Dietmar Nägel in Rente ging. „Zwei Jahre habe ich dann an ihm geschraubt.“ Cool sei die Hecktür, die seitlich aufgeht. Seine Frau Sigrid ist Beifahrerin, vermisst nicht einmal den Komfort moderner Auto. „Klar, ist weniger Platz, aber die Sitze sind gut ausgearbeitet, da fehlt mir nicht einmal eine Kopfstütze“, so die 57-Jährige.

Während sich Mildenbergs Ortsvorsteher André Witzlau freut, dass das Technik-Spektakel von Jahr zu Jahr wächst und Zehdenicks Bürgermeister Arno Dahlenburg auf die „faszinierende Mischung an Angeboten“ hinweist, hat Thomas Kroß, der mit seiner Frau Manuela, die Elan-Tankstelle in Zehdenick betreibt, mit dem Wind zu kämpfen. „Eigentlich wollten wir unsere Sandstrahlarbeiten vorführen, aber das Wetter spielt nicht mit und die Buden stehen zu dicht.“ 2015 hat er den großen Portalkran des Ziegeleiparks „bestrahlt“.

Heißt: Mit Hochdruck und Sand bis aufs blanke Blech von allem befreit. „Danach müssen wir immer mehrere Schichten Rostschutz auftragen, weil das Eisen porig und aggressiv ist“, sagt er. Seit 12 Jahren restauriert er Multicars und Traktoren. Mit Sandstrahl hat er eine Nische besetzt. Ost-Technik boomt. „Wenn Leute aufrüsten, reicht eine Drahtbürste nicht“, sagt er. Motorblöcke oder Aluminium strahlt er mit Salz. „Sobald es mit Öl in Berührung kommt, löst es sich auf.“ Ganz anders die Faszination Technik in Mildenberg – die bleibt.


Ramon Fuchs, 16 Jahre alt, aus Mildenberg im Interview:

Mit welchem Fahrzeug bist du angereist?

Fuchs : Ich bin heute mit einem Belarus MTS 52 vertreten. Das ist ein russischer Schlepper, ursprünglich aus Weißrussland. Vier Zylinder, wassergekühlt. Ich habe ihn selbst auf Vordermann gebracht.

Was musste alles gemacht werden, um die Maschine wieder fit zu kriegen?

Fuchs : Die Kabine musste ich komplett neu aufbauen, weil das Verdeck kaputt war. Außerdem hat er jetzt neue Hinterkotflügel. Zudem musste ich die komplette Verkabelung neu machen. Das hat einige Zeit gedauert. Meist schraube ich in meiner Freizeit am Wochenende, wenn ich Zeit habe. Die letzten 14 Tage habe ich mich aber intensiv an meinen Schlepper gesetzt. Ich habe mich gezielt auf heute vorbereitet.

Ist der Schlepper denn noch im Einsatz oder nur Dekoration?

Fuchs : Nein, der fährt natürlich noch. Regelmäßig sogar. Er ist ja schließlich im Einsatz. Ich habe hier ein Stück Land, das ich bewirtschafte. Mit dem Belarus hole ich die Ernte, also mein angebautes Getreide, rein. Ich presse Stroh und bearbeite damit sogar den Boden. Zusätzlich säe ich mit ihm noch aus. Er ist ganz schön robust und hält einiges aus. Das muss er auch wegen des Eigenbedarfs. Ich hoffe, er hält noch ein paar Jahre. Momentan mache ich auf dem Oberstufenzentrum Zehdenick mein Abitur. Danach möchte ich gerne einen landwirtschaftlichen Beruf erlenen. Welchen genau, das weiß ich nicht.

Ramon Fuchs aus Mildenberg mit seinem Belarus

Ramon Fuchs aus Mildenberg mit seinem Belarus.

Quelle: Winkler

Von Marco Winkler

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