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Feier mit Bombenstimmung

Anwohner des Lehnitzer Havelufers treffen sich zur gemeinsamen Feier Feier mit Bombenstimmung

„Hier herrscht eine Bombenstimmung“, schallt es dem Besucher am Sonnabendabend am Havelufer 24 entgegen. Es wird gefeiert. Wie so oft in der Weihnachtszeit. Der Grill glüht und der Glühwein mundet. Und doch ist es in Lehnitz eine besondere Feier.

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Die Lehnitzer feiern drei Wochen nach der erfolgreichen Bombenentschärfung ein Fest.

Quelle: Ulrike Gawande

Lehnitz. „Hier herrscht eine Bombenstimmung“, schallt es dem Besucher am Sonnabendabend am Havelufer 24 entgegen. Es wird gefeiert. Wie so oft in der Weihnachtszeit. Der Grill glüht und der Glühwein mundet. Und doch ist es in Lehnitz eine besondere Feier. Feuerschalen auf der Straße erleuchten die Szenerie. Eine skurrile Szenerie, denn nur wenige Meter weiter liegen im Dunkeln verborgen die Stellen, an denen vor drei Wochen vier amerikanische 250-Kilogramm-Bomben mit chemischen Langzeitzünder erfolgreich entschärft worden waren.

„Wir hatten uns vorgenommen, wenn alles vorbei ist, mit den Nachbarn zu feiern“, erklärt eine Bewohnerin des Havel­ufers. „Es lag uns am Herzen, Danke zu sagen, den Nachbarn und den Männern, die unter Einsatz ihres Lebens hier gearbeitet haben.“ Trotzdem möchte die Bewohnerin nicht namentlich in der Zeitung genannt werden. Aus gutem Grund, denn schon am frühen Morgen des 28. November, nur wenige Stunden nach Aufhebung des Sperrkreises, standen erste Schaulustige vor dem Gelände. Betraten es sogar trotz des Zaunes, um die neun Meter tiefen Löcher, in denen die Bomben gelegen hatten, in Augenschein zu nehmen.

Dabei sei das ganze Prozedere zuvor schon schwer genug gewesen. „Unser Haus ist unser Universum. Für die Entschärfung haben wir alles mitgenommen, was wichtig ist. Auch die ideellen Werte“, berichtet die Bewohnerin, deren Haus nur wenige Meter von den riesigen Löchern entfernt steht. Alles wurde in einen Leihtransporter geladen. „Sonst schlug man morgens die Zeitung auf und las, dass man mal wieder im Sperrkreis liegt, nun waren wir direkt betroffen.“ Sie habe sich gefühlt wie auf der Flucht. „Alle reden über einen.“ Das sei oft wie ein Vorschlaghammer gewesen. 2012 hatte man das Grundstück erstanden und für das Verlegen einer Wasserleitung das Gutachten des Kampfmittelräumdienstes in Auftrag gegeben, der Ende 2013 fündig wurde. Zwei Jahre habe man mit dem Wissen gelebt, neben drei Anomalien zu leben. „Für Außenstehende war das abstrakt.“ Auch ihr würden heute noch ganz anders werden bei dem Gedanken daran, auf 1000 Kilogramm Sprengstoff den Rasen gemäht zu haben.

Auch für die Männer vom KMBD war die Entschärfung ein extremer Härtetest

Auch für die Männer vom KMBD war die Entschärfung ein extremer Härtetest

Quelle: dpa-Zentralbild

Im Juli 2015 wurden dann 108 Spundwände bis in 13 Meter Tiefe gerammt. Im Januar sollen sie wieder gezogen werden. Das gesamte Grundstück wurde abgeholzt und die Fenster des Hauses vernagelt. Im Oktober folgten die Brunnen, die bis zu einer Tiefe von 25 Metern für das Absenken des Grundwassers sorgten. Die Rohre wurden quer über die Straße und über das Grundstück von Rüdiger Kalläne gelegt, der dort ein Haus bauen will. Wegen der Bombenfunde hat der Berliner jedoch abgewartet. „Nun kann es endlich losgehen. Im Oktober 2016 will ich einziehen.“ Das alte Wochenendhaus war schon abgerissen, trotzdem verfolgte Kalläne die Vorgänge im MAZ-Liveticker. „Als Entwarnung gegeben wurde, haben wir eine Flasche Sekt aufgemacht.“ Trotz erfolgreicher Entschärfung, sieht Kalläne die Politik in der Verantwortung. „Wir sind zu jung, um für die Folgen des Weltkrieges aufkommen zu müssen.“

„Es ist ein sensibles Thema“, bestätigt auch eine weitere Anwohnerin, die deutlich die unsensible Kommunikation der damals stellvertretenden Bürgermeisterin Kerstin Kausche auf der Anwohnerversammlung kritisiert. Ebenso wie die unzureichende Versorgung der Sprengmeister während der Entschärfung. Die Zeit der Entschärfung, für die rund 4000 Menschen für mehr als 16 Stunden ihre Wohnungen verlassen mussten, verbrachte Rainer Falkenberg im Wohnmobil. „Auch wenn es nicht die erste Entschärfung war, lassen einen die Gedanken daran nicht los.“ Informationen holte er sich bei der Hotline der Stadt.

Von Ulrike Gawande

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