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Flüsterkultur in Bibliotheken entstauben

Oranienburg Flüsterkultur in Bibliotheken entstauben

Jennifer Bonk ist seit über einem Jahr Kinderbibliothekarin in Oranienburg. Die 29-Jährige übt ihren Beruf mit Leidenschaft aus. Dazu gehört auch das Lesen von Jugendbüchern in ihrer Freizeit.

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In ihrem Metier: Jennifer Bonk aus Germendorf sieht die Bibliothek als Ort der Begegnung.

Quelle: Marco Winkler

Oranienburg. Geflüstert wird hier nicht. In der Oranienburger Stadtbibliothek darf sich normal unterhalten werden. „Ich bin gegen eine Flüsterkultur in öffentlichen Bibliotheken“, sagt Jennifer Bonk. „Hier darf man ruhig Spaß haben.“ Seit über einem Jahr ist die 29-Jährige jetzt Kinderbibliothekarin mit Leidenschaft.

Das erste Mal in einer Bibliothek, welche bekanntlich das Wissen der ganzen Welt und noch ganz anderer Welten hütet, war sie in ihrem Heimatort Germendorf – in der dortigen Zweigstelle. „Tante Lotti“, die damalige Mitarbeiterin in der Bücherei, nahm sich ihrer an. „Sie war mein Vorbild, hat sich auf mich eingestellt.“ Selbst Goethe und Schiller durfte sie als Kind dort lesen. Nach einem Personalwechsel war ihre Vertrauensperson weg.

Angestaubter Beruf?

„Mit 10 Jahren habe ich meinen Eltern gesagt, dass ich einen Bibliotheksausweis möchte.“ Für die Oranienburger Kinderbibliothek. Zweimal die Woche ist sie alleine mit dem Bus dorthin gefahren, hat Maren Gentzmann und Martina Dorn kennen gelernt. „Sie waren herzlich, nah an den Nutzern und haben genau beraten“, erinnert sie sich heute.

Trotzdem wollte sie keine Bibliothekarin werden, zu angestaubt war ihre Vorstellung vom Beruf. Doch es kam anders. Nach dem Abitur machte sie in einer wissenschaftlichen Bibliothek ihre Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste in München. Fachrichtung: Bibliothek.

Die Fantasy-Abteilung ist besonders beliebt

Die Fantasy-Abteilung ist besonders beliebt.

Quelle: Winkler

Zwei Jahre hat sie im Anschluss dort gearbeitet, danach ging es zurück in die Heimat. „Ich wollte einfach mehr“, sagt sie heute. Nächster Weg: Studium (Bibliotheksmanagement) an der Fachhochschule Potsdam. Viel Stoff, wenig Schlaf, Nebenjob. Dreieinhalb Jahre lang. Unterstützung bekam sie von Familie und Freunden.

Mehr als nur eine Bücherei

Die Stadtbibliothek in Oranienburg wurde in der Zeit immer größer, die Bereiche vielfältiger. Eine neue Stelle musste geschaffen werden. Kurz vor der Verteidigung ihrer Bachelor-Arbeit unterschrieb Jennifer Bonk den Arbeitsvertrag mit der Stadt Oranienburg.

„Wir sind weit mehr als nur eine Bücherei“, sagt sie. Klassische Buchausleihe ist zwar das Hauptgeschäft, aber nicht alles. Im Angebot: Eine Game-Station, wo Eltern mit Kindern „Fifa“ zocken können, Brettspiele, Zeitungen. „Selbst bei den Hausaufgaben helfen wir, unterstützen bei der Recherche.“ Die Bibliothek sieht sie als Ort der Begegnung. „Der Service-Gedanke wird immer größer.“ Es sollte dabei gemütlich, bequem und warm sein. Keine direkte Wohnzimmeratmosphäre, aber eine ähnliche Vertraulichkeit ausstrahlen.

Hypes und Mangas

Zeit zu lesen hat Jennifer Bonk während der Arbeitszeit nicht, das macht sie privat – ihre Wohlfühlzone sind Kinder- und Jugendbücher. Sie will nah an jungen Lesern sein.

Erstaunlich: „Viele Erwachsene lesen Jugendbücher.“ Finden sich in fremden Welten und universellen Problemen, Träumen, Wünschen wieder. Trends wie Dystopien à la „Tribute von Panem" halten nach wie vor an – und Leser in Atem. „Die Menschen wollen sich aus ihrem Alltag wegdenken und nicht darüber lesen.“ Der Vorteil solcher Hypes sei, dass Klassiker des jeweiligen Genres wiederentdeckt werden. Weiter Magnet der Bibliothek: Mangas. Mädchen sowie Jungs würden die lesen – und Jennifer Bonk natürlich auch.

Buchtipps

Eine Leseratte ist Jennifer Bonk von Natur aus. Wir haben sie nach Tipps für Kinder und Jugendliche gefragt.

„Der Ernst des Lebens“ : Ein tolles Geschenk zum Schulanfang. Sehr viel macht der Protagonistin Annette Angst, auch der erste Schultag. Doch dann lernt sie Ernst kennen. Er ist lustig und nett. Soll das etwa der Ernst des Lebens sei? Ein humorvolles Büchlein.

„Seven Wonders“ : Ein Roman für alle Fans von „Percy Jackson“. Ein 13-Jähriger mit Superkräften muss in einer Götterwelt die Geheimnisse der sieben Weltwunder ergründen. Fantasy-Fans kommen hier voll auf ihre Kosten, wenn es um den Kampf zwischen Gut und Böse geht.

„Nur ein Tag“ : Traurig, aber unheimlich witzig ist diese Geschichte. Die Freunde einer Eintragsfliege wollen ihr ihr kurzes Leben so schön wie möglich gestalten und packen die Ereignisse eines ganzen Lebens in nur einen Tag. Ein echter Geheimtipp!

„Liebe ohne Punkt und Komma“ : Ganz klar ein Buch für Mädchen – und der Traum vieler Leserinnen: Ein Buchcharakter aus einer Märchenwelt wird lebendig und versucht, Kontakt zu seiner Leserin aufzunehmen. Die beiden verlieben sich natürlich. Empfehlung: Lest davor Teil 1, „Mein Herz zwischen den Zeilen“.

„Überall Blumen“ : Dieses Buch sollten Kinder nicht ohne Mama und Papa lesen, obwohl es ein Bilderbuch ist. In einer tristen schwarz-weißen Stadt entdeckt ein Mädchen im roten Mantel die Schönheit des Lebens – und macht sie damit farbig. Sehr bildgewaltig und ziemlich hintergründig.

Von Marco Winkler

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