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Oranienburg Frauen stark und selbstbewusst machen
Lokales Oberhavel Oranienburg Frauen stark und selbstbewusst machen
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17:22 25.11.2016
Udo Kumpe zeigte, wie man reagieren sollte, wenn Männer Frauen belästigen. Quelle: Heike Bergt
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Oranienburg

Ein Typ lehnt breitbeinig in der Tür zum Kinosaal. Die meisten Plätze sind leer. Er setzt sich provokativ neben eine alleinsitzende Frau. Legt seine Hand auf ihre. „Wie würdet ihr reagieren?“, fragt Udo Kumpe in die Runde. Abwarten, sich wegsetzen, andere ansprechen, um Hilfe rufen. Die Antworten der 30 Frauen fallen ganz unterschiedlich aus. Voll ausgebucht war der Kurs „Selbstverteidigung für Frauen“ am Mittwochabend im Bürgerzentrum in der Albert-Buchmann-Straße.

Im Vorfeld des Internationalen Aktionstages „Nein zu Gewalt an Frauen“ am 25. November hatten Oranienburgs Gleichstellungsbeauftragte und der Märkische Sozialverein als Träger des Frauenhauses in Oberhavel zum Kurs eingeladen. Stadt und Kreis übernahmen die Kosten.

Die Motivation der Frauen, daran teilzunehmen, war unterschiedlich: „Ich will wissen, wie man sich wehrt, ich komme oft nachts allein von der Arbeit“, sagt Claudia. Anna „will im Kopf vorbereitet sein“, sie sei viel allein und mit Freundinnen in Berlin unterwegs. „So ein Kurs gibt Sicherheit und mehr Selbstbewusstsein“, findet Anja. Marlies wurde schon mal von einem Mann nachts verfolgt: „Ich hab’ mir schon Pfefferspray gekauft“, aber nun will sie Tipps, um sich wehren zu können. Und Grit joggt oft in der Dunkelheit: „Ich will wissen, wie ich im Notfall reagieren muss“. Die Frauen kamen aus Oranienburg, Neuholland oder haben gerade auf Grund von häuslicher Gewalt im Frauenhaus ein Dach über dem Kopf gefunden.

Udo Kumpe ist Anti-Gewalttrainer und Traumaberater am Institut für Selbstverteidigung „Bakum“ in Berlin. Mehrfach war er schon in Oranienburg zu Gast, hat Frauen, Männern und Kindern vermittelt, wie man in brenzligen Situationen vor allem deeskaliert. Und trainiert mit den Teilnehmern, um Strategien zu verinnerlichen: „Das ist wie Autofahrern, wenn man’s kann, klappt es immer“. Kumpe arbeitet seit 16 Jahren auch für das Auswärtige Amt, hat gerade Frauen in Kairo trainiert, im Januar sind Frauen in Moskau in einem seiner Anti-Gewalt-Kurse. Er will Frauen stark und mutig machen.

Aus Gesprächen weiß er, wie groß die Angst der Opfer ist und wie Täter ticken. Er teilt sie „in eher lästige, aber ungefährliche Regelverletzer“ und die „Schädlinge, die einfach gefährlich sind“, wie der von ihm dargestellte Mann im Kino.

Er gibt den Frauen mehrere Ratschläge: „Angst lähmt. Manchmal derart, dass viele das Atmen vergessen. Kräftig ausatmen, um weiter reagieren zu können.“ Eine Schutzhaltung einnehmen, in dem man die Arme hochhebt und dem Gegenüber ein lautes „Ha!!!“ entgegenschleudert. Das überrascht. „Männer, die Frauen angreifen, sind in der Regel Feiglinge. Sie weiden sich an der Angst. Die Angst des Opfers ist ihr Spaß.“ Dass ihr Angriff von anderen gehört werden könnte, zerstöre ihr Konzept. „Deshalb schreit nach Feuerwehr, Polizei.“

Auch Freundlichkeit auf Augenhöhe könnten Täter, die ein leichtes Opfer suchten, nicht ertragen. „Selbstbewusstsein schon mit der Körperhaltung signalisieren!“

Auch er selbst habe schon eine gefährliche Situation erlebt, „als sieben Nazis auf mich zukamen und ein Opfer suchten“. Sein Rat: „Haut einfach mal ab.“ Auch wenn sich coole Männer damit schwertäten. „Auch Wegrennen ist für mich Selbstverteidigung.“ Was er gemacht hat? „Ich bin gerannt.“

Kontakt: bakum-sv.de, info@bakum-sv.de

Von Heike Bergt

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