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Freies WLAN in allen Kirchen

Oberhavel Freies WLAN in allen Kirchen

Die Landeskirche überraschte so einige mit der Nachricht: Alle Gotteshäuser sollen mit freiem Internetzugang ausgestattet werden. In Oberhavel wird das Vorhaben begrüßt. Den Gottesdienst als solchen sehen die Pfarrer dabei nicht in Gefahr.

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Die Oranienburger Nicolaikirche könnte die erste in Oberhavel sein, die einen „Godspot“ bekommt.

Quelle: Robert Roeske

Oberhavel. Kostenfreier Internetzugang, also offene WLAN-Hotspots, an und in allen Gotteshäusern. Mit dieser Nachricht überraschte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) vor wenigen Monaten so einige – nicht zuletzt Pfarrerinnen und Pfarrer in Oberhavel. Die MAZ hat sich unter Geistlichen umgehört, was sie von den sogenannten „Godspots“, die langfristig auch in sämtlichen Kirchen Brandenburgs installiert werden sollen, halten.

„Gerade für Gransee könnte ich mir einen freien WLAN-Zugang um die Kirche herum gut vorstellen“, sagt Christian Guth, Pfarrer in Gransee. „In der ganzen Stadt und auch an der Kirche gibt es QR-Tags, mit denen Touristen Informationen zu den jeweiligen Orten abrufen können.“ Momentan gibt es da Probleme, weil „brauchbares Internet fürs Handy“ Mangelware sei.

Freies Internet für Touristen in Meseberg

Erstrebenswert wäre es laut Guth, mit den „Godspots“ auf Angebote in der Kirche und jeweiligen Gemeinde aufmerksam zu machen. „Etwa mittels einer Startseite, auf der man zum nächsten Gottesdienst, Konzert und auch zu den anderen Gemeindeveranstaltungen eingeladen wird.“ Genau so eine Startseite, „landing page“ genannt, begrüßt Menschen, die „Godspot“ nutzen.

Tobias Ziemann, Pfarrer im Pfarrsprengel Gutengermendorf, wünscht sich ebenfalls eine Verbindung zu „Informationen zur Kirche und Links zu touristischen Angeboten in der Region.“ Er sieht in dem Vorhabende einige Möglichkeiten. Allerdings nicht für jede Dorfkirche. In seinem Sprengel käme da eine bestimmte in Frage. „In Meseberg kann ich mir das freie WLAN gut vorstellen, da sind viele Touristen unterwegs.“ Er hat schon einen Antrag per Mail gestellt, wartet noch auf die Zusage.

Auf der Liste der Gotteshäuser, die bald kostenfreies WLAN erhalten, steht schon die Nicolaikirche in Oranienburg. „Wir haben das im Gemeinderat beschlossen und für eine gute Idee befunden“, so Pfarrer Friedemann Humburg. Die Kirche verfüge über einen Telefonanschluss. Dieser müsste vielleicht aufgerüstet werden. Ein Datum der Realisierung steht aber wegen der Urlaubszeit noch nicht fest.

Finanzierung: 100 000 Euro

Die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) stellt in den kommenden zwei Jahren 100 000 Euro für die Installation des freien WLANs aller Gotteshäuser zur Verfügung.

Mit der Finanzierung sollen bis zu 220 Standorte in Berlin und Brandenburg mit „Godspot“ ausgestattet werden. Für die weiteren 3000 Standorte gibt es noch keine Finanzierungszusage.

Erste Kirchen mit „Godspot“ sind die Französische Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt und die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Charlottenburg.

Das Angebot soll inner- und außerhalb der Kirchen von Besuchern und Passanten genutzt werden können. Eine Anmeldung oder Registrierung ist dazu nicht notwendig.

Das kostenlose WLAN soll eine „sichere und vertraute Heimstatt in der digitalen Welt“ werden, so Fabian ­Kraetschmer, IT-Leiter im Konsistorium der EKBO.

Initiator der „Godspots“ ist Fabian Kraetschmer, Leiter des IT-Referats in der EKBO. Sein Ziel: kleinere kirchliche Häuser, die als Gemeinderaum genutzt werden, mit freiem WLAN auszustatten. Alles weitere sei eine logische Konsequenz, ein „Nebeneffekt“.

Fürstenbergs Pfarrer Eckhart Altemüller sagt, seine Kirche sei „zunächst nicht betroffen“ und sieht die „Godspots“ als Beitrag, sich dem Thema Netzneutralität zu nähern. „Es gibt heute viele Menschen, die mit ihren Tablets, Smartphones und anderen Mobileinrichtungen im öffentlichen Raum beschäftigt sind“, so der Pfarrer. „Während der Gottesdienste sind mir bisher vor allem Menschen begegnet, die dann den Bibeltext über den Bildschirm eines Smartphones mitlesen.“

Den Gottesdienst als solchen sieht er durch eine Nutzung des freien Internets nicht in Gefahr. „Ich denke, dass Konzerte, Gottesdienste, Sitzungen oder Konferenzen weiterhin so stattfinden werden, ohne große Störungen durch technische Neuerungen.“

Buhlen um ein junges Publikum?

Christian Guth sieht das ähnlich. „Wenn Menschen zu unseren Gottesdiensten kommen, dann doch, weil sie sich aktiv dazu entschlossen haben und dann auch Gottesdienst feiern wollen.“ Im Kino werde das Handy schließlich auch abgeschaltet. Friedemann Humburg hätte bei eventuellen Störungen eine Idee: „Dann schalten wir das WLAN einfach ab.“ Aber so weit werde es wohl nicht kommen.

Einige werfen der Aktion vor, dass die Kirche damit nur um ein junges Publikum buhle. Christian Guth, 31 Jahre alt, kann das nicht bestätige. Kirche sei nicht dem Zeitgeist unterworfen. „Wenn wir als Kirche neue Wege gehen, dann eigentlich nicht, um irgendeiner Entwicklung zu folgen oder jemanden zu umwerben, sondern weil wir etwas als gut, richtig oder zumindest nützlich erkannt haben“, so Gransees Pfarrer.

Von Marco Winkler

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