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Gastwirt und auch ein wenig Seelsorger

Friedrichsthal Gastwirt und auch ein wenig Seelsorger

Seit 34 Jahren stehen Kerstin und Dietmar Brüggert hinterm Tresen und in der Küche des „Gasthofs Fichtenhain“ in Friedrichsthal. Dort steht Hausmannskost auf dem Speiseplan, werden viele Familienfeiern gefeiert und die Silvesterparty ist schon ausgebucht.

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Kerstin und Dietmar Brüggert leben für ihren Gasthof.

Quelle: Heike Bergt

Friedrichsthal. Dietmar Brüggert steckt Holz in den Kachelofen. Ehefrau Kerstin bereitet die Küche vor: Schweinekrustenbraten gab es am Dienstag als besonderes Angebot neben der Speisekarte. 9 Uhr im „Gasthof Fichtenhain" in Friedrichsthal. Noch schnell einen Lieferanten hereinbitten, vor der Tür das Laub wegharken. Gegen 11 finden sich erste Stammgäste auf ein Bier ein, ab 12 Uhr Hungrige zum Mittagstisch.

Seit 34 Jahren stehen die Friedrichtsthaler hinterm Tresen. Ein eingespieltes Team: „Bei uns dreht sich eigentlich alles um den Gasthof. Früh, mittags, abends zu Hause“, sagt Dietmar Brüggert. Ein Leben für den Gasthof, der gar nicht ihr eigener ist. Seit 1982 haben sie ihn gepachtet. Holz für die Öfen, frische Tischwäsche, den Saal putzen – das Büfett zu Silvester für 130 Leute – alles machen die Eheleute selbst. Und haben dabei mit dem „Fichtenhain“ Höhen und Tiefen erlebt.

„Zu DDR-Zeiten gab es ja nichts zu kaufen. 1989 war es ganz schlimm“, erinnert sich Kerstin Brüggert. Manchmal baten sie die Gäste, Spargel und Champignons mitzubringen, „und wir machten was draus“. Nach der Wende erlebte der Gasthof seine Hochzeit. „Ende der 1990er wollten wir dann fast aufgeben.“ Dietmar Brüggert musste gar seine eigen Frau entlassen. Bis heute ist sie „mithelfende Ehefrau“, obwohl sie weit mehr als einen Vollzeitjob zu stemmen hat. Sie sind trotzdem zufrieden: „Heute gehen die Leute wieder mehr essen und feiern auswärts als zu Hause, vor allem Familienfeiern.“

Was immer konstant ist: die gute Küche der Köchin. Hier lässt sich nieder, wer Hausmannskost liebt: Kohlrouladen, Ente mit Klößen, Rindsroulade, Bratkartoffeln, Schnitzel, Steak, Eisbein, Spargel. Als „Schnippelhilfe“, wie sie ihn liebevoll nennt, zum Beispiel beim Putzen von Kohl oder Pfifferlingen, da greift Dietmar in der Küche ein, für alles andere hat sie die Kochmütze auf. Zusammen gehen sie einkaufen, lassen nicht liefern: „Ich muss sehen, was ich kaufe.“ Und wenn plötzlich 30 Leute auf einmal eine Kohlroulade wollen? „Das kann man aus Erfahrung schon planen.“ Aber sonntags sei der beste Tag. Und wenn Kohlroulade angeschlagen sei, hole sich mancher abends auch welche für zu Hause.

Strom muss immer bezahlt werden, auch wenn mal keiner kommt. In sofern müssen die Gastwirtsleute rechnen. Mal sind die Tische leer, dann ist das Gasthaus rappelvoll. Jemanden einzustellen, sei deshalb schwierig. Vor allem Dietmar ist auch ein wenig „Seelsorger“, der am Tresen so manches von den Unbilden des Lebens anderer erfährt. Manchmal sei auch zu beobachten, wie Kunden sich von Bier zu Bier verändern und sie schließlich einschlafen.

Spaß macht ihnen ihre Arbeit auch nach den vielen Jahren. Auch wenn sie nie ein Wochenende frei haben. Eher machen sie sich sorgen, ob sie in ein paar Jahren Nachfolger finden. Die Silvesterparty ist jedenfalls schon ausgebucht. Dann heizen sie morgens um 8 Uhr die vier Kachelöfen im Saal an und kehren am nächsten Morgen um 8 Uhr die Böller von der Straße. „Es ist ein schöner Moment, wenn die Leute sagen: Es war schön bei euch.“ Und das hören sie immer wieder.

Von Heike Bergt

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