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Geheimnisvoller Fund der Polizeigeschichte

Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg Geheimnisvoller Fund der Polizeigeschichte

Durch Zufall fand Rainer Grieger, Präsident der Fachhochschule der Polizei, Hunderte Dokumente und Fotos aus der Zeit zwischen 1945 und 1990. Wie die Akten in den Keller des Verwaltungsgebäudes kamen, ist völlig unklar. Fest steht, dass sie Aufschluss geben über zwei wichtige Ereignisse der Geschichte.

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Archivar Raphael Hartisch zeigt eine der Fotodokumentationen.

Oranienburg. Eine ungewöhnliche Entdeckung machte Rainer Grieger vor etwa einem Jahr und das auch nur durch Zufall: Der Präsident der Fachhochschule der Polizei Brandenburg lief durch den Keller der Verwaltungsgebäudes und wollte den Zustand des Zentralarchives begutachten. Zwischen Prüfungsarbeiten, Personalakten, Entlassungen und Versetzungen fand er zehn offene Umzugskartons, deren Inhalt bisher niemand archiviert hatte, oft wild durcheinander, manchmal vorsortiert.

Einige der Akten protokollieren die Polizeieinsätze in Verbindung mit dem Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953 und den Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961. Gefüllt waren die Kartons weiterhin mit Statistiken des Landeskriminalamtes Brandenburg oder Strukturplänen der Polizei. Auch Medaillen und Orden sowie Fotodokumentationen mit insgesamt 4000 Positiven und 2000 Negativen zu Ausstellungen, Versammlungen, Festveranstaltungen und Jubiläumsfeiern befanden sich darin. Fotodokumentationen zeigen Großviehdiebstähle, Geldschrankeinbrüche und sogar Morde- und Selbstmorde in der DDR. Die Akten dokumentieren außerdem etwa „Mängel und Schludereien auf Baustellen“, Gefechtsübungen der Kampftruppenbatallione oder den Besuch von ausländischen Delegationen. Auch ein Militärpass aus dem Jahr 1870 hatte sich in die Unterlagen verirrt.

Wie die Dokumente, Alben und Fotos in den Keller kamen, sei völlig unklar, sagte Rainer Grieger. Erst 2006 können sie in das Gebäude gelangt sein, denn erst dann zog die Fachhochschule der Polizei nach Oranienburg. Vorher wurden angehende Polizisten in Basdorf (Landkreis Barnim) ausgebildet. „Derjenige, der die Dokumente hier her brachte, hatte keine Sensibilität für die Funde“, sagte Grieger. „Wir hatten großes Glück: Der Raum war nicht feucht, es gab keinen Schimmel und das Papier war gut erhalten“, ergänzte er. Normalerweise werden die Akten, die im Archiv der Polizei gelagert werden, nach einer Zehn- oder Zwanzigjahresfrist vernichtet, doch diese waren weitaus älter.

Fasziniert war Rainer Grieger von den taktischen Anweisungen zur Spurensicherung und von den Strukturerläuterungen der Polizei in den Dokumenten. „Der Schatz ist für unsere eigenen historischen Forschungen interessant und eine gute Gelegenheit, diesen historischen Ort zum Leben zu erwecken“, erklärte Grieger. „Neu für mich war auch, dass es 1948 schon ein Landeskriminalamt gab.“

Die Erfassung und Registratur des Schatzes wurde in professionelle Hände gegeben: Der Michendorfer Archivar Raphael Hartisch nahm sich der Sache an und hat die Funde innerhalb von vier Wochen gesichtet, sortiert und in eine Datenbank eingepflegt. Er erstellte einen Katalog mit insgesamt 548 Archivalien.

In Zukunft werden die Dokumente und Fotos in das Fach Polizeigeschichte mit einbezogen. „Wir forschen sehr intensiv mit den Studenten zur Geschichte der Polizei. Es gibt viel, was dabei noch nicht analysiert ist“, sagte der Vizepräsident der Fachhochschule Jochen Christe-Zeyse. Zunächst werden die Dokumente im Zentrum für Zeitgeschichte der Polizei aufbewahrt. Bald sollen die Funde auch dem Landeshauptarchiv in Potsdam übergeben werden.

Von Melanie Höhn

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