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Oranienburg Glasermeister Nico Netzker blickt zurück
Lokales Oberhavel Oranienburg Glasermeister Nico Netzker blickt zurück
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09:30 10.07.2016
Glasermeister Nico Netzker arbeitetet mit einem Naturschein, der 80 Kilogramm auf die Waage bringt. Quelle: Marco Winkler
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Oranienburg

Glas staubt – ganz schön heftig sogar. „Es entsteht feiner Staub, wenn ich das Glas schneide“, erzählt Nico Netzker und demonstriert es gleich. Der gebürtige Oranienburger ist Glasermeister. Und tatsächlich, eine Art Pulver entsteht beim Schneidevorgang, wie Mehl, nur noch feiner.

Seit 1997 leitet Nico Netzker sein eigenes Unternehmen in der Bernauer Straße 78. Übernommen hat er es von seiner Mutter Karla. Seit 60 Jahren gibt es den Betrieb inzwischen. Ein Grund zum Feiern und um Rückschau zu halten. Aber nicht immer meinte es das Schicksal gut mit dem 44-Jährigen.

Wo er heute Glaskaraffen repariert und Verglasungen mit Blei macht, war ganz früher eine Druckerei, die einem jüdischen Kaufmann gehörte – samt Zweifamilienhaus, Schuppen, Brunnen. „Bei den Bombensuchen auf dem Grundstück haben sie den Brunnen entdeckt.“ Noch intakt. 1932 wanderte der jüdische Geschäftsmann aus, die Druckerei lief mit neuem Inhaber weiter. „Im Laufe des Krieges wurde sie natürlich beschädigt und im Zuge der Reparationsleistungen später enteignet.“ Im Juli 1956 wurde schließlich die Glaserei gegründet, welche in der ehemaligen DDR in das Dienstleistungskombinat (DLK) eingegliedert wurde.

Noch funktionstüchtig: Ein Glasbohrer aus dem Jahr 1928. Quelle: Winkler

Anfang der 1990er Jahre schlug Karla Netzker zu. Sie erwarb die Firma (ohne Grundstück) für damals 30  000 DM von der Treuhand, welche die Glaserei nach der Wende verwaltete. 1993 stieg ihr Sohn Nico Netzker mit ein, übernahm das Geschäft vier Jahre später und erwarb vor über 10 Jahren das dazugehörige Grundstück.

Bei der Entkernung des Dachbodens fand er erstaunliche Zeitdokumente. Die damalige Druckerei verließen frischgepresste Lokalausgaben der antisemititschen Wochenzeitung „Der Stürmer“. „Außerdem habe ich Zwangspost aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen gefunden“, erzählt Nico Netzke über seine geschichtsträchtigen Funde. Eine Speisekarte der ehemaligen Bahnhofsgastronomie war ebenfalls dabei (Bockwurst für 0,45 Reichsmark).

Weiterer Höhepunkt seiner Sammlung: eine alte Glasbohrmaschine aus dem Jahr 1928. „Sie funktioniert sogar noch.“ So reibungslos wie sein 80 Kilogramm schwerer Naturstein, den er zum Schleifen verwendet.

Immer wieder entschuldigt sich der gelernte Elektro-Mechaniker, der vor seiner Glaser-Ausbildung im Hennigsdorfer Stahlwerk arbeitet, beim Zeigen seiner Utensilien für die Unordnung in der Werkstatt. In letzter Zeit habe er es nicht leicht gehabt. Scheidung, beide Eltern verstorben, Krankheit. Doch er macht weiter. Muss. „Ich bin selbstständig“, sagt er. Da sei Krankheit und Kundenverlust keine Option.

Tag der offenen Glaserei

Eine „kleine Feier“ nennt Nico Netzker das Fest, das er am Freitag, 15. Juli, für Kunden, Freunde, Geschäftspartner und Interessierte veranstaltet.

Den ganzen Tag über präsentiert er sein Gewerbe: Glasschleifen, Laserarbeiten, Bleiverglasung. Ab 14 Uhr werden einige Hersteller (Dorma, Tupperware, PartyLight) ihre Produkte vorführen.

Für Kinder gibt es eine kleine Überraschung am Nachmittag; das Café Rendezvous kredenz Balkansuppe und Getränke.

Von Marco Winkler

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