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Oranienburg Haben wir es denn geschafft?
Lokales Oberhavel Oranienburg Haben wir es denn geschafft?
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18:27 30.08.2018
Anwohner und Flüchtlinge beim Kennenlernfest im September 2015 in Lehnitz. Quelle: Robert Roeske
Oberhavel

Drei Jahre ist es her, dass Kanzlerin Angela Merkel im Jahr der großen Zuwanderung nach Deutschland ihre Zuversicht in die Worte fasste: „Wir haben so vieles geschafft – wir schaffen das“. Unterkünfte mussten schnell hergerichtet werden. Willkommensinitiativen kümmerten sich um die ersten Schritte der Integration und hießen Flüchtlinge willkommen. Wie steht es drei Jahre danach um die Integration und die Frage: Haben wir’s denn eigentlich schon geschafft?

Die aktuellen Zahlen: 63 Asylbewerber hat der Landkreis im Juli aufgenommen. Im Vormonat waren es 66, im Januar 2017 fünf. Derzeit sind per 31. Juli 1126 Flüchtlinge registriert. Die meisten von ihnen – 324 – leben im Heim in Stolpe, 180 sind es in Lehnitz, 158 in Kremmen. Rund ein Viertel der Flüchtlinge konnten inzwischen eine Wohnung beziehen, 75 Prozent leben weiter in Gemeinschaftsunterkünften. In Oberhavel sind viele Nationen vertreten: 14 Prozent der 1126 Flüchtlinge kommen aktuell aus Afghanistan, 15 Prozent aus Russland, elf aus dem Iran, 13 aus Kamerun, 4,5 Prozent aus Somalia und ebenso viele aus Syrien. 508 Menschen soll Oberhavel in diesem Jahr aufnehmen, 304 sind bisher angekommen. Das sah vor drei Jahren ganz anders aus: 2015 nahm Oberhavel 2068 Flüchtlinge auf, 748 davon kamen in Lehnitz unter. Und 40 Prozent der Menschen kamen damals aus Syrien. Konnten sie schon integriert werden – haben wir das geschafft?

Kreis-Sozialdezernent Matthias Rink findet: „Wir sind noch mittendrin.“ Der Landkreis habe die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge auf einem guten Niveau sicherstellen können. Und mit den kreiseigenen Gesellschaften „auf gute Füße gestellt. Das ging mit den Quartieren an vielen Orten auch nur, weil die Menschen vor Ort mitgezogen haben, Verständnis haben. Das ist ein großer Schatz in Oberhavel“, so Rink. Trotzdem blieben viele tägliche Herausforderungen, „dass wir die, die bleiben dürfen, gut integrieren.“ Er wünsche sich bei diesem Thema vor allem eine seriöse und faktenorientierte Debatte, da helfe weder Populismus noch etwas unter den Teppich zu kehren.

Petra Klemp ist Gründungsmitglied der Willkommensinitiative in Oranienburg: „Ja, wir schaffen das und haben schon viel geschafft“, so die Sozialarbeiterin an einem Krankenhaus. „Wir sind froh über jeden Arbeits- und Praktikumsplatz. Aber es bleibt gerade auf diesem Gebiet noch viel zu tun. Eine Initiative schafft das nicht allein.“ Sie wünscht sich mehr Mut bei den Firmen, Flüchtlingen eine Chance zu geben. Und auch einen Aufruf der Politik an die Unternehmen: „Leute, versucht es doch mit ihnen.“ Viele haben gute Erfahrungen gemacht, so die Lehnitzerin.

„Wir haben vieles geschafft, aber nicht alles“, sagt Klaus Pölitz von der Initiative Willkommen in Gransee. „Je mehr Zeit ins Land geht, um so weniger werden die Helfer. Und die Probleme sind andere als am Anfang.“ Am Anfang sei der Saal voll mit Mitstreitern gewesen, es wurden Arbeitsgruppen gebildet. Jetzt verteile sich die Arbeit auf wenige Schultern. Es sei damals darum gegangen, Gebrauchsgegenstände wie Sachen oder Mobiliar zu spenden. Heute würden die Mitstreiter der Initiative mit den Flüchtlingen auf Arbeitssuche gehen, sie zu Ärzten oder Ämtern begleiten. „Da sind viele komplizierte Dinge zu klären“, so Klaus Pölitz. Viele Flüchtlinge seien in Wohnungen untergekommen, deshalb sei es auch schwieriger, sie zu erreichen. Aber so manch einer der Flüchtlinge habe in der Zeit eine Beschäftigung gefunden.

Von einem „wir schaffen das“ sei keine Spur, obwohl es möglich wäre, wird Marion Wutke aus Velten, die als Flüchtlingsseelsorgerin beim Kirchenkreis Oberes Havelland angestellt ist, sehr deutlich. „Die Menschen sind nicht angekommen, nicht integriert und es gibt viele Probleme.“ Das Problem seien jedoch nicht die Flüchtlinge selbst, sondern die mangelnde Personaldecke in Hort, Schulen, Kitas und Ämtern sowie bei der Vermittlung von Wohnungen und Arbeitsplätzen. Schwierig sei auch die Sprachbarriere, denn für einige Flüchtlinge gebe es keine Angebot an Deutschkursen. „Der Staat lehnt sich zurück, aber das Problem ist zu groß. Die Ehrenamtlichen sind am Limit.“

Dass es „sehr gut geklappt“ hat, sagt Kamaluddin Shams. Der 32-jährige Afghane wohnt mit seiner schwangeren Frau und zwei kleinen Söhnen in Lehnitz und beginnt im August 2019 eine Ausbildung als Klempner. Davor wird er noch ein Praktikum absolvieren. Er spricht inzwischen recht gut deutsch. Auch viele seiner Bekannten und Freunde drücken entweder im Sprachkurs die Schulbank oder arbeiten. Einige absolvieren ein soziales oder ökologisches Jahr.

Von Heike Bergt

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