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Oranienburg Harte Arbeit für das schönste Ergebnis der Welt
Lokales Oberhavel Oranienburg Harte Arbeit für das schönste Ergebnis der Welt
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00:24 29.10.2018
Christina Hennig ist die Leitende Hebamme auf der Entbindungsstation der Oberhavelkliniken. Quelle: Enrico Kugler
Oranienburg

Auch wenn man nicht gerade in den Wehen liegt: Auf der Entbindungsstation kommt jeder schnell ins Schwitzen: „Ja, das muss so sein, wir haben hier immer 25 Grad. Die Muttis sollen sich wohlfühlen. Ich friere dann immer schnell zu Hause“, sagte Christina Hennig und lacht. 3000 neuen Erdenbürgern hat die 60-Jährige in ihrem Berufsleben schon ans Licht der Welt verholfen. Mindestens. Gezählt habe sie es nicht. Seit 2005 ist sie Leitende Hebamme im Krankenhaus Oranienburg.

Christina Hennig ist gebürtige Hennigsdorferin und auch dort zur Schule gegangen. Sie hat ihre Ausbildung am Krankenhaus gemacht und zudem in Potsdam. An die Schwesternausbildung schloss sie eine für Hebammen an und begann 1980 in Hennigsdorf zu arbeiten. „Mitte der 1970er-Jahre, da gab es einen wahren Baby-Boom in der DDR. Damals gab es auch ganz viele junge Hebammen und wir hatten 1500 Entbindungen jedes Jahr.“ Mit der Wende ging es mit dem Kinderkriegen schlagartig bergab. Kam der große Knick. Zu groß war die Verunsicherung, jeder wollte und musste erst einmal im Leben und im Beruf neu Fuß fassen. Von zehn Hebammen blieben in Hennigsdorf fünf. Seit 2002 kommen Oberhavels Kinder ausschließlich in Oranienburg zur Welt. Damals waren es jährlich 650 Mädchen und Jungen, heute sind es wieder stolze 800.

38 Jahre ist Christina Hennig inzwischen im Beruf. Den sie unbedingt ergreifen wollte und den sie bis heute mit Herzblut ausübt. „Der Hebammenberuf sollte nie eine Notlösung sein.“ Und für den braucht es einen Mann an der Seite, der toleriert, dass man nicht pünktlich zu Haus ist, dass es mal wieder länger dauert. „Frauen sind ja keine Maschinen. Da kann man nicht wegrennen, nur weil Feierabend ist. Und auch an Feiertagen kommen Kinder auf die Welt.“ Christina Hennig hat solch einen verständnisvollen Mann.

Jeder Tag, jede Entbindung ist anders, eine neue Herausforderung. „Und es geht nicht immer zu wie im Lehrbuch“. Zu den schönsten Momenten gehören für sie, wenn ein Frau sagt: „Meine Mutti hat mich schon hier bekommen. Oder wenn eine Frau mit dem dritten Kind kommt und sagt: Wir kennen uns schon. Unvergesslich für sie, als eine Braut im weißen Kleid in der Tür stand und es ganz eilig wurde. „Aber Geburtshilfe ist nicht immer: gesundes Kind, gesunde Mutter. Situationen, die nicht gut ausgehen, die brauche ich eigentlich nicht mehr. Vieles schüttelt man nicht so einfach ab. Vor allem in meinem Alter trägt man vieles lange mit sich rum.“ Wenn ein Kind stirbt oder krank geboren wird, sei das schwer, „aber wir begleiten alle mit sehr viel Liebe“.

Christina Hennig ist auch für die Ausbildung der Hebammen zuständig. Sechs macht sie gerade im Beruf mit sattelfest. „Wir sind hier ein gutes Team, haben Hebammen aus Russland, Italien, in verschiedenen Altersgruppen. Eine sehr gute Mischung. Wir geben Wissen weiter, wollen vor bösen Erfahrungen bewahren.“ Das sei nicht immer eine einfach Aufgabe. Entscheidende Voraussetzungen für den Beruf der Hebeamme sieht Christina Hennig in Geduld und Einfühlungsvermögen, aber auch einer klaren Ansage: „Alles mit den Frauen besprechen, nichts beschönigen. Die Geburt ist schwere Arbeit, aber das Ergebnis ist wunderschön.“ Die Männer seien ja heute meist dabei: „Manche sind wahre Partner, andere hilflos. Wir raten jeder Frau, bring denjenigen mit, der dir wirklich eine Hilfe ist.“ Und wenn sie mal nicht im Kreißsaal steht? „Dann versuche ich mir Zeit für meinen Enkel zu nehmen, montags ist Oma-Opa-Nachmittag.“ Sie liest gern, trifft Freunde und wandert an frischer luft. „Stillsitzen, das kann ich einfach nicht.“

Von Heike Bergt

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