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Hasstiraden am virtuellen Stammtisch

OSZ-Diskussion in Oranienburg Hasstiraden am virtuellen Stammtisch

Wie sich Fremdenfeindlichkeit auswirkt und was dagegen unternommen werden kann, damit haben sich Schüler der Jahrgangsstufen 11 und 12 des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums (OSZ) in Oranienburg beschäftigt. Dienstag gab es eine Podiumsdiskussion mit Kommunalpolitikern.

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Gespräch mit Politikern und Bildungsdezernent Dieter Starke.

Quelle: Winkler

Oranienburg. Ein Schwuler bekommt einen Faustschlag ins Gesicht, einem Israeli wird die Kippa gewaltsam vom Kopf gerissen, ein Nazi uriniert in der S-Bahn auf Kinder mit Migrationshintergrund, Hitlergrüße auf der Fanmeile, Hakenkreuze in den Autolack geritzt oder auf Wände gesprayt, brennende Flüchtlingsunterkünfte.

Rassismus in Berlin und Brandenburg 2016. Alltag, könnte man traurigerweise sagen. Wie diese Fremdenfeindlichkeit sich auswirkt, wo sie entsteht und was dagegen unternommen werden kann, damit haben sich Schüler der Jahrgangsstufen 11 und 12 des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums (OSZ) in Oranienburg beschäftigt.

Die Ergebnisse einer Lernwerkstatt, ausgerichtet vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA), präsentierten die Oberschüler am Dienstag in der Schulaula – mit anschließender Podiumsdiskussion.

Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage

„Vorurteile sind keine rationalen Urteile“, so Schülerin Mona. „Wir müssen sie hinterfragen.“ Mitschülerin Julia ergänzte: „Eigentlich sollte das Thema heute nicht mehr zur Debatte stehen.“ Das sieht auch Paul so. „Antisemitismus sollte weder uns noch die Gesellschaft beherrschen.“ Die Schüler des Beruflichen Gymnasiums sind sich einig: Rassismus hat hier keine Chance. Deshalb sind sie Teil des Netzwerkes „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ – 13 Schulen in Oberhavel tragen dieses „Siegel“.

Der Landkreis unterstützt dabei Projekte und Aktionen, die sich mit Toleranz-Themen auseinandersetzen, „wenn es denn vorher einen vernünftigen Antrag gibt“, so Dieter Starke. Er ist ehemaliger Leiter der Georg-Mendheim-Oberstufenzentren in Oranienburg sowie Zehdenick und jetziger Bildungsdezernent im Landkreis.

 Spannende Diskussion in der Schulaula, unter anderem mit Peter Utasch (links) vom Jüdischen Forum

Spannende Diskussion in der Schulaula, unter anderem mit Peter Utasch (links) vom Jüdischen Forum!

Quelle: Winkler

In einem Podiumsgespräch stellten Felix, Florian und Nico ihren Gästen relevante Fragen. Wie sieht es heute aus, wo versteckt sich Rassismus? Gar nicht mehr, war das Fazit. „Die sozialen Medien haben dafür gesorgt, dass viele Menschen jetzt Sachen öffentlich sagen, die sonst nur am Stammtisch gefallen wären“, so der Landtagsabgeordnete Björn Lüttmann (SPD). „Hasstiraden finden gerade am virtuellen Stammtisch schnell Anklang.“

Astrid Jung, Schulberaterin der Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA), verwies auf Facebook. So hat die Seite „Nein zum Heim in Oranienburg“ aktuell über 3300 Gefällt-mir-Klicks, „Willkommen in Oranienburg“ kommt auf rund 1200. „Es gibt eine starke Zustimmung für Hetzbeiträge“, sagte sie. Auch fremdenfeindliche Demonstrationen würden zunehmen.

Ist eine vorurteilsfreie Gesellschaft möglich?

Ein Umstand, den Melanie Herrmann vom JFDA nur unterstreichen kann. „In letzter Zeit gibt es eine große Bandbreite neuer Rechter auf der Straße.“ Aber nicht nur dort. In Wort und Schrift macht sich ebenfalls ein rechter Duktus breit.

So bagatellisierte der AfD-Abgeordnete Wolfgang Gedeon (Baden-Württemberg) kürzlich den Holocaust als „gewisse Schandtaten“. Darauf machte Stefanie Rose, Kreisvorsitzende der Linken, aufmerksam. Sie ermunterte die Schüler, genau hinzuhören. „Ihr müsst Sätze hinterfragen, Gegenfragen stellen, zum Nachdenken anregen“, sagte sie.

Wichtig ist Aufklärungsarbeit. „Zahlen und Statistiken haben noch keinen überzeugt, seine Vorurteile abzubauen“, so Astrid Jung. Björn Lüttmann gab zu Bedenken, dass eine vorurteilsfreie Gesellschaft am „tief sitzenden Egoismus eines jeden Menschen“ scheitern könnte. „Dennoch gibt es Hoffnung in unserer Zivilgesellschaft“, schloss Dieter Starke.

Von Marco Winkler

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