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Hilfe und Therapie

Laufen für Nashörner Hilfe und Therapie

Die krebskranke Deutsch-Australierin Gaby Bryan wandert für das Überleben des Nashorns durch Deutschland. Maximal 22 Kilometer legt die 55-Jährige pro Tag zurück. 1062 Kilometer hatte sie Dienstagmittag geschafft. 1800 Kilometer sollen es auf ihrer Reise werden.

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Das Nashorn ist durch Wilderei akut vom Aussterben bedroht.

Quelle: dpa

Oranienburg. „Nashörner? Ham wa hier nich!“ Auch solche Antworten hört Gaby Bryan auf ihrem Nashorn-Marsch. Die Deutsch-Australierin startete am 30. April in Köln auf eine Wandertour durch Deutschland und wirbt für die Rettung des vom Aussterben bedrohten Nashorns. „Gaby walks for Rhinos“ (Gaby wandert für Nashörner), steht auf ihrem T-Shirt. Sie verteilt Flyer, spricht mit Menschen und bittet um Spenden für ein Artenschutzprogramm des Kölner Zoos. Gestern kam Gaby mit ihrem Mann John nach Oranienburg. Schon am Morgen um 6.30 Uhr war sie von Premden nach Wandlitz (Barnim) gelaufen. Heute soll es über Kremmen Richtung Neuruppin gehen.

Maximal 22 Kilometer legt die 55-Jährige pro Tag zurück. Das Laufen ist gleichzeitig Therapie für die Nashornschützerin. Denn die gebürtige Rheinländerin, die vor 33 Jahren mit ihrem damaligen Mann und Kind nach Australien auswanderte, weilt zur Krebstherapie in Deutschland. Ihr Onkologe habe ihr Wandern für eine bessere Heilung empfohlen. „Ich tue alles, damit ich wieder gesund werde“, sagt Gaby. Deshalb ist sie jeden Tag auf den Beinen und isst viel Gemüse. „Die Überlebenschance bei Darmkrebs liegt bei 50 Prozent“, sagt Gaby, die ganz offen mit ihrer Krankheit umgeht. Sie wirkt frisch, gesund und fröhlich, obwohl sie zwei traurige Themen transportiert: Ihre Krankheit und die Sorge um das Nashorn.

Das Überleben des Dickhäuters ist tatsächlich stark bedroht. Jedes Jahr steigt die Zahl getöteter Nashörner. Gaby trägt ein Plakat mit sich, auf dem die aktuelle Tötungsziffer steht. 511 tote Nashörner sind es bereits in diesem Jahr allein in Südafrika. 2008 waren es noch 83 tote Nashörner, danach stieg die Zahl Jahr für Jahr. Der Grund ist der wachsende Reichtum in asiatischen Ländern. In Vietnam und China gilt das zu Pulver verarbeitete Horn des Tieres als Potenzmittel. „Die wollen den Mercedes, und die wollen das Nashorn“, sagt Gaby. Dabei finden sich nachweislich keine Wirkstoffe im teuer verkauften Horn.

In asiatischen Ländern ist das Nashorn deshalb praktisch schon ausgestorben. Jetzt wird in Afrika gewildert. Selbst in den Reservaten sind die Tiere nicht sicher. Korruption erleichtere die Jagd, sagt Gaby. „Da wird dann mal ein Tor aufgelassen oder der Zaun nicht repariert.“ In der Regel sind die Ranger aber über jedes verlorene Tier erbost. Das Horn wird den Tieren abgesägt, nur wenige Nashörner überleben die blutige Prozedur. Manche Jungtiere verlieren auf diese Weise ihre Eltern und bleiben allein zurück. Aber selbst bei nicht ausgewachsenen Nashörnern wird Beute gemacht.

10 000 Exemplare leben noch in Südafrika. Geht der Raubbau so weiter, könnte die Art in zehn Jahren ausgestorben sein. „Nashörner gibt es seit 40 Millionen Jahren. Sie haben so viel überlebt auf der Erde. Aber wir bringen es fertig, dass sie aussterben“, sagt Gaby mit Leidenschaft, aber ohne den Ton der Betroffenheit.

Also wandert sie weiter. 1062 Kilometer hatte sie Dienstagmittag geschafft. 1800 Kilometer sollen es auf ihrer Reise werden. „Mindestens“, sagt John Bryan, der seine Frau im Auto begleitet. Sie ist meistens allein unterwegs. In Oberhavel sind ihr dabei die Dörfer und Seen aufgefallen. „Es ist wunderschön hier“, sagt sie. Bemerkt hat sie aber auch, dass die Menschen zuerst nicht so offen sind wie beispielsweise im Rheinland. „Dort wurde ich auf der Straße gleich zum Bier eingeladen.“

Es gibt aber noch einen entscheidenderen Unterschied. In Westdeutschland wüssten 80 Prozent der Leute von der Nashornproblematik, im Osten sei es nur ein Drittel, sagt Gaby. Es gibt also noch viel zu tun und zu wandern. Für den Marsch durch Oberhavel bekam die Aktivistin Hilfe aus Australien: Ihre Freundinnen Kate und Helen begleiten sie eine Woche lang auf ihrem Weg. Das könnte hilfreich sein. Denn manchmal verläuft sich die Wanderin trotz GPS. Und zwischen Wensickendorf und Schmachtenhagen wurde die fröhliche Läuferin gewarnt. Sie solle den Wald nicht betreten, weil dort ein Wolf unterwegs sei, habe ihr ein Mann zugerufen. Nashörner ham wa nich, aber Wölfe!

Von Klaus D. Grote

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