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Honigernte im Landkreis nur Durchschnitt

Oberhavel Honigernte im Landkreis nur Durchschnitt

Die Honigernte 2016 war in Oberhavel allerhöchstens durchschnittlich. So beschreiben die Imker der Region ihre Erträge. Probleme bereiteten in diesem Jahr vor allem einige Trockenperioden sowie die schwindenden Nahrungsmöglichkeiten für Bienen. Wünschenswert: Mehr Blühstreifen. Doch die Landwirte ziehen nicht mit.

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Im Schlosspark wurden beim Schauschleudern 40 Kilogramm Honig gewonnen.

Quelle: TKO

Oberhavel. Das Honigjahr 2016 ist weder Fisch, noch Fleisch gewesen. Darauf können sich die Imker in Oberhavel einigen. Trotz territorialer Unterschiede beschreiben sie den Ertrag als gerade mal durchschnittlich. Nicht überragend, aber auch nicht miserabel. Probleme bereiteten in diesem Jahr vor allem einige Trockenperioden sowie die schwindenden Nahrungsmöglichkeiten für Bienen.

Die Honigbienen im Oranienburger Schlosspark waren fleißig. Zwei Völker hinterließen 40 Kilogramm Honig während eines Schauschleuderns. Der Märkische Imkerverein Oranienburg stellt die Völker. Mathias Meier, Vorsitzender, kann zwar nicht für alle sprechen, „aber ich hätte in diesem Jahr mehr erwartet.“ Gemeint sind seine eigenen Völker. „Allerdings habe ich auf ein neues Beutesystem umgestellt und bin mit den Völkern gewandert, das war sicher ein Störfaktor für sie.“

Vor dem Schleudervorgang werden die Waben abgeschabt

Vor dem Schleudervorgang werden die Waben abgeschabt.

Quelle: TKO

Lothar Lucke vom Landesverband Brandenburgischer Imker sagt: „Es war kein mieses Jahr.“ Allerdings machte sich die Trockenheit bemerkbar. „Gerade zur Lindenblütezeit und am Ende der Rapssaison.“ Hätte es mehr Niederschläge gegeben, wäre die Honigernte ertragreicher gewesen.

Womit die Imker immer wieder zu kämpfen haben: Nahrungsknappheit im Spätsommer. Honigbienen schöpfen ihre Kraft aus Pollen (Eiweiß) und Honig (Kohlenhydrate). „Wenn alles sehr früh abgemäht wird, fehlt ihnen das Eiweiß, das sie brauchen“, so Lucke. „Da kann es dann vorkommen, dass stärkere Völker die Jungvölker, also die Ableger, plündern und noch mehr schwächen.“ Ein gefährlicher Kreislauf.

Viele Bienen findden im Spätsommer oft keine Nahrung

Viele Bienen findden im Spätsommer oft keine Nahrung.

Quelle: TKO

Lucke ist nicht der einzige, der für eine bessere Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft und für mehr „Blühstreifen“, also Sommerweiden am Rand eines bewirtschafteten Feldes, plädiert. „Fehlende Blühstreifen sind ein Problem“, sagt Christine Meinhardt vom Imkerverein Hohen Neuendorf und Umgebung. „Die Landwirtschaft ist in der Verantwortung.“ Sie würde sich mehr gegenseitiges Verständnis wünschen.

Das Anlegen von Blühflächen ist freiwillig und in einer EU-Agrarförderrichtlinie verankert. Für das so genannte „Greening“ gibt es also Geld. „Die strengen Auflagen schrecken aber viele Bauern ab“, weiß Mathias Meier aus Erfahrung. Der Leiter des Bieneninstituts Hohen Neuendorf, Kaspar Bienefeld, klärt auf: „Bis zu zwölf Meter breit müssen die Streifen sein.“ Wer drüber oder drunter liegt, fliegt aus dem Förderprogramm. „Die Richtlinie soll bald flexibler gestaltet werden.“

Milder Winter – Vorteil für Varroamilben

Auch Bienefeld sagt, das Honigjahr sei durchwachsen gewesen. „Raps und Robinie waren nicht optimal.“ Ebenfalls nicht optimal: der milde Winter, der dem Jahr vorausging. „Der hat der Varroamilbe einen Vorteil verschafft.“ Heißt: Wetterbedingt gab es mehr Brutzyklen der Bienen, die Milben hatten mehr Angriffsfläche. Imker sollten eine rechtzeitige Behandlung deshalb nicht vernachlässigen. Christine Meinhardt und viele andere behandeln ihre Völker direkt nach der Ernte mit Ameisensäure.

Einen Schreck bekamen viele Imker, als in Birkenwerder die amerikanische Faulbrut (MAZ berichtet) nachgewiesen wurde.

Ist das große Bienensterben etwa doch nicht vorbei? „Nein“, sagt Kaspar Bienefeld. „Das kann jederzeit wieder passieren. Erst im Frühjahr 2017 wissen wir, wie stark die Völker von Krankheiten befallen und geschädigt worden sind.“

„Wir brauchen einfach mehr Nahrung für die Bienen im Spätsommer“, so Lothar Lucke. Da könnten selbst Kleingärtner helfen, in dem sie Sonnenblumen anpflanzen oder eine Ecke für Phacelia (Bienenweide) in ihren Gärten frei lassen. Mathias Meier befürwortet das. „Wenn es nur einer macht, ist es zwar ein Tropfen auf den heißen Stein, aber wenn sich viele beteiligen, hilft uns das enorm“, so der Hobby-Imker.

Junge Imker

Nachwuchsimker : Genau die sollen sich mit einer neu geplanten Arbeitsgruppe, die sich „Junge Imker“ nennt, angesprochen fühlen. Die Idee entsteht im Rahmen des Bildungsprojektes „Oranienburger Schlossbienen“.

Interessierte können sich schon jetzt telefonisch unter Tel. 03301/600 85 31 oderTel. 0151/11 26 64 79 melden.

Die „Schlossbienen“ waren in diesem Jahr fleißig. Zu erwerben sind 500-Gramm-Gläser in der Tourist-Info, Schlossplatz 2, für sechs Euro. Der Erlös fließt in die „Schlossbienen“.

Von Marco Winkler

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