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Oranienburg Insekteninvasion verärgert Einwohner
Lokales Oberhavel Oranienburg Insekteninvasion verärgert Einwohner
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13:11 09.08.2016
Eimerweise können die betroffenen Wensickendorfer die toten Käfer aufsammeln. Quelle: Marco Winkler
Wensickendorf

Er ist bis zu einem Zentimeter lang, bräunlich und hat einen breiten Halsschild. Einzeln ist er nicht schlimm. Aber wenn er millionenfach auftritt, wie gerade in Wensickendorf, wird er zur echten Plage. Der Lupinenblattkäfer erschwert derzeit mehreren Bewohnern das Leben.

„Sie lieben die Sonne“, sagt Elke Langhoff. Deshalb seien aktuell etwas weniger Käfer auf ihrem Grundstück zu sehen. „Der Regen der letzten Tage hat sie fortgespült.“ Dennoch sind sie zu sehen. Sie kriechen die weiße Hauswand entlang. Vor drei Wochen kamen die ersten, dann immer mehr. „Bis wir unsere Terrasse nicht mehr betreten konnten.“ Elke Langhoff lebt mit ihrem Mann Jürgen auf dem Land, sie kennen Spinnen und anderes Getier. Kein Problem. „Aber das hier geht über die Grenze des Erträglichen hinaus.“

Plagegeister: Kein Einzelfall

Die Käfer kamen direkt vom Feld am Rand des Grundstücks. Lupinen werden dort vom Oberhavel Bauernmarkt Schmachtenhagen angebaut. „Geerntet haben sie aber nicht, sie haben die Futterpflanzen absterben lassen, mit etwas besprüht und dann erst eingefahren." Seitdem sind die Käfer da. „Dreimal täglich müssen wir die Tiere wegschaufeln.“

Nichteinmal die Fenster kann Familie Langhoff anklappen, geschweige denn richtig lüften. Ihren Garten konnten sie in den letzten Wochen kaum betreten. Die Käferplage bei Langhoffs ist kein Einzelfall. Auch auf dem Anwesen von Dieter Hildebrandt sind die Tiere zu finden. „Sie sind an der Hauswand, kriechen sogar in die Fenster rein“, sagt er. Mit der Schippe wird er ihrer etwas Herr. „Aber nicht lange, kaum drehe ich mich um, sind neue Käfer da.“ Wegen der Rüsseltierchen musste er sogar eine geplanten Feier verlegen. Danach hat er dann einen Kammerjäger beauftragt. Kosten: 350 Euro. „Eine Stunde später hatte ich das selbe Problem.“ Nichts scheint zu helfen.

Probleme: Menge und Gestank

„Das Problem sind die Käfer, die nachkommen“, so Margot Manth, ebenfalls betroffen von der Insekteninvasion. „Wir können nicht unseren Tagesablauf nur noch nach den Käfern richten.“ Weiteres Problem: Es stinkt. „Die Käfer riechen übel“, so Elke Langhoff.

„Ich fühle mich in meinem Lebensraum eingeschränkt“, sagt Ruth Schulz. Sogar ihr Pool ist voller Käfer. „Irgendeiner muss sich doch verantwortlich fühlen“, sagt sie.

Das denken auch Jennifer und Thomas Lorenz. „Mittlerweile sind die Käfer sogar im Haus.“ Das Paar hat ein kleines Kind. „Wir können nicht mehr draußen sitzen.“ Die Käfer seien zwar harmlos, also beißen nicht, aber es sei einfach nur eklig.

Ärger: Niemand fühlt sich verantwortlich

Den Pflanzenschutzdienst hätten sie informiert und nur eine vertröstende Antwort bekommen. Auf MAZ-Nachfrage bestätigt sich das. „Der Lupinenblattrandkäfer ist kein Pflanzenschädling und deshalb ist das Problem privatrechtlich zu klären“, heißt es dort. „Wir können Landwirte auch nicht anordnen, den Käfer zu bekämpfen.“

Elke Langhoff hat es zudem beim Geschäftsführer des Bauernmarktes, Hendrik Roest, versucht. Der spiele den Fall runter. „Er hat uns als Entschädigung einen Kasten Bier angeboten, dreister geht es nicht“, so Elke Langhoff. Schon in der ehemaligen DDR hätte es in der Nähe Felder mit Lupinen gegeben. Käfer seien in dem Ausmaß nie vorgekommen.

Henrik Roest sagt im MAZ-Gespräch: „Es tut mir leid, aber wir leben auf dem Land.“ Da komme so etwas vor. Er müsse laut EU-Gesetz die Grünflächen bepflanzen. „Die Lupinen waren reif, die Käfer haben sich neue Nahrungsquellen gesucht.“ So sei das leider. „Ich hoffe auf das Verständnis der Anwohner.“ Der Bauernmarkt baut die Lupinen auch als Ersatzfutter für die eigenen Kühe an.

Von Marco Winkler

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