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Kerstin Wilhelm erzählt von ihrem Ehrenamt

Oranienburger Lehrerin gibt Geflüchteten Deutschunterricht Kerstin Wilhelm erzählt von ihrem Ehrenamt

Kerstin Wilhelm ist seit 1984 Grundschullehrerin in Oranienburg. Nicht nur ihren Schülern, auch Geflüchteten bringt sie jetzt die deutsche Sprache näher – in ihrer Freizeit. Als Heldin will die 52-Jährige aber nicht gesehen werden. „Ich mach’s einfach“, sagt sie lakonisch. Der MAZ berichtet sie von ihrem Engagement.

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Kerstin Wilhelm (fünfte von links) mit Schülern ihrer „alten“ Klasse 4b.

Quelle: Robert Tiesler

Oranienburg. Wenn ihr Mann Detlef zu seinen Modelleisenbahnfreunden geht und Miniaturbahnen auf die Gleise bringt, erklärt Kerstin Wilhelm aus Oranienburg einem Geflüchteten den Unterschied zwischen „im Zug sitzen“ (Eisenbahn) und „im Zug sitzen“ (Luftströmung). Sie selbst ist keine ständig Reisende; die Bodenhaftung hat sie nie verloren. Geboren in Oranienburg und aufgewachsen in Teschendorf, ist die 52-Jährige seit 1984 Grundschullehrerin in ihrer Lieblingsstadt.

Jungen Menschen Sprache und noch vieles mehr beibringen, das ist ihre Aufgabe. Sie unterrichtet eine erste Klasse an der Comenius-Grundschule – ihre wichtigste Aufgabe. Lehrerin ist sie gern und mit ganzem Herzen. Während eines Begegnungschor-Projektes lernte sie viele Geflüchtete kennen und hilft ihnen. „Ich mach’s einfach“, sagt sie. Als Heldin oder besonders engagierte Vorzeigefrau will sie nicht gesehen werde. „Andere gehen ihren Hobbys nach, machen Yoga, Fitness, häkeln, basteln oder sind in einem Verein“, sagt sie. „Ich helfe in der Zeit ehrenamtlich.“ Punkt. Mehr nicht. Sagt Kerstin Wilhelm.

Doch sie gibt im Ehrenamt nicht nur Wissen, Kraft und Zeit. „Ich bekomme viel zurück, vor allem Dankbarkeit. Wenn sich Geflüchtete bedanken, geht ihre Hand automatisch zum Herzen.“ Eine Geste, die berührt.

Kerstin Wilhelm vermittelt nicht nur Grundwissen in deutscher Sprache. Sie hört zu, nimmt Ängste, schreibt Briefe, hilft beim Ausfüllen von Formularen oder Behördengängen, organisiert Kinderbetreuung. „Ich helfe, wo Hilfe benötigt wird. Es reicht oft, wenn jemand den Menschen Mut macht, ihnen zur Seite steht. Was ich mache, sind nur Kleinigkeiten, die für die Geflüchteten große Sachen sind.“

Seit einigen Jahren ist sie zudem im Hospizdienst ehrenamtlich tätig. Ihr liebstes Hobby aber ist der Chor. Im Popchor Orange Voices singt sie seit mehr als einem Jahr. Anspruchsvolle Lieder erarbeiten, in vielen Sprachen, gemeinsam mit alten und neuen Freunden singen. Sie macht viel. Immer mit einem Lächeln und der nötigen Ruhe. „Das ist nichts Besonderes“, betont sie gerne, wenn darauf angesprochen, wie sie alles unter einen Hut bringt.

Jedoch: Alleine ist sie dabei nicht. Es gebe viele Ehrenamtliche in ihrem Bekanntenkreis, sagt sie. Und trotzdem: Es fehlen immer noch Menschen wie sie, die in ihrer freien Zeit Deutschunterricht geben oder Hilfe im Alltag für die Geflüchteten anbieten.

 

Von Marco Winkler

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