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Oranienburg Kindesmissbrauch: Immer weniger gucken weg
Lokales Oberhavel Oranienburg Kindesmissbrauch: Immer weniger gucken weg
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16:36 24.08.2016
Kindeswohlgefährdung zieht sich durch alle sozialen Schichten, vom „Platten“-Bewohner bis zu Einfamilienhausbesitzern. Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Oberhavel

Früher war das – pauschal gesagt – so: Was in den eigenen oder fremden vier Wänden geschah, bliebt dort. Nachbarn und Verwandte schwiegen meist, ignorierten blaue Flecken, gestörtes Esseverhalten oder depressive Isolation. Heute sei das zum Glück etwas anders, sagt Ramona Nitschke, Fachdienstleiterin Sozialpädagogische Dienste im Landkreis.

2009 erreichten 195 Meldungen über eine mögliche Kindeswohlgefährdung das Jugendamt, 2015 sind es 559 gewesen. Ein positives Zeichen. Das findet auch Ringo Randow, Kinderschutzfachkraft im Landkreis. „Immer weniger gucken weg“, sagt er.

Der Anstieg der Zahl bedeute deshalb nicht, dass die Fälle von Kindesmissbrauch angestiegen seien, betont Ramona Nitschke. Die Gesellschaft sei sensibler geworden, das Umfeld aufmerksamer. „Jede Meldung wird dann bei uns geprüft.“ Das Jugendamt habe noch andere Aufgaben, „aber Kinderschutz geht immer vor.“

20 Mitglieder aus vielen Institutionen

Auch Ärzte oder Lehrer reagieren jetzt schneller auf Anzeichen. Das liegt nicht zuletzt an Aufklärungsarbeit, dem Wandel der Gesellschaft und einer Vernetzung der Ressourcen: Seit 19 Jahren gibt es deshalb die Arbeitsgruppe Kinderschutz im Landkreis.

„Wir wollen die Perspektiven anderen in Problemfällen nutzen“, erklärt Ringo Randow. Vernachlässigung, Missbrauch, Drogenkonsum, Schulprobleme. Oft sind die Anzeichen fließend, verschiedene Institutionen könnten helfen. Die Arbeitsgruppe setzt sich aus 20 Mitgliedern verschiedener Fachbereiche zusammen: Schulamt, Erziehungsberatungsstelle, Familiengericht, Gesundheits- und Jugendamt, Frauenhaus, Oberhavel Kliniken, Kita- und Schulvertreter, Jugendhilfe, Gleichstellungsbeauftragte.

Die Fachkräfte treffen sich ehrenamtlich außerhalb ihrer beruflichen Tätigkeit. „Wir bilden ein Netzwerk von Fachkräften und Fachkräfte“, so Randow. Schwerpunkt sei die Beratung zu Kinderschutzfällen. „Wünschenswert wäre, wenn wieder ein Vertreter der Polizei dabei wäre“, sagt Randow. „Aber auch so haben wir dort unsere Ansprechpartner.“

Kinderschutz ist Aufgabe der gesamten Gesellschaft

Landkreissprecher Ronny Wappler sieht die Gründung der Arbeitsgruppe Kinderschutz als „logische Konsequenz“; Akteure weben hier ein breites Netzwerk aus Wissen und Erfahrungswerten.

Doch wann melde ich mich als Bürger beim Jugendamt, wenn mir etwas auffällt, was in Richtung Kindeswohlgefährdung gehen könnte? „Das hat etwas mit dem eigenen Blick, der eigenen Courage zu tun“, so Randow. „Es ist eine subjektive Einstellung“, ergänzt Nitschke.

Beobachter, Nachbarn, Verwandte sollten ihrem Gefühl vertrauen – und notfalls Jugendamt oder Polizei (siehe Infokasten) informieren. Die Meldungen werden dann von zwei Mitarbeitern des Jugendamtes besprochen, der Handlungsbedarf eingeschätzt.

„Unsere Tätigkeiten werden nach Außen nicht immer sichtbar“, bezieht sich Ramona Nitschke auf den nicht immer glänzenden Ruf des Jugendamtes. Sie erfüllen ihre Arbeit dann gut, wenn auch Hinweise aus der Bevölkerung kommen – und die kommen zum Glück immer häufiger. „Kinderschutz ist Aufgabe der gesamten Gesellschaft“, so Ringo Randow.

Ansprechpartner

Landkreis Oberhavel, Fachbereich Jugend, Adolf-Dechert-Straße 1, 16515 Oranienburg, Tel. 03301/60 14 49, -11, -99.

Polizei, Schutzbereich Oberhavel, Berliner Straße 45a, 16515 Oranienburg, Tel. 03301/85 10.

Kinderrettungsstelle, Oberhavel Kliniken GmbH, Tel. 03301/66 30 25.

Erziehungs- und Familienberatung: Oranienburg: Tel. 03301/53 01 07, Hennigsdorf: Tel. 03302/80 21 91, Gransee: Tel. 03306/22 49, Zehdenick: Tel. 03307/31 00 12

Nummer gegen Kummer (kostenlos), montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr erreichbar; Elterntelefon: Tel. 0800/111 05 50, Kindertelefon: Tel. 0800/111 03 33.

Internet: www.kinderschutz-ohv.de, E-Mail an mail@kinderschutz-ohv.de

Von Marco Winkler

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