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Oranienburg Legehennen: Laesicke bezieht Stellung
Lokales Oberhavel Oranienburg Legehennen: Laesicke bezieht Stellung
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12:40 28.10.2016
Josef Vortallen ist Kritik gewöhnt, er wird skeptisch beäugt. Quelle: Kugler
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Oranienburg

Es ist nach wie vor ein sehr heiß diskutiertes Thema: Die geplanten Legehennenanlagen, welche die Ortsteile Schmachtenhagen, Zehlendorf und Wensickendorf tangieren. Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke war in der Diskussion bisher eher zurückhaltend, hörte sich Argumente an, wägte ab. Im aktuellen Stadtmagazin bezieht er jetzt klar Stellung.

In seinem Grußwort geht er darauf ein, wie ein solches Reizthema immer sofort Widerstand in der Öffentlichkeit auslöse. „Da nützen scheinbar auch Informationsveranstaltungen wenig, auf denen geduldig, verständnisvoll und sachkundig versucht wird, bestehende Vorurteile durch Aufklärung auszuräumen“, teilt er mit. Er glaubt Investor Josef Vortallen, dass er keine Käfighaltung mit „geschundenen Hühnern unter erbärmlichen Bedingungen“ plant. Aber Kritiker haben da ihre Bedenken, zweifeln an, ob Vortallen auf lange Sicht Tierschutz-Anforderungen erfüllen und EU-Normen einhalten wird.

Ist der Naturschutz in Gefahr? Quelle: Enrico Kugler

Die Nachfrage nach Bio-Produkten ist groß, der Zuwachs riesig. Warum, so Laesicke erfahren Landwirte, die die Nachfrage bedienen wollen, solche Widerstände „als wollten sie ein Endlager für atomare Brennstäbe anlegen“? Es werden sogar mittels Transparenten mit „abstoßenden Bildern aus übelsten Legehennenbatterien“ Ängste in der Bevölkerung geschürt. Laesicke spricht sich gegen eine vorverurteilende Verteufelung aus, gegen eine Kriminalisierung, bevor überhaupt der erste Spartenstich ins Erdreich gedrungen ist. „Es geht dabei um Produkte, die wir täglich zum Leben brauchen“, so Laesicke.

Es sei deshalb der Sache dienlich, gemeinsam nach Wegen für ein verträgliches Miteinander zu suchen – „zwischen Bio-Bauern, die uns ernähren, und Menschen, die die dörfliche Idylle gewählt haben, um hier zu wohnen.“ Als Bürgermeister will Hans-Joachim Laesicke kritisch, aber unvoreingenommen bleiben. Ferner bietet er sich als Vermittler an, um zur Versachlichung der Diskussion beizutragen.

Viele Anwohner machen ihrem Unmut Luft. Mittlerweile gibt es als Zeichen gegen die Anlagen auch viele rote Kreuze vor den Haustüren der Einwohner. Quelle: Wittke

Speziell diesen letzten Vorschlag hat die Bürgerinitiative (BI) „Contra Eierfabrik“ mit Wohlwollen gelesen. „Wir wollen eine sachliche Diskussion, haben uns immer um gegenseitigen Respekt bemüht. Uns liegt es fern, irgend jemanden zu kriminalisieren oder zu verteufeln. Aber wir erwarten auch, selber nicht in diese Ecke gestellt und mit unseren Sorgen ernst genommen zu werden“, betont Heike Bartel im Namen der BI.

Ihre Bedenken, Sorgen und den Ansporn, eine faire, konstruktive Diskussion zu führen, hat die BI in einem offenen Brief an den Bürgermeister formuliert. Denn: Das Grußwort im Stadtmagazin traf viele wie ein Schlag ins Gesicht. Sie fühlten sich nicht richtig ernst genommen, ihre Ängste kleingeredet. „Wir haben mehrfach bewiesen, dass wir uns die Argumente der Investoren geduldig anhören. Wir wollen aber, dass unsere Argumente – die wir uns erzwungenermaßen innerhalb kürzester Zeit mit einem hohen Engagement erarbeiten mussten – mit der nötigen Ernsthaftigkeit und mit Respekt wahrgenommen werden“, heißt es in dem Brief, der dem Bürgermeister schon vorliegt.

Josef Vortallen diskutiert gerne. Quelle: Enrico Kugler

Darin hebt die BI ihre Aktivität hervor. Die Informationsveranstaltungen mit den Investoren Josef Vortallen und auch Henrik Roest, Geschäftsführer des Oberhavel Bauernmarktes, hätten erst aufgrund der Öffentlichkeitsarbeit der BI stattgefunden. „Bis dahin gab es von den Investoren keinerlei Informationen der breiten Öffentlichkeit!“

Ferner verweist die BI auf eine Verordnung der Europäischen Gemeinschaft (889/2998). „Darin ist als Mindestvoraussetzung für ökologische beziehungsweise biologische Erzeugnisse glasklar fixiert, dass Legehennen in Ställen mit maximal 3000 Tieren unterzubringen sind.“ Vortallen und Roest planen je zwei Ställe. Pro Stall: 21 000 Tiere. Diese sollen in Gruppen à 3000 Stück leben. „Entspricht das wirklich dem Geist der Verordnung? Sind da nicht Zweifel berechtigt, ob wir hier wirklich Bio-Eier bekommen sollen? Oder ist es nicht einfach industrielle Tierhaltung, die hier geplant und von den Menschen in Brandenburg eindeutig abgelehnt wird?“, fragt die BI im offenen Brief.

4000 Menschen unterstützen die BI

Weiterer Punkt: Eine mögliche Gesundheitsgefährdung. Kinderarzt Ulrich Fegeler hätte der BI bestätigt, dass es „Potenzial an Gesundheitsgefahren“ gebe. Zudem deutet die BI auf „widersprüchliche Auswirkungen“ der Anlangen hin. „Wer will auf einem Reiterhof Pferde einstellen, wenn der neben einer solchen Anlage steht? Wer kauft Erzeugnisse eines Spargelhofes mit dieser Nachbarschaft? Erfreuen sich Touristen an Legehennen-Anlagen oder an gesunder Luft in nicht zersiedelter Natur?“

Aus den Argumenten der BI spricht Sorge. 4000 Menschen unterstützen die Initiative. Anwohner, Eltern, Rentner, Berufstätige. „All dies verdient es, ernst genommen zu werden.“ Die BI würde es begrüßen, Laesicke auf einem Vor-Ort-Termin zu sehen, mit ihm zu diskutieren. Sachlich. Ein Wunsch, den der Bürgermeister teilt.

Von Marco Winkler

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