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Oranienburg Lernen und Forschen mit Milch
Lokales Oberhavel Oranienburg Lernen und Forschen mit Milch
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11:35 13.08.2016
Moderne Technik: Direktor Michael Behr (rechts) erklärte auf einem Rundgang Uwe Feiler die Arbeit des MLUA. Quelle: Marco Winkler
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Oranienburg

Die Abkürzung ist umständlich und unaussprechlich: MLUA. Milchwirtschaftliche Lehr- und Untersuchungsanstalt. „Zehn bis zwölf verschiedene Namen gab es für den Betrieb zu DDR-Zeiten“, erzählt Michael Behr. Seit 2011 ist er Direktor des akkreditierten Prüflaboratoriums in der Sachsenhausener Straße. Am Donnerstag zeigte er dem Bundestagsabgeordneten Uwe Feiler (CDU), der gerade seine Sommertour durch Unternehmen in Oberhavel beendet hat, den Betrieb.

Das Milchinstitut hat Tradition, befindet sich seit 1923 am selben Standort. Die Geschichte sei zwar nicht immer rühmlich, gerade zu NS-Zeiten, aber nicht wegzudenken, so Biologe Behr. Eines werden Mitarbeiter und Auszubildende, anders als Tausende andere Oranienburger, nie erfahren: Bombensuche. Keine Fliegerbombe wurde im Zweiten Weltkrieg hier abgeworfen. Nach dem Krieg diente die Einrichtung als zentrale Forschungsstelle für die Milchwirtschaft der ehemaligen DDR. Wissenschaftler arbeiteten hier, von der Humobold-Universität zu Berlin berufen. „Das konnte sich nach der Wende keiner mehr leisten“, so Behr.

Blick in die verchromte, mit Leitungen durchzogene Lehrmolkerei. Quelle: Winkler

Deshalb wurde die Lehranstalt 1992 als Verein erneut gegründet. Von 400 Beschäftigten konnten jedoch nur 40 übernommen werden. „Das war damals leider üblich in großen Betrieben.“ Ziel der MLUA ist, Leistungsstandards der Milchwirtschaft zu erhalten. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der neuen Bundesländer“, so Behr.

Es gibt zwei Schwerpunkte: Lehre und Untersuchung. Erlernt werden können die Berufe Milchtechnologe und Milchwirtschaftlicher Laborant. Zweiteres laut Behr ein „Unikat in Europa“. Schmuckstück des Prüf- und Ausbildungseinrichtung ist die Lehrmolkerei, 2002 gebaut. Progressive Technik, alles glänzt, ist poliert, 600 Quadratmeter modernste Maschinen zur Milchebearbeitung und Milchverarbeitung. Wie in großen Betrieben, nur ein paar Nummern kleiner.

1000 Liter Milch kauft MLUA wöchentlich beim Milchprodukteherstellers Fude und Serrahn in Gransee ein. „Damit können wir hier anschaulich alles herstellen.“ Für die Azubis (etwa 250 pro Jahr) werden extra Fehler im Ablauf eingebaut, um besser lernen zu können.

Milchkannen sind in einem Molkerei-Lehrbetrieb nicht wegzudenken. Quelle: Winkler

Deutschlandweit würden es rund 1300 Ausbildende in den Berufen geben, so Behr. „Es gibt Nachwuchssorgen.“ 25 Prozent mehr könnte der Markt vertragen. „Dann müssten offene Stellen nicht mit Quereinsteigern besetzt werden.“ Er selbst arbeitet mit dem Runge-Gymnasium und der Torhorstschule zusammen, versucht, junge Menschen für einen Beruf in der in der Krise steckenden Milchbranche zu begeistern.

80 000 Untersuchungen im Jahr

683 Menschen lernten 2015 in der Milchwirtschaftlicher Lehr- und Untersuchungsanstalt, darunter 227 Auszubildende. Andere nahmen an berufsbegleitenden Kursen (Molkereimeister, Labormeister) und Weiterbildungsverstantaltungen (367) teil.

Über 80 000 Untersuchungen wurden im vorigen Jahr durchgeführt, darunter fast 25 000 monatliche Güteprüfungen und über 55 000 Auftragsarbeiten aus der Milchwirtschaft, der Zulieferindustrie und von weiteren Auftraggebern.

Im MLUA waren mit Stand Dezember 205 46 Mitarbeiter beschäftigt, davon zehn Teilzeitbeschäftigte und immerhin 31 Frauen.

Jährlich absolvieren rund 20 Personen ihren Meistertitel in der Lehr- und Untersuchungsanstalt.

„Die Zusammenarbeit mit Schulen halte ich für enorm wichtig“, betonte Uwe Feiler. Doch viele schrecke der Beruf ab, so Behr. „Das ist harte Arbeit.“ Dreifacher Schichtbetrieb, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Dafür sind die Weiterbildungschancen gut. Sowohl als Laborant als auch als Technologe kann jeder, der sich fortbilden möchte, seinen Meister machen.

Behr hat noch andere Sorgen. Nach der brandenburgischen Güteprüfungsrichtlinie durchlaufen jeden Monat Proben von regionalen Direktvermarktern die Prüfeinrichtung der MLUA, meist Ziegenmilcherzeugnisse. „Ich habe etwas Angst, dass Brandenburg da einmal den Rotstift ansetzt“, befürchtet er. „Ich glaube nicht, dass das passieren wird“, so Feiler. Seine Sommertour stellte er unter das Motto „Landwirtschaft und Lebensmittel“. „Ich habe einiges dazugelernt“, resümierte er.

Komplizierte Technik. Quelle: Winkler

Von Marco Winkler

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