Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
MAZ-Journalist liest aus seinem Medienbuch

Oranienburg/Kremmen MAZ-Journalist liest aus seinem Medienbuch

Seit 20 Jahren schreibt Robert Tiesler seine Medienkolumne „RT Zapper“. In Kremmen feierte er sein Jubiläum mit einer Lesung. Über 3800 Kolumnen sind in zwei Jahrzehnten erschienen. Ein Best-of der Berichte über den Medienwahn gibt es jetzt als Buch.

Voriger Artikel
Löcher am Elfmeterpunkt
Nächster Artikel
Bahnhof Oranienburg bleibt bis Herbst Baustelle

Blümchen mit Torte: Theaterchef Andreas Dalibor (mit Tobias Walther) gratuliert Robert Tiesler.

Quelle: Marco Winkler

Kremmen. Journalist Robert Tiesler feierte Montagabend in der „Tiefsten Provinz“ nicht nur seinen 38.Geburtstag. Seit 20 Jahren taucht er in seiner Kolumne „RT Zapper“ kritisch in die Untiefen der Medienbranche ein. Der Oranienburger hat zum Jubiläum die besten Texte zwischen zwei Buchtitel gepackt. Montag las er in Kremmen vor Freunden, Familie und Wegbegleitern Auszüge vor.

Über 3800 Texte sind seit dem ersten Beitrag im Februar 1996 entstanden. In der Märkischen Allgemeinen gibt es die Kolumne seit 1997. „Wie viel Zeit verbringst du eigentlich vor dem Fernseher?“, wollte am Montag Moderator Jan Simon, ehemaliger Redaktionsleiter der Oranienburger MAZ, wissen. „Zu viel“, kam prompt die Antwort von Robert Tiesler. Fernsehen sei ein „Nebenbei-Medium“ geworden. Überall kann es konsumiert werden. Wobei Blogger und Autor Tiesler, der neben seiner journalistischen Arbeit den Brunch-Talk und die Open Stage in Kremmen moderierte und aktuell bei Oberhavel TV als Nachrichtensprecher zu sehen ist, das klassische TV-Gerät bevorzugt.

ARD lässt Sportreporter auflaufen

Wetten, dass..?, DSDS, Supertalent, Eurovision Song Contest, Bambi. Die großen Shows. Das guckt doch keiner freiwillig, oder? „Das ist das Geheimnis“, so Tiesler. „Man guckt es eben doch und oft relativ gerne.“ Als Fan von Thomas Gottschalk ärgere es ihn jedes Mal, wenn dieser Mist baue. Bei Stefan Raab kritisierte er die von Werbung zugekleisterte Wok-WM. Ansonsten sei Raab ein „genialer Typ, der am Ende leider seine Sachen gelangweilt runter ratterte.“

Wenn er die von Nina Hagen besungene „Glotze“ einschaltet und denkt „das geht so nicht“, setzt er sich an den Computer und schreibt. Wie bei den Terroranschlägen in Paris. „Das ARD hat seine Sportreporter eine Stunde lang auflaufen lassen.“ Sie mussten den Anschlag kommentieren und nebenbei noch etwas möglichst sportlich Relevantes aufsagen.

Ein Kind Oranienburgs

Ein Kind Oranienburgs: Robert Tiesler.

Quelle: Winkler

Ansonsten – wie in Kremmen zum Jubiläumsabend vorgetragen – könnte er als Sammler von medialen Kuriositäten durchgehen. Ob ein Juweliersender am Sonntagmorgen ein Schmuckstück für schlappe 130 000 Euro verkaufen will, Horst Naumann mit 85 Jahren dem harten Jugendwahn auf dem seichten „Traumschiff“ zum Opfer fällt, ein stoischer Michel Friedman seine Gäste anbrüllt oder eine kontemplative Sendung namens „Salmonidenangeln in hochalpinen Gewässern“ den Zuschauer am Haken hat – Robert Tiesler hat es auf dem Schirm.

Die erste Kolumne erschien unter dem Titel „Der Beobachter“ in seinem eigenen Medienmagazin „Medien News“ am 28. Februar 1996. Die Leserschaft war noch überschaubar. Zwei bis drei Abnehmer fanden sich – im engsten Familienkreis.

Über ein Praktikum bei der Märkischen Allgemeinen, das ihm die damalige Redaktionsleiterin Ina Nehls verschaffte, landete er in der Jugendredaktion und seine erste TV-Kritik (Thema: Jürgen Flieges nach ihm benannte Talkshow) unter dem Namen „RT Zapper“ in der Zeitung.

Klatschkönigin Ludowik und ein verärgerter Peter Kloeppel

Beliebter Gegenstand in den Texten ist die Medienbranche selbst. Besonders bitter war für ihn die mit trauriger Klaviermusik untermalte Berichterstattung über den Selbstmord des Nationaltorwarts Robert Enke. Sogar in der Tagesschau wurde das Ereignis herzzerreißend zelebriert. „Willkommen im Boulevard“, so Tiesler.

Eher ekelhaft sei außerdem „Klatschkönigin“ Frauke Ludowig, die nach dem Tod des Modeschöpfers Wolfgang Mooshammer hemmungslos in seinem Privatleben herumschnüffelte. Erstaunlich ferner ein empörter Peter Kloeppel, der sich im Januar 2012 darüber echauffierte, dass nur ARD und ZDF ein Exklusiv-Interview von Ex-Bundespräsident Christian Wulff bekamen – nicht aber RTL. Damit würden Millionen Menschen ausgeschlossen, so der Nachrichtensprecher zur Bild-Zeitung damals. „Hält Kloeppel die Zuschauer für bekloppt?“, fragt sich Robert Tiesler damals. Als wären die RTL-Seher außerstande, auf der Fernbedienung umzuschalten.

Genau das gelingt Tiesler mal besser, mal weniger. Er bleibt hängen – am Schirm und am Schreiben über das, was über besagten flimmert. Bezüglich der drögen Bambi-Verleihungen bringt er es auf den Punkt: „Das ist die letzte Grütze“, so der Autor, „aber man guckt es trotzdem.“

300 Seiten purer Medienwahnsinn

Die Kolumnensammlung , die am 6. Juni erschienen ist, heißt „RT Zapper - Zwei Jahrzehnte Medienwahnsinn. 1996 - 2016“. Das Buch enthält die ganze Bandbreite aus 20 Jahren Mediengeschehen.

Den 300-seitigen Rückblick hat Robert Tiesler im Selbstverlag (Books on Demand) für 14 Euro veröffentlicht. Zu erwerben ist das Werk auf Amazon und bei anderen Internetanbietern, die Bücher führen. Auch im Buchladen kann es bestellt werden.

Von Marco Winkler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oranienburg


57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg