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Oranienburg Malen wie die alten Meister
Lokales Oberhavel Oranienburg Malen wie die alten Meister
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09:58 26.07.2016
Teamwork: Selina aus Birkenwerder, Lion und Leni aus Hohen Neuendorf (v. l.). Quelle: Enrico Kugler
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Oranienburg

„Eine lange Nase gehörte damals zum Schönheitsideal. Selbst Kinder trugen schon männliche Züge auf den Bildern – keine Stupsnase, sondern eine ziemlich lange.“ Ob der Kurfürst und Louise Henriette wirklich genauso ausgesehen haben? Cornelia Schlemmer hegt da Zweifel. „Auch wurde die kurfürstliche Familie als Ganzes mit Farbe und Pinsel durch den Künstler in Szene gesetzt.“ Viele Kinder starben früh, sie sind als Engel auf dem Bild verewigt.

Der Ferienworkshop für Kinder der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten begann am Montag mit einer Visite im Schlossmuseum. Die Malerin Cornelia Schlemmer eröffnete den Kindern mit ihren Informationen einen ganz anderen Blick auf die Gemälde in den einst königliche Gemächern. Rot, erklärt sie, war die Farbe der Herrscher und Männer, Rosa der kleinen Thronfolger. Blau trugen vorzugsweise die Frauen und Hellbau der Mädchen – „das hat sich erst vor 100 Jahren verkehrt.“ Welche Junge mag heute Rosa? Die Barocke Farbsprache war eine andere.

Die großen Gemälde bestehen aus Leinwand. Und da die Webstühle nur eine gewisse Breite hergaben, sind auch überall Nähte auf den Bilduntergründen zu sehen. War die Leinwand mit einer Knochenleimschicht und einer Grundierung versehen, konnten die Meister ihr Werk beginnen. Die Vollendung dauerte angesichts der filigranen Details, „wie Perlen auf dem Schuhen, die greifbar scheinen, Monate und Jahre“, so die Malerin. Cornelia Schlemmer hat selbst Malerei studiert. Sie arbeite in ihrem Atelier „am liebsten großformatig.“ Seit Jahren betreut sich für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Projekte vor allem mit Kindern und Jugendlichen, gibt Kurse an der Jugendkunstschule Reinickendorf.

Noch bis Mittwoch versuchen sich die Kinder nun darin, auch zu „Malen wie die alten Meister“. 15 haben sich dafür entschieden, auch wenn die Sonne eher zum baden lockt. Zu ihnen gehören Selina, Lion und Leni. Für so manchem im Team hatten zwar die Eltern den sinnvollen Zeitvertreib in den Ferien gebucht, doch zum Interesse am Malen und Zeichen bekannten sich schließlich fast alle in der Runde. Noch dazu gibt es für die gerade mal zehn Euro für drei Tage einen Exkurs in die Geschichte, werden Rahmen selbst gebaut, anschließend mit Leinwand bezogen. Heute wird sie grundiert, entstehen Skizzen im Schloss, die morgen mit selbst hergestellten Farben aus Leinöl, Ei und Lapislazuli auf die Leinwand gebracht werden.

„Die Farbe Orange, war in Europa übrigens nicht beliebt, aber in Asien“, berichtet Cornelia Schlemmer. Das Haus der Oranier hatte Orangenplantagen in Frankreich, ließ die Früchte von dort kommen. Orange setzte sich schließlich aber auch als Farbe durch.

Ansonsten griffen die alten Meister bei ihren Farben auf die verschiedensten Naturmaterialien zurück. Wie „Terra di Siena“, eisenoxidhydrathaltiger Boden aus der Toskana, der gebrannt wurde. „Umbra-Grün“ basiert auf verwittertem Eisengestein, „Beinschwarz“ entsteht aus erhitzten Knochen, „Carmin Naccarat“ wurde aus Schildläusen hergestellt, die Feigenkakteen bevölkern, „Azurit“ aus Kupferkarbonat. Es gab „Goldocker“, „Venezianisch Rot“ oder Zinnober aus chinesischem Quecksilbersulfid.

Und dann wollte ein Ferienschüler noch wissen, wo sich denn heute die Krone Friedrich I. befindet: „2009 war sie zur Ausstellung in der Zeit der Landesgartenschau in Oranienburg zu sehen, jetzt im Schloss Charlottenburg“, so die Museumsmitarbeiterin. Ein Krone, 2,5 Kilogramm schwer und aus reinem Gold. In Oranienburg steht der Tresor, in dem der junge Friedrich I. die Insignien nach der Krönung von Königsberg über Oranienburg nach Berlin transportierte.

Am Mittwoch können die Kinder ihr Kunstwerk mit nach Hause nehmen. Und wer hat schon nach den Ferien so etwas als Erinnerung im Kinderzimmer?

Von Heike Bergt

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