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Naturforscher entdecken den Wald

Hohen Neuendorf Naturforscher entdecken den Wald

Der Berliner Speckgürtel ist grün. Doch viele Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr in der Natur spielen, aus Angst vor allen möglichen Gefahren – gerade der Wald ist tabu. Ein Bildungskonzept der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald will in den dunklen Märchenwald Licht bringen und ihm mit Projekten den Schrecken nehmen.

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Dirk Hartung ist Vorsitzender der SDW Oberhavel.

Quelle: Enrico Kugler

Hohen Neuendorf. Peter Wohlleben hat mit seinem Buch „Das geheime Leben der Bäume“ einen Bestseller geschrieben. Ziel: Das Bewusstsein für die Natur stärken. Auch Dirk Hartung vom Regionalverband Oberhavel der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) in Hohen Neuendorf ist von Wohllebens Erläuterungen begeistert.

Besonders stolz ist er deshalb auf das neue Bildungskonzept der SDW Oberhavel, das er in einer hochwertigen Broschüre mit dem Titel „Naturforscher“ zusammengefasst hat – und das in die gleiche Kerbe wie Wohlleben schlägt. Sie richtet sich an Schulen, Kindergärten und Familien. Dafür gab es sogar Fördermittel der Stadt.

Was für ein Diamant steckt in einem Baum?

Die „Naturforscher“-Angebote sollen Kindern Spezialwissen vermitteln, sie animieren, das Abenteuer Wald ohne Hemmungen und Angst anzugehen. „Wir wollen mit den Projekten keine Konkurrenz zu den Waldschulen sein“, erklärt Hartung. „Wir sind vertiefend vor Ort.“ Es gibt zahlreiche Angebote, Wandertage begleitet von Förstern, Übernachtungen im Wald ohne Zelt, Bienenkunde, Igel- und Nistkästen können gebaut werden.

Auch die Frage, welcher Diamant in einem Baum steckt, würde dieser gepresst, wird beantwortet. Das unterrichtsübergreifende Projekt tangiert die Fächer Chemie, Physik, Biologie, Mathematik. „Wir geben hier die Denkanstöße für Pädagogen und Schulen“, so Hartung. Ein besonders schöner, einzeln stehender Baum (Solitärbaum) könnte für das Projekt ausgesucht werden. „Wie die Blutbuche in Birkenwerder.“Am Ende könnte an dem jeweiligen Baum dann eine Info-Tafel entstehen.

Vorreiterin Helga Garduhn


Helga Garduhn ist eine der Symbolfiguren der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Oberhavel.

Die Biologielehrerin am Runge-Gymnasium wurde kurz nach der Wende bei den Grenztruppen der ehemaligen DDR vorstellig, um den Grenzturm als Stützpunkt für ihre Kinder- und Jugendarbeit übertragen zu lassen.

Zusammen mit der Deutschen Waldjugend und dem SDW-Nachwuchs wurden Zehntausende Bäume gepflanzt. So konnte die einstige Todeszone mit Leben gefüllt werden.

Dreh- und Angelpunkt der Angebote ist der Naturschutzturm Hohen Neuendorf. In Oberhavel besuchten 2016 bisher 250 Kinder den ehemaligen Grenzturm. Kleines Highlight: Eine Tankstelle für Schmetterlinge entstand. „Es waren zehn Kinder da, aber nur eines hatte schon einmal mit seinen Eltern eine Pflanze in die Erde gebracht“, so Hartung. Trotz Lebens im„grünen Gürtel“, der Berlin umschließt, sei es nicht selbstverständlich, dass das Grün auch erfahren und erlebbar gemacht wird.

Viele kennen den Wald nicht mehr, auch wenn er vor der Haustür liegt.„Es gibt eine große Verunsicherung. Welche Mutter lässt ihr Kind schon alleine im Wald spielen?“ An jeder Ecke könnten vermeintliche Gefahren lauern. Eltern wollen beschützen, sind übervorsichtig und erziehen ihre Kinder, obwohl sie mitten in der Natur leben, oft ohne deren Einfluss. Das wollen die „Naturforscher“-Angebote ändern.

Lehrer müssen sich mit einbringen

Die Broschüre wird jetzt an Schulen verteilt. „Wir freuen uns über Interesse“, so Hartung, der aber auch klar stellt: „Wir wollen Pädagogen die Scheu vor dem Lernort Wald nehmen.“ Heißt: Der SDW liefert die Ideen und Möglichkeiten, aber die Themen müssen im Unterricht vorbereitet werden. „Es ist eine Zusammenarbeit.“

Der SDW bietet nicht das Komplettpaket, bei dem sich Lehrer zurücklehnen können, sie werden aktiv mit eingebunden, müssen partizipieren. Dirk Hartung und seine Kollegen begleiten die Projekte dann – ehrenamtlich.

Von Marco Winkler

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