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Oranienburg OVG-Chef schmeißt Stiftungsleiter raus
Lokales Oberhavel Oranienburg OVG-Chef schmeißt Stiftungsleiter raus
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09:04 29.11.2016
Dik de Boef, Günter Morsch und Horst Seferens (v.l.) wurden vom OVG-Geschäftsführer trotz Termins nicht empfangen. Quelle: Marco Winkler
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Oranienburg

„Es ist enttäuschend und brüskierend.“ Das sagt Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, am Montagmorgen im Büro der Oberhavel Verkehrsgesellschaften (OVG) zur Sekretärin des Geschäftsführers. Genau 14 127 Unterschriften wollen er, Dik de Boef, Generalsekretär des Internationalen Sachsenhausen Komitees (ISK) und Stiftungssprecher Horst Seferens an die OVG übergeben. Die Unterschriften sind teil einer Petition, die eine bessere Busanbindung zur Gedenkstätte Sachsenhausen fordert. Doch die drei Herren werden nicht zum Geschäftsführer gelassen.

Er hätte keine Zeit, eine Terminabsprache wäre nicht erfolgt, so die Sekretärin. „Das stimmt so nicht“, sagt Horst Seferens. Mehrmals hatte er angerufen, sich angekündigt. Der Termin stand fest. OVG-Geschäftsführer Klaus-Peter Fischer sitzt derweil im Nebenzimmer, bis er die Tür aufreißt und – ohne sein Gäste zu begrüßen – sagt: „Ich freue mich nicht über ihren Besuch.“ Klare Aussage: sie sind hier unerwünscht. Bevor Günter Morsch etwas erwidern kann, schlägt Klaus-Peter Fischer seine Tür zu. „Das Verhalten des Geschäftsführers ist symptomatisch für die Ignoranz, mit der die OVG die Interessen der Besucher, aber auch die der Oranienburger gegenüber steht“, so Morsch.

„Es ist ein internationaler Skandal, was hier passiert.“

Ohne auch nur den Ansatz, einen Dialog zu suchen, werden die Probleme gerade älterer Gedenkstätten-Besucher ignoriert. „So ein Verhalten habe ich im Leben noch nicht erlebt“, sagt Dik de Boef, der extra aus Amsterdam angereist ist. „Die Überlebenden und ihre Verbände verfolgen die Entwicklung der Gedenkstätte und die stetig steigenden Besucherzahlen mit großer Anteilnahme und Freude. Umso mehr trifft es sie, wenn die OVG die Gedenkstättenbesucher einfach ignoriert.“

Morsch: „Es ist ein internationaler Skandal, was hier passiert.“ Selbst einfache zivilisatorische Maßstäben würden mit diesem indirekten Rausschmiss der OVG mit Füßen getreten. „Umso nachdrücklicher fordern wir, dass der von mehr als 14 000 Gästen aus aller Welt unterstützte Protest gegen eine völlig unzureichende Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr mit drängend vollen Bussen, stehen gebliebenen Fahrgästen und langen Wartezeiten jetzt endlich Gehör findet“, so Morsch. Er hofft, dass sich jetzt die Abgeordneten im Kreistag des Problems annehmen.

Zum Start der Petition im Mai gab es prominente Unterstützer. Quelle: Marco Winkler

Hintergrund: Die schlechte Anbindung des Öffentlichen Personennahverkehrs an die Gedenkstätte. Einmal in der Stunde fährt die Buslinie 804 wochentags die Gedenkstätte vom Oranienburger Bahnhof aus an. Wochenende fährt er noch seltener. Gerade in den Stoßzeiten Sonnabend und Sonntag nur alle zwei Stunden. Die Entlastung der Linie 821 ist begrenzt, bietet sie unter der Woche nur vier zusätzliche Fahrten. Resultat: Überfüllte Busse, lange Wartezeiten, weiter Wege für ältere Gedenkstätten-Besucher. Kein Zustand, so Günter Morsch. Immerhin besuchen die Gedenkstätte jährlich bald mehr als 700 000 Besucher.

Kommentar: Menschlich nicht vertretbar

Als Günter Morsch, Horst Seferens und Dik de Boef ihre gesammelten Unterschriften übergeben wollen, hätte ich mit allem gerechnet, aber nicht mit so einer Arroganz seitens des OVG-Geschäftsführers. Die drei Herren so abzuwatschen – wo ist da die gute Kinderstube von Klaus-Peter Fischer geblieben, der Anstand, die Vernunft? Es gibt ein Problem: Die Gedenkstätte braucht eine bessere Anbindung, weil immer mehr Menschen sie besuchen wollen. Die OVG könnte hier helfen. Interessiert sich aber nicht ansatzweise für eine Lösung. Dialog suchen? Fehlanzeige. Einen Konsens finden? Hat die OVG scheinbar nicht nötig. Der Blick aus deren Elfenbeinturm trübt scheinbar die Sicht auf Probleme „hier unten“. Das ist nicht nur schade oder ärgerlich. Der menschliche Umgang miteinander ist hier der eigentliche Skandal. Marco Winkler

Von Marco Winkler

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