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Oranienburg Ein Stylist für Bärte
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18:49 05.11.2018
Mit einer Fadentechnik bringt Khoshdin Osman Jeremias Brandts Augenbrauen in Form. Quelle: Josefine Kühnel
Oranienburg

Bärte sind so angesagt wie nie. Immer mehr Herren finden Gefallen an den verschiedensten Tragearten des Gesichtsschmucks: Ob volle Rauschebärte, wie sie derzeit vor allem Hipster tragen oder exzentrisch-außergewöhnliche Stylings, die dem Träger mehr Charakter und Ausdruck verleihen sollen, derzeit ist alles erlaubt. Durch die Festivalsaison im Sommer kam sogar ein ganz neuer Trend auf: Glitzerbärte. Gestandene Männer haben sich also Glitzer in ihren Bart gestreut. Genau rechtzeitig zur neu entfachten Bartliebe der Deutschen zog der Barbershop La Bella vor sechs Monaten in die Stralsunder Straße in Oranienburg ein (die MAZ berichtete). Der Filialleiter heißt Khoshdin Osman. Er ist gelernter Barbier, also Bartscherer. Unter ihm arbeitet ein Team von drei weiteren Barbieren daran, den Kunden die perfekten Konturen zu verpassen.

Jeremias Brandt ist Stammkunde

Dazu gehört nicht nur der Bart, sondern auch die Augenbrauen und die Haupthaarfrisur. Einer von Osmans Stammkunden ist Jeremias Brandt. Der 20-Jährige hatte von einem Kumpel den Tipp bekommen, doch einmal den neuen Frisörladen in der Stralsunder Straße auszuprobieren. „Vor dem ersten Besuch hatte ich noch ein wenig Bedenken, man weiß ja gar nicht, was da so auf einen zukommt“, sagt der Wandlitzer offen. Doch das Ergebnis seines ersten Besuchs überzeugte ihn: „Der Chef hat top Arbeit geleistet“, sagt Jeremias Brandt. Seitdem ist er dem syrischen Bartschneiderladen treu geblieben und kommt regelmäßig zu ihm. Regelmäßig heißt in Brandts Fall alle 14 Tage. Anfangs kam er nur zum Haareschneiden, doch von den professionellen Bartträgern ließ er sich zum Wachsen eines eigenen Barts inspirieren. „Ich wollte mal etwas Neues ausprobieren“, erklärt Brandt. Bei Khoshdin Osman lässt er sich die Konturen von Haupthaar und Bart nachschneiden, den Bart einfärben und störende Gesichtsbehaarung entfernen.

Erst das Haar, dann der Bart

Koshdin Osman ist sichtlich erfreut über das Kompliment, dass Jeremias Brandt nun sein Kunde sein möchte. Er fühlt sich in seiner Arbeit gewürdigt und gibt sich besonders viel Mühe, Jeremias Haarschmuck akkurat in Form zu bringen. Dazu spult er bei dem 20-Jährigen das komplette Programm ab. Als erstes schneidet Osman Brandts Haupthaar. Dafür desinfiziert er zunächst das Rasurmesser und setzt eine neue Einwegklinge auf. Dann wird der Kopf mit Rasurschaum eingecremt und dann geht´s los: Mit dem Rasiermesser markiert Osman die Konturen der Frisur und schneidet die Haare weg. Anschließend geht er mit noch einmal verschiedenen Rasierern über den Kopf, „um auch wirklich jedes Haar zu erwischen“, erklärt Osman. Anschließend dünnt der Barbier Jeremias Brandts Haar am Oberkopf noch ein wenig für einen besseren Sitz aus. Als nächstes kommt der Bart dran. Dort geht Osman ähnlich vor: Er schärft mit dem Rasiermesser die Bartkonturen und entfernt die restlichen Härchen mit verschiedenen Rasierern weg. Manchen Männern gefällt ihre natürliche Bartfarbe nicht so gut, deshalb lassen sie sich den Bart färben.

Auch Gesichtshärchen und die Augenbrauen müssen dran glauben

Auch Jeremias Brandt lässt sich seinen Gesichtsschmuck etwas dunkler färben. Dem Perfektionisten Osman fallen nach dem Färben sogar noch einzelne Härchen auf, die er selbstverständlich im Anschluss entfernt. „Als Barbier muss man Perfektionist sein, denn nur, wenn der Bart perfekt in Form ist, sieht er auch wirklich gut aus“, erklärt Osman sein Selbstverständnis eines Bartscherers. Jetzt kommt der unangenehme Teil: Die Gesichtshärchen und die Augenbrauen müssen dran glauben. Die Gesichtshärchen entfernt Osman mit heißem Wachs. Er lässt es kurz antrocknen und zieht die Maske dann wenig zimperlich vom Kunden ab. „Das ziept schon einwenig“, muss Brandt zugeben. Doch dem jungen Mann ist es die Mühe wert. Fit und gepflegt auszusehen, war ihm schon immer wichtig. Bereits mit sechs Jahren interessierte er sich für Kampfsport und seit er 14 ist, betreibt er regelmäßig Krafttraining. Die Augenbrauen bringt Osman mit einer speziellen Fadentechnik in Form, die er in seiner Heimat Syrien gelernt hat. „Ich habe einen ganzen Monat lang jeden Tag geübt, um die Technik perfekt zu beherrschen“, sagt der 33-Jährige stolz. Bei der Fadentechnik werden mehrere Härchen auf einmal umschlungen und herausgerissen. Jeremias Brandt muss zugeben, dass diese Technik doch etwas scherzhafter als simples Zupfen ist. Noch einmal deutlich schmerzhafter ist die Wachsentfernung der Nasenhaare, die fast jeder Mann, der bei La Bella Kunde ist, mitbestellt. Ausnahmslos treibt das schmerzhafte Verfahren den Kunden Tränen in die Augen. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen: Brandt strahlt mit perfekt glatter Haut.

In Syrien hatte er seinen eigenen Barbiershop

Während der Arbeitsschritte beugt sich Koshin Osman vor und zurück, kontrolliert immer wieder den Schnitt und die Konturen, er will seinen Job perfekt machen. Koshdin Osman stammt aus Syrien. Zu seinem Traumberuf fand er über einen Freund. Er hatte ein Barbiergeschäft, in dem Osman lernte. Viele Jahre hatte er in Syrien auch einen eigenen Barbershop. Vor acht Jahren zog es ihn dann nach Berlin. Dort jobbte er bei verschiedenen Frisören, bis ihn der Unternehmergeist wieder packte und er seinem Chef seinen Traum vom eigenen Laden eröffnete. Nach einigem Beratschlagen kam es, dass Osman zum Filialleiter in der Bernauer Straße wurde. Dort ist er überglücklich. „Ich arbeite sehr gern für Menschen. Ich finde es wichtig, dass sich Männer pflegen. Wenn sie sich nach meiner Behandlung in ihrer Haut wohlfühlen und gleichzeitig besser aussehen, bin ich glücklich“, sagt Osman. So ist es auch bei Jeremias Brandt. Nach einer abschließenden desinfizierenden Cremepackung blickt er in den Spiegel, lächelt und hält beide Daumen hoch. „Ist super geworden“, Osman strahlt, beide umarmen sich zum Abschied und freuen sich auf den nächsten anstehenden Haarschnitt.

Von Josefine Kühnel

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