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Oranienburg Günter Wetzel spricht über Ballonflucht aus der DDR
Lokales Oberhavel Oranienburg Günter Wetzel spricht über Ballonflucht aus der DDR
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16:42 10.02.2019
DDR-Flüchtling Günter Wetzel erzählte dem Publikum von der spektakulären Flucht in der Nacht zum 16. September 1979. Quelle: Robert Roeske
Oranienburg

Und dann waren sie ganz allein in der Dunkelheit, hatten sich nach der harten Landung in einer Scheune versteckt. Günter Wetzel konnte zwei Scheinwerfer erkennen, die sich langsam näherten. „Als ich die vier Ringe gesehen habe, wusste ich, dass das ein Audi war.“ Die West-Marke zeigte: Sie hatten es über die Grenze geschafft! Günter Wetzel war am Sonnabend ins Oranienburger Kino gekommen, um mit dem Publikum gemeinsam den Film über sein Leben zu sehen: „Ballon“ heißt der Streifen von Michael „Bully“ Herbig. Er erzählt die spektakuläre Flucht der Familien Strelzyk und Wetzel, die im September 1979 mit ihren Kindern in einem Heißluftballon aus der DDR flohen.

Der Andrang war groß. Quelle: Robert Roeske

Der Film kam schon Ende September 2018 in die deutschen Kinos, am Sonnabend wurde er noch einmal im Filmpalast Oranienburg gezeigt – Ballonbauer Günter Wetzel, der das Flucht-Vehikel innerhalb von fünf Wochen klammheimlich im Keller zusammengenäht hatte, wird von David Kross gespielt. Die Familien mussten darauf achten, nur kleine Stoffmengen zu kaufen, um nicht aufzufallen. Die Stasi war ihnen trotzdem dicht auf den Fersen – immerhin war die erste Flucht mit dem Ballon gescheitert, dabei hatten sie Spuren hinterlassen. „Sechs Tage mehr und sie hätten uns gehabt“, sagt Günter Wetzel. Doch der Ballon wurde gerade rechtzeitig fertig, als ein starker Nordwind einsetzte, der die Familien 18 Kilometer in die Freiheit nach Bayern trug.

Der Film rührt ihn immer wieder zu Tränen

Günter Wetzel tourt in diesen Tagen mit seiner Geschichte durch Kinos in ganz Deutschland, um mit den Menschen über die Flucht zu sprechen. Zuletzt war er in Kinos in Köln, Hagen, Stendal. Zehnmal hat er den Film schon im Kino gesehen, langweilig wird er ihm nicht. „Ich kriege noch Gänsehaut und manchmal drückt es mir eine Träne ins Auge“, sagt Wetzel, der heute bei Hof (Bayern) lebt. Stolz ist er darauf, die Stasi mit seiner Flucht mächtig blamiert zu haben. Und es gab Nachahmer, die auch mit dem Ballon in die Freiheit wollten. „Es hat nach uns nochmal 50 Ballonfluchten gegeben, dabei sind 151 Leute verhaftet worden.“ Die Stasi sei nach der Flucht so sehr unter Druck gewesen, dass weitere Versuche praktisch zum Scheitern verurteilt waren.

Peter Strelzyk (Friedrich Mücke), Petra Wetzel (Alicia von Rittberg), Doris Strelzyk (Karoline Schuch) und Günter Wetzel (David Kross) bei den heimlichen Arbeiten in der Garage. Quelle: Studiocanal GmbH / Marco Nagel

Das Publikum im Kino hatte viele Fragen an den DDR-Flüchtling, der sich nach dem Film vor die Leinwand setzte. War die Gefahr, mit vier Kindern in einem Ballon rüberzumachen, nicht zu groß? Wetzel habe gedacht, die Flucht sei sicher, sie würden sanft herunterkommen „Wir haben das unseren Frauen von Anfang an erzählt, bis wir selbst dran geglaubt haben“, so Wetzel. Die Grenzer hätten aber nicht so einfach in die Luft schießen dürfen, es hätten ja sowjetische Flugobjekte sein können.

Die Briefe an die Mutter las die Stasi mit

Und wie war das Wiedersehen mit den Eltern, als die Mauer gefallen war? „Meine Mutter war froh, dass wir es geschafft hatten, dass alles gut gelaufen war.“ In den 1980er-Jahren, als Günter Wetzel im Westen lebte, hatten sie öfter telefoniert und auch Briefe geschrieben, allerdings unverfänglich. Denn die Stasi war immer dabei. „In meiner Akte habe ich all die Briefe wiedergefunden“, erklärte Günter Wetzel, dessen Akte rund 2400 Seiten hat.

Der lange Arm der Stasi langte auch in den Westen. Ein Rentnerehepaar aus der DDR wollte Familie Wetzel zurücklocken. „Sie haben uns erzählt, dass unser Haus noch frei ist und unsere Arbeitsplätze auch. Da habe ich sie rausgeschmissen“, so Wetzel. Selbst sein eigener Patenonkel wollte ihn zum Treffen nach Ungarn locken, wo er laut Stasi-Akte verhaftet worden wäre. „Man hatte in der DDR immer ein Gefühl, wer Spitzel ist. Bei dem hab ich’s nicht gemerkt.“

Bald hebt Günter Wetzel wieder ab

Die Luftfahrt hat Günter Wetzel nicht mehr losgelassen. 1980 machte er den Flugschein, war ab 1992 rund 20 Jahre lang Fluglehrer. Auch Ballon ist er immer wieder gefahren. Dieses Jahr, 40 Jahre nach der Flucht, wird er für eine Jubiläumsfahrt wieder in den Himmel steigen.

Von Marco Paetzel

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