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Oranienburger Frauenpower

Zwei Frauen schmeißen den Laden Oranienburger Frauenpower

In der Heizungsbaufirma Flett in Eden ist Frauenpower in der „Chefetage“ ganz normal. Meister Joachim Flett schwört auf Ehefrau Margit und Tochter Jaqueline, die vor zwei Jahren die Leitung des Familienbetriebes übernommen hat.

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Auch nach Feierabend nicht selten ein Team beim Sport: Tochter Jaqueline und ihre Eltern Joachim und Margit Flett aus Eden (v. l.)

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Was Großunternehmen kaum gebacken kriegen, ist in der Heizungsbaufirma „Flett“ in Eden ganz normal: Frauen an der Firmenspitze. Und das gleich im Doppelpack! Meister Joachim Flett hat damit überhaupt kein Problem. Schließlich sind es „seine“ Frauen: Ehefrau Margit (55) und Tochter Jaqueline (35). Powerfrauen, die den Laden schmeißen, während er mit zwei Kollegen bei den Kunden unterwegs ist. Heizungen, Sanitäranlagen, Lüftungsanlagen installiert und vorhandene am Laufen hält.

Am 1. Februar 1991 hatten Margit und Joachim Flett das Unternehmen gegründet. Nach der Wende brummte der Laden. Jeder brauchte eine Heizung: „Wir haben bis 1995 mehr als 2000 Stück eingebaut“, blickt der Meister zurück. Die Rechnungen wurden noch auf der Schreibmaschine bis spät in die Nacht getippt und früh Morgens sei er mit einem Sack DM-Stücken zur Telefonzelle nach Frohnau gefahren, um das Material zu ordern. Das erste Mobiltelefon hatte dann Aktenkoffergröße. Geschichten können sie erzählen! 25 Jahre später „bauen wir im Monat etwa zwei Heizungsanlagen ein und betreuen vor allem die bestehenden Anlagen“, sagt Margit Flett. „Service wird bei uns ganz groß geschrieben. Wir haben keinen AB, sind immer persönlich erreichbar.“ Natürlich muss immer alles schnell gehen, wer sitzt schon gern im Kalten? Das Vertrauensverhältnis zu vielen Kunden währt schon jahrelang.

Ende der 1990er-Jahre, erinnert sich Joachim Flett, als man nach dem Stress der Anfangsjahre ersten gesundheitlichen Problemen Tribut zollen musste, besannen sie sich auf den sportlichen Ausgleich. Joachim Flett ist der bekannte starke Mann beim Bankdrücken und Boxtrainer. Beim Hanteltraining „ärgere ich mich nicht mehr über irgendeinen Kunden, sondern denke nur noch ans Eisen“, beschreibt er und lacht.

Auch seine beiden Töchter Stephanie (32), die im Familienbetrieb Bürokauffrau gelernt hat und heute in der Fotobranche arbeitet, und Jaqueline, die ein Fernstudium zur Rechtsfachwirtin absolvierte, standen seit der Teenagerzeit am Boxsack. „Das macht den Kopf frei.“ Heute dreht Jaqueline Flett morgens schon mal eine Acht-Kilometer-Laufrunde, wenn ihrer vier Jungs zur Schule sind. Und im September will sie ihren ersten Marathon laufen. Der Boxsack hat wohl die Grundlage gelegt, „sich im Leben insgesamt durchzuboxen, nie den leichtesten Weg zu wählen“.

Mutter Margit schöpft nicht weniger Energie aus dem Sport: betreut eine Edener Kindersportgruppe und trainiert schon für ihr erstes Sund-Schwimmen am 2. Juli. Dabei will sie die 2,5 Kilometer zwischen Altefähr auf Rügen bis nach Stralsund in weniger als 45 Minuten schaffen. Außerdem möchte sie an mehreren Kraftsportevents teilnehmen.

2014 hatten die Eltern das Unternehmen offiziell in die Hände ihrer Tochter gelegt. Sie ist nun die Chefin. Jeden Tag ein Stück mehr: Buchhaltung, Löhne, Steuer, Finanzamt, Störungseinsätze, Materialbestellung – all das passiert im kleinen Büro im Haus im Fichtenweg 128. Während das Lager bereits in den künftigen Firmensitz am Wohnhaus der Tochter nach Sachenhausen umzieht, soll dort später auch der neue Firmensitz sein. Denn dort wächst mit den vier Söhnen vielleicht auch der nächste Gas- und Wasserinstallateur heran? „Der Zweitgrößte will Tischler werden. Mal sehen.“ Druck machen will Jaqueline keinesfalls.

Derweil würde Meister Flett gern einen Azubi ausbilden. Doch woher nehmen? „Es will sich keiner mehr körperlich belasten. Und wer kann schon noch 30 Liegestütze am Stück?“ Da schwört Joachim Flett auf seine beiden Frauen. Die haben das locker drauf. Und den Job im Büro sowieso. Ob das Handwerk noch goldenen Boden hat? „Auf jeden Fall!“ kommt es aus drei Mündern: „Solange es Häuser gibt, braucht es Handwerker, die alles in Schuss halten“, ist die junge Chefin überzeugt.

Von Heike Bergt

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