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Pikachu in Südkorea einfangen

Oranienburg Pikachu in Südkorea einfangen

Lena Wienert ist vernarrt in Südkorea, das Land, die Kultur. Sie lernte die Schriftzeichen und die Sprache – im Selbststudium. In den Herbstferien ist die 15-Jährige eine von elf Teilnehmern eines Schüleraustauschs mit Südkorea. Von ihren Vorbereitungen und wie sie dort schon Pikachu umarmte, erzählt sie im MAZ-Gespräch.

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Während ihres ersten Aufenthalts in Südkorea entstand dieses Foto mit Pikachu, vielleicht dem Sinnbild des globalen Phänomens. Damals wusste Lena noch nichts von „Pokémon Go“, dem sie jetzt verfallen ist.

Quelle: Privat

Oranienburg. „Das Spiel verbindet einfach, man lernt Leute kennen, mit denen man sonst nicht gesprochen hätte“, sagt Lena Wienert über „Pokémon Go“. Die 15-jährige Runge-Schülerin aus Lehnitz sucht selbst in Berlin nach den bunten Taschenmonstern. Manchmal stößt sie dabei sogar auf Dinge, die sie überraschen. „Neulich stand ich in Oranienburg vor einer Gedenktafel, die ich da noch nie bemerkt hatte.“

In ihrem Handy sind nicht nur virtuelle, gefangene Fabelwesen zu entdecken. Ein Foto zeigt sie mit einem lebensgroßen Pikachu, der ikonischen Figur der Spieleserie schlechthin. Aufgenommen in Südkorea. Mit dem Land verbindet Lena mehr als nur eine flüchtige Bekanntschaft. „Ich war schon immer von Ostasien fasziniert“, erzählt sie. Mangas und Anime-Filme haben es ihr angetan. Über die Musik konkretisierte sich ihr Interesse: Südkorea. Doch es blieb nicht lange beim puren Kultur-Konsum. Im Selbststudium lernte sie die koreanischen Schriftzeichen und die Sprache. „Die Zeichen sind gar nicht so schwer, da das Land ein eigenes Alphabet hat.“ „Hangul“ heißt die Buchstabenschrift und besteht aus 14 Konsonanten und zehn Vokalen. Ihre Mühe wurde schnell belohnt. Weihnachten letzten Jahres war in Seoul, der Hauptstadt Südkoreas. Ihr Vater schenkte ihr die Reise.

In den Herbferien nach Südkorea reisen

Anfang des Jahres trat sie dann der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft (DKG) in Berlin bei. Diese veranstaltet im Herbst die fünfte Auflage eines Jugendaustausches mit Südkorea. Elf Schüler wurden dafür ausgewählt. Lena ist mit dabei. In ihren Herbstferien, genauer: vom 17. bis 28. Oktober, wird sie unter dem Motto „Building Brigdes“ (deutsch: Brücken bauen) die Partnerschule „Lighthouse International School“ in Seoul besuchen und bei einer Gastfamilie wohnen.

Lena überzeugte mit ihrer Bewerbung, einem kleinen Aufsatz. Vorteil der Neuntklässlerin: Eine Facharbeit über die Wirtschaft Nordkoreas und den Koreakonflikt als solchen hatte sie schon geschrieben.

„Mein Ziel ist es jetzt, bis zum Herbst mit meinen Sprachkenntnissen voran zu kommen“, sagt Lena. Seit vorigen Sommer lernt sie Koreanisch. Erst über Bücher und durch das Internet, später mit einer Lehrerin. Ganz dem Austauschmotto gemäß will sie in ihrer Gastfamilie „Brücken bauen zwischen der deutschen und der koreanischen Kultur.“ Besonders auf Einblicke ins Familienleben freut sie sich. Zwei Brieffreundinnen hat sie in dem Land schon. Auch durch sie weiß sie von den vielen Benimmregeln und Fettnäpfchen. Typisch: In der Wohnung müssen immer die Schuhe ausgezogen werden. „Bei der Begrüßung verbeugt man sich und gibt sich nicht die Hand“, zählt sie einen weiterer Punkt der koreanischen Netiquette auf.

Freundlichkeit trotz Nachbarland Nordkorea

Als Gastgeschenk wird sie etwas typisch Deutsches aus dem Koffer zaubern: Haribo und Milka-Schokolade. „Da freuen sie sich bestimmt.“

Die Menschen in Südkorea beschreibt Lena als offen und freundlich. Und optimistisch – trotz der Situation mit dem Nachbarland Nordkorea. Direkt an der Grenze war Lena zu Weihnachten. „Es ist extrem beeindruckend, aber auch durchaus bedrückend“, beschreibt sie ihr Erlebnis. Seoul sei aber anders. „Es ist eine moderne Stadt.“ Auch ihre zwei Brieffreundinnen bestätigten: Die Menschen denken zwar an die gefährlichen Auswüchse der nordkoreanischen Diktatur mit seinem irrsinnigen Oberführer, aber: „Sie schreiben, dass sie nicht ständig in Angst leben können.“ Das Leben geht weiter.

Für Lena bald sogar 8000 Kilometer fern der Heimat, wo sie doch eher im Mittelpunkt stehen wird als hier in Oranienburg. „Als Nicht-Asiate ist das Land nicht nur ein Kulturschock, man fällt dort auch sehr auf“, sagt sie. „Man wird eigentlich immer angeguckt, aber nicht auf die böse Art, halt nur interessiert, weil man anders aussieht.“

Sie freut sich vor allem aufs Essen. „Das ist einfach genial und so lecker.“ Besonders in den Straßen gibt es Stände ohne Ende, die scharf-eingelegten Chinakohl anbieten, Reis mit Gemüse oder Chimaek, Hähnchen mit Bier. „Nur das Bier lasse ich immer weg“, so Lena.

Am 17. Oktober beginnt die Reise. Zeit, Sprachkenntnisse etwas zu erweitern und mit der eigenen koreanischen Tanzgruppe, welche Lena gegründet hat, ein paar Choreographien einzustudieren – oder aber auch um Pokémons zu fangen. Wer weiß, ob Lena in Südkorea wieder das Glück haben wird, Pikachu in die Arme zu schließen.

Arne Gawande weist in seiner Karikatur auf die Gefahren eines „blind“ auf den Bildschirm starrenden „Pokémon Go“-Spielers hin

Arne Gawande weist in seiner Karikatur auf die Gefahren eines „blind“ auf den Bildschirm starrenden „Pokémon Go“-Spielers hin.

Quelle: Arne Gawande

Von Marco Winkler

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