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Polizeistudenten üben „Ersten Angriff“

Oberhavel Polizeistudenten üben „Ersten Angriff“

Erster Angriff. So nennt sich die Tatortarbeit von Kriminalkommissaren. Genau solche wollen 15 Studenten der Polizeifachhochschule werden. Kurz vor ihrem Abschluss nehmen sie an einem dreiwöchigen Praxistraining teil. Sie müssen zwei fingierte Diebstähle in Liebenwalde und Hohen Neuendorf aufklären.

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Beweismaterial 1: Sämtliche Schlösser werden auf Fingerabdrücke des Täters überprüft.

Quelle: Marco Winkler

Oberhavel. Montag, 8.15 Uhr, Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg (FHPol) in Oranienburg. Einige Studenten werden von einem Auftrag überrascht. Inhalt: Wohnungseinbrüche in der Revierpolizei Hohen Neuendorf und im Liebenwalder Museum wurden gemeldet und sind zu untersuchen. Kurze Einweisung, dann machen sich 15 Kriminalkommissaranwärter samt Dozenten auf den Weg.

„Wir arbeiten wie im Echtbetrieb, auch mit richtigen Polizisten“, erklärt Kriminalhauptkommissar Jan Grübler. Er ist Dozent für Kriminalistik und Kriminaltechnik und hat geholfen, die Tatorte mit Einbruchsspuren zu präparieren. „Alles im Rahmen eines Sondermoduls“, so Robert Bechmann, Pressesprecher der FHPol, über die Übung. Drei Wochen lang befinden sich die 15 Studenten des gehobenen Dienstes jetzt in einem Praxistraining – von der Spurensicherung am Tatort bis zur Ergreifung des potenziellen Täters.

Von der Kunst, Spuren zu sichten und zu sichern

Der Schwerpunkt Wohnungseinbruch kommt nicht von ungefähr. „Gerade im Speckgürtel Berlins ist das ein großes Problem“, so Bechmann. Es gebe dort diverse Banden, die agieren. Die Übung heiß „Erster Angriff“. Gemeint ist die Erfassung und Analyse der Sachverhalte an einem Tatort. „Oft finden sich nur wenige Spuren“, so Bechmann. Es sei eine Kunst, diese zu eruieren.

„Die Studenten machen das trotz des Fehlens einiger Erfahrungswerte hervorragend“, so Grübler. „Sie sollen selbstständig agieren.“ Das Objekt: Die Wache in Hohen Neuendorf. Was die Studenten als geklaut melden müssen: Drei Laptops, ein Drucker. Ebenfalls wichtig: eine angefangene Wasserflasche und die angebissene Schokoladentafel im Kühlschrank.

Auch eine angebissene Schokoladentafel kann Hinweise liefern

Auch eine angebissene Schokoladentafel kann Hinweise liefern.

Quelle: Winkler

Parallel arbeiten weitere Studenten an dem Tatort in Liebenwalde. Aus dem Museum wurden ein teurer Kupferstich der Stadt, die Spendenbox, ein Laptop mit wertvollen Daten und historische Orden entwendet. Selbst Bürgermeister Jörn Lehmann ist in den Fall involviert.

In Hohen Neuendorf ist dabei selbst die anscheinend vom Täter benutzte Toilette zu untersuchen, könnten sich hier wertvolle DNS-Hinweise verbergen. Als erstes untersucht Student Alexander Rettkowski aber das Türschloss auf Fingerabdrücke, Kommilitonin Alisa Wenzel hält alles mit der Kamera fest.

Wichtiger Bestandteil der Arbeit

Wichtiger Bestandteil der Arbeit: Alles fotografisch festhalten.

Quelle: Winkler

Das fotografische Protokoll sei bedeutend für den Spurensicherungsbericht, so Grübler. „Was später nicht in den Akten steht, existiert nicht“, sagt er. Fehler dürfen bei realen Fällen nicht passieren. In der Übung sind sie zwar nicht erwünscht, werden aber als Lernmethode angesehen. „Wer hier etwas falsch macht, vergisst es in seiner Polizeilaufbahn nicht.“

Signifikant ist dabei die Sicherung von Schuhabdrücken im Haus. Diese werden mit einer Folie vom glatten Fußboden als Negativ-Bild „abgezogen“. Die Datenbank des Landeskriminalamtes kann diese mit anderen vergleichen.

Schuheindrücke werden „abgezogen“

Schuheindrücke werden „abgezogen“.

Quelle: Winkler

Worauf Jan Grübler hinweist: Teamarbeit. „Wir müssen miteinander reden, sind keine Einzelkämpfen wie die Fernseh-Kommissare.“ Jeder Schritt wird kommuniziert. Die Übung des „Ersten Angriffs“ ist nur der Beginn der Praxiswochen der 15 amtierenden Kriminalkommissare. In den kommenden Tagen werden die Studenten weiter an dem Fall arbeiten.

Zudem sind sie mit einer Spezialeinheit des Mobilen Einsatzkommando (MEK) auf einer Observatio und verbringen einen Tag im Gericht. Am 1. Oktober werden sie zu Kommissaren ernannt, gehen zum Landeskriminalamt oder in die kriminalpolizeiliche Sachbearbeitung.

6500 Bewerber für 350 freie Plätze

Ende September werden 103 Kommissaranwärter ihren Abschluss an der Polizeifachhochschule Brandenburg in Oranienburg in der Tasche haben.

15 von ihnen gehen zur Kriminalpolizei, die restlichen 88 in den Fach- und Wechseldienst.

Im gesamten Jahr 2016 haben sich 6465 junge Menschen an der Fachhochschule für den mittleren (Ausbildung) und gehobenen Dienst (Studium) beworben. Es gab 350 freie Stellen.

Von Marco Winkler

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