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Rossius will linke Alternativen anbieten

Oranienburg Rossius will linke Alternativen anbieten

Enrico Rossius (39) geht für die Linken ins Rennen um den Oranienburger Bürgermeisterposten. Er setzt dabei auf Alternativen zur jetzigen Politik. Gerade Bildung steht bei ihm im Fokus – und Nähe zu den Bürgern, die endlich wieder mehr über die Entwicklung ihrer Stadt mitentscheiden sollen.

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Enrico Rossius ist gebürtiger Oranienburger. Er stellt sich der Wahl im September 2017.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Er weiß, dass er es als linker Kandidat schwer haben wird – da macht sich Enrico Rossius keine Illusionen. Dennoch will er Hans-Joachim Laesicke beerben. In einer Versammlung seiner Partei wurde der gebürtige Oranienburger mit 16 Stimmen als Bürgermeisterkandidat auserkoren, sein Gegenkandidat unterlag mit 11 Stimmen.

Der 39-Jährige eckt an. Er bietet die Reibungsfläche, die Oranienburg vielleicht braucht. „Im Schloss hat sich eine kurfürstliche Art ausgebreitet“, sagt er, unzufrieden über den Rathaus-Kurs. „Entscheidungen werden gefällt, erst dann die Bürger miteinbezogen, obwohl schon alles in trockenen Tüchern ist.“ Das sei keine Bürgernähe. Es nütze nichts, wenn Bürgermeister, Baustadtrat und Kämmerin alleine am nachbarschaftlichen Kaffeetisch sitzen und entscheiden. „Die Bürger müssen mit ins Boot geholt werden – bevor ein Ergebnis feststeht, das ihnen nur noch in einer Pseudo-Informationsveranstaltung präsentiert wird.“

Nicht von der Angst treiben lassen

Ja, der gebürtige Oranienburger nimmt kein Blatt vor den Mund, scheut sich nicht, seine Meinung offen zu sagen. Dass er sich damit nicht nur Freunde macht, stört ihn nicht. Gerade in sozialen Netzwerken ist er wegen seines offenen Engagements gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung oft Zielscheibe verbaler Angriffe aus der rechten Ecke. „Ich war schnell ein Lieblingsgegner solcher Gruppen.“ Er sieht das als Bestätigung. „Man darf sich nicht von der Angst treiben lassen.“

Rossius war Ende der 1990er er SPD-Mitglied. Agenda 2010, Gerhard Schröder, Hartz IV. Er bewegte sich immer weiter weg von der SPD-Politik, wechselte 2005 nahtlos zur Linken. Ein Schritt, den er nie bereut hat. Er will den Fokus gar nicht zu sehr auf seine Person legen, sondern mit wichtigen Themen und vor allem guten Alternativen punkten.

Patchwork und Parteiwechsel

Enrico Rossius (39) ist gebürtiger Oranienburger. Mit seiner Lebensgefährtin, deren drei Kindern und zwei Katzen lebt er nach dem Patchwork-Modell in Oranienburg.

Er besuchte die POS Comenius (heute: Runge-Gymnasium) und die Dr.-Salvador-Allende-Realschule – in der Volkshochschule verbesserter er später seinen Abschluss.

Aktuell arbeitet der gelernte Bürokaufmann im Kundendienst eines Mobilfunkanbieters in Berlin und ist Wahlkreismitarbeiter vom Bundestagsabgeordneten Harald Petzold.

Jung ist er der SPD beigetreten, war ab 1998 zwei Jahre Stadtverordneter und Kreistagsabgeordneter für die SPD. 2005 wechselte er Partei, ging zu den Linken. In Oranienburg ist er Stadtverbandsvorsitzender.

Er sitzt in folgenden Gremien : Bildungsausschuss, Sozialausschuss, Hauptausschuss und Stadtverordnetenversammlung.

Woran er derzeit arbeitet, sind die Änderungen der Schul- und Kitaplanung. Sechs Anträge reichte die Linke mit anderen Parteien auf „normalem parlamentarischen Weg“ ein. Verbesserungsvorschläge, einige Optimierungen, Grundsätze linker Bildungspolitik: gute Bildung von Anfang an, gemeinsam lernen und aufwachsen im Ortsteil oder Wohngebiet, möglichst kleine Klassen von maximal 25 Schülern. „Das steht jetzt fast wortwörtlich als Leitlinie im Konzept“, so Rossius. „Darauf bin ich stolz.“

Kleinigkeiten wären noch offen. Wie die Frage, ob der Standort für den Neubau einer Kita in der Speyerer Straße richtig ist oder ob die Germendorfer Kita selbst als Übergangslösung überhaupt noch zumutbar ist. Auch die alte Comeniusschule im Schlosspark sieht er nicht als Dauerlösung. „Da müssen wir mittelfristig im direkten Umfeld Neues schaffen.“ Das Wichtigste aber ist ihm das Gestalten in einer wachsenden Stadt.

Eigenständigkeit der Ortsteile

„Wir müssen darauf achten, dass niemand abgehängt oder abgedrängt wird. Kein junger Mensch sollte nur wegen fehlenden Wohnraums anderswo unterkommen müssen. Es gilt den Charme und die Eigenständigkeit der Ortsteile genauso zu erhalten, wie die Lebensqualität in den Innenstadtkiezen. Mehr Menschen in dieser Stadt brauchen dringend ein Mehr an bezahlbarem und passendem Wohnraum, ein Mehr an Mobilität und ein Mehr an kommunaler Infrastruktur, wie Kitas, Schulen, Jugendclubs und Begegnungs- und Freizeitmöglichkeiten.“

Ferner will sich der gelernte Bürokaufmann dafür einsetzen, die „Errungenschaften der Stadt“ allen zugänglich zu machen. Er plädiert deshalb für einen freien Eintritt zum Schlosspark, den er als derzeit teuersten Kinderspielplatz der Stadt bezeichnet. Das Drehkreuz könne bleiben, aber Besucher hätten die Möglichkeit als Eintrittsalternative etwas zu spenden. „Was die Stadt sich leistet, sollten sich alle leisten können“, so Enrico Rossius.

Jetzt stellt er erst einmal ein Wahlkampfteam zusammen. „Wir wollen zeigen, wofür linke Politik steht und warum wir anders sind.“ Es sei Zeit für frischen Wind im Schloss. Da will er nicht nur mehr Zeit für Entscheidungen, sondern auch eine neue Debattenkultur einführen. Es darf und soll ausdrücklich vermehrt diskutiert werden. Streit sei okay, wenn dabei Lösungen gefunden werden. Hierarchien spielen dabei keine Rolle. Jeder hat das Wort – und im kommenden September die Wahl. Neben Jennifer Collin (SPD) und Kerstin Kausche (CDU) ist Enrico Rossius bisher der dritte Bewerber um das Amt des neuen Bürgermeisters. „Wir wollen als Linke auffallen“, sagt er. Alternativen bieten. „Dafür ist die Wahl da, dass die Menschen die Wahl haben“, sagt er mit Nachdruck.

Von Marco Winkler

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