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Sächsische Literatur aus Oranienburg

Friedrichsthal Sächsische Literatur aus Oranienburg

Siegfried Rentzsch ist 81 Jahre alt. Seit 2001 wohnt er in Friedrichsthal und verlegt von dort aus Bücher über das Erzgebirge, seine Heimat. Als Lektor im CDU-Verlag „Union“ und später als Chef des eigenen Verlags nahm er so manche Hürde. Ein Werk sollte sogar verboten werden.

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Verlagschef Siegfried Rentzsch mit seinen Werken.

Quelle: Marco Winkler

Friedrichsthal. „Jedes Dorf hat sein Original“, sagt Siegfried Rentzsch und meint nicht sich, sondern die Menschen im Erzgebirge. Womit der 81-Jährige Individualist vielleicht doch wieder sich meint, denn da kommt er her. Mit dem Verlag „Altis“ hat er sich nach der Wende selbstständig gemacht. Er wohnt und arbeitet in Friedrichsthal.

1934 geboren und in Dresden aufgewachsen, studierte er Germanistik und Theaterwissenschaften in Berlin. Dem Staat untergeordnet habe er sich nie. „Die Mauer habe ich damals abgelehnt“, erinnert er sich. Er zog nach Berlin, heiratete, wurde als Lektor im CDU-Verlag „Union“ angestellt. „Weil ich nicht in der Partei war, bekam ich 300 DDR-Mark weniger als meine Kollegen.“ Nach der Wiedervereinigung wurde der Verlag aufgekauft. „Ich wollte nicht arbeitslos sein, deshalb kam die Idee mit dem eigenen Verlag.“

Erfolg mit Mordbrenner und Pascher

Sein erster Versuch, 1990: Die Mitschrift einer Rede von Rudolf Bahro. Dieser war ein bekannter Dissident in der ehemaligen DDR, kam für seine Sozialismuskritik ins Zuchthaus Bautzen. „Die Bevölkerung hatte aber zu der Zeit anderes im Sinn.“ Das Werk verkaufte sich nicht, der Versuch scheiterte. Doch Siegfried Rentzsch gab nicht auf.

Der erste Erfolg: „Sachsens Mordbrenner, Räuber, Pascher und Wildschützen im Erzgebirge und in der Oberlausitz“. Ein sperriger Titel. Aber er fand Absatz, ein Nachdruck musste her. Es folgten Veröffentlichung in Mundart, Anekdoten, Sammlungen und Weihnachtsbücher. „Das ist das zentrale Thema im Erzgebirge, Weihnachten drehen alle durch.“ Siegfried Rentzsch baute sich ein Netzwerk auf, verlegte zwei Titel pro Jahr, nahm die Veränderungen im Buchhandel („Es ist alles unpersönlicher geworden.) hin. 2001 hat er sich in Friedrichsthal niedergelassen.

Ehrenrettung eines Gefallenen

Eines seiner Bücher wurde fast verboten. Sujet des Romans: Hubert Hippmann, ein Wilddieb. „Er wird von der Forst noch immer als Schrecken des Erzgebirges bezeichnet.“ Er wurde in einen Hinterhalt gelockt und erschossen. „Ich weiß bis heute nicht, woher der Hass der Leute auf den kleinen Kerl kommt.“ Mit dem Roman „Blattschuß“ und Rentzsch’ angehängter Dokumentation wollte er Hippmann eine „Ehrenrettung“ zuteilwerden lassen. „Die Forstverwaltung wollte es verbieten, die Rezensenten haben es negiert.“

Der Umsatz ging zurück, die Buchbesprechungen in der „Freien Presse“ hörten irgendwann auf, nur Siegfried Rentzsch blieb am Ball – bis heute.

Im grünen Hain Zeus’

Verlagsname: „Altis“ ist der Heilige Hain von Olympia. Für Siegfried Rentzsch symbolisiert er die Naturverbundenheit, die sich durch seine Verlagsarbeit zieht.

Alte Rechtschreibung : Rentzsch ist Verfechter der alten Grammatik und Rechtschreibung. „Die neue Rechtschreibung ist doch Humbug“, sagt er. „Besonders die Komma-Regelung war so klar.“ Seine Bücher erscheinen alle in der alten Variante, ausnahmslos.

Ruhestand: Ans Aufhören denkt er schon ab und zu. „Doch, wenn interessantes Material kommt, mache ich weiter.“ In diesem Jahr sind zwei Bücher geplant. Thema: Weihnachten.

Von Marco Winkler

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