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Oranienburg Wie Phönix aus der Asche
Lokales Oberhavel Oranienburg Wie Phönix aus der Asche
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06:04 27.06.2018
Eine verschworene Truppe – die Freiwillige Feuerwehr Schmachtenhagen. Quelle: Enrico Kugler
Schmachtenhagen

Sie bezeichnen sich selbst als „verschworenen Haufen“. Eine Truppe, wo sich einer auf den anderen verlassen kann. Wo jeder zur Stelle ist, wenn er gebraucht wird. Eine „Erlebnisfeuerwehr“, bei der auch über Einsätze und den Dienst hinaus viel gemeinsam unternommen wird und in deren Reihen sich die Leute wohlfühlen.

2008 stand die Wehr vor dem Aus

Dabei hätte nicht viel gefehlt, und die Freiwillige Feuerwehr Schmachtenhagen wäre von der Landkarte verschwunden gewesen. Weg, auf und davon, nicht mehr existent. „Die Wehr stand 2008 kurz vor der Auflösung“, erzählt der stellvertretende Ortswehrführer Oliver Koch. Die Wehrführung war abgesetzt worden. Rainer Huber, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Lehnitz, leitete Schmachtenhagens Wehr kommissarisch.

Ortswehrführerin in Schmachtenhagen seit 2013: Oberbrandmeisterin Anja Klemer-Koch. Quelle: Enrico Kugler

„Der Neuanfang war nicht leicht“, erinnert sich Oliver Koch. Als er 2010 von der Freiwilligen Feuerwehr Lehnitz in die Wehr seines Wohnortes Schmachtenhagen wechselte, sei das eine „ziemliche Chaotentruppe“ gewesen.

Das Jahr 2013 brachte die Wende

Eine Zäsur erfolgte im März 2013. Da entschieden sich die Kameraden in Schmachtenhagen, mit Anja Klemer-Koch eine Frau zu ihrem Boss zu machen. Sie, die 1992 in die Jugendfeuerwehr Wensickendorfs eingetreten war, kam 2007 nach Schmachtenhagen und wurde dort bereits zwei Monate später zum Jugendwart gemacht. 2011 absolvierte sie den Gruppenführerlehrgang. „Das war gar nicht so einfach, einen Lehrgangsplatz zu bekommen“, erinnert sich die heute 35-Jährige. „Und dann noch als Frau.“ 2012 qualifizierte sich auch Oliver Koch zum Gruppenführer und wurde im März 2013 zum stellvertretenden Wehrführer ernannt. Da er mit der Wehrführerin verheiratet ist, wird die Freiwillige Feuerwehr Schmachtenhagen von einem Ehepaar geleitet. Das dürfte nicht nur in Brandenburg ein Novum sein.

18 Mädchen und Jungen, die mit Feuereifer dabei, zählt derzeit die Jugendwehr Schmachtenhagens. Quelle: Enrico Kugler

Langsam aber sicher lebte Schmachtenhagens Feuerwehr wieder auf. Auch beim Nachwuchs. Wurden 2013 drei Kinder in der Jugendwehr gezählt, sind es gegenwärtig wieder 18 Mädchen und Jungen, die mit Spaß und Freude dabei sind. Und die erfolgreich sind. Als kürzlich die 1. Stadtmeisterschaften der Oranienburger Jugendwehren im Löschangriff Nass ausgetragen wurden, holten sich die Schmachtenhagener den ersten Platz.

Zu allen Einsätzen ausgerückt

„Wie andere Feuerwehren haben auch wir tagsüber Probleme, die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten“, sagt Oliver Koch. Dennoch sind die Kameraden in den vergangenen zehn Jahren zu jedem Einsatz rausgefahren. Seien es sonst zwischen 30 und 40 Einsätze, die jährlich zu bewältigen sind, musste die Schmachtenhagener Wehr vergangenes Jahr 101-mal ausrücken. Die meisten Einsätze resultierten aus den Starkregenfällen im Sommer und den Stürmen im Herbst. Besonders im Gedächtnis geblieben ist den Kameradinnen und Kameraden ein Einsatz vor drei Jahren in Bernöwe. Dort hatte es einen Unfall gegeben. „Als wir eintrafen, konnten wir den Autofahrer noch ansprechen“, so Oliver Koch. Doch dann habe der Mann einen Herzinfarkt erlitten. Er konnte von Feuerwehrleuten reanimiert werden und bedankt sich noch heute bei den Kameraden für seine Rettung.

Auch an 2008 erinnern sich Schmachtenhagens Brandschützer. Damals mussten sie beinahe alle zwei Wochen ausrücken, weil irgendwo eine Strohmiete brannte.

Stolz auf den Ruf der Sirene

Wenn Schmachtenhagens Feuerwehr gebraucht wird, weiß das schnell das ganze Dorf. Denn sie wird noch immer von einer Sirene zum Einsatz gerufen. Es gebe schon einige Leute, die sich darüber aufregen, wenn es des Nachts plötzlich laut im Ort wird. „Aber wir Kameraden sind stolz auf unsere Sirene“, sagt Oliver Koch. Und die überwiegende Mehrheit der rund 2500 Einwohner steht zu ihrer Wehr. Vorneweg der Ortsvorsteher Hans-Dieter Menzel, der immer ein offenes Ohr für die Feuerwehrleute habe. Aber auch der Oberhavel Bauernmarkt, Bezirksschornsteinfeger Ronald Lampert, der Heimatverein, Eltern des Feuerwehrnachwuchses oder Bürger haben ein Herz für die Wehr und fragen inzwischen von sich aus, ob sie helfen können. Zum Beispiel, wenn die Jugend einen 24-Stunden-Dienst schiebt oder Wettkämpfe anstehen. Unterstützung kommt darüber hinaus vom Feuerwehrverein Bernöwe-Schmachtenhagen.

Maskottchen „Hippy“, alias Wilfried Daehnel an der historischen Feuerrwehrspritze aus dem Jajhre 1907. Quelle: Enrico Kugler

Hippy ist das Maskottchen

Und dann ist da ja auch noch „Hippy“. „Hippy“ ist 1. Hauptlöschmeister und so etwas wie das Maskottchen der Freiwilligen Feuerwehr Schmachtenhagen. Mit bürgerlichem Namen heißt er Wilfried Daehnel und ist 65 Jahre alt. Seit 1971 ist er bei der freiwilligen Feuerwehr und inzwischen Mitglied der Alters- und Ehrenabteilung. Seinen Spitznamen bekam er aufgrund seiner Haarpracht in den 1970er-Jahren. „Hippy steht immer Gewehr bei Fuß, wenn sich die Wehr trifft oder in den Einsatz fährt“, sagte Oliver Koch. So wie neulich, als die Wehr um 2.30 Uhr ausrückte und „Hippy“ ins Gerätehaus ging, damit Kaffee da ist, wenn die Feuerwehrleute vom Einsatz zurückkommen. Das Feuerwehr-Gen hat „Hippy“ geerbt. Vater Heinz war Brandinspektor und 62 Jahre lang in der freiwilligen Feuerwehr. Und auch Mutter Erika sei mehr als 40 Jahre Mitglied der Feuerwehr gewesen.

Zuckerbrot und Peitsche

Frauen in der Wehr – das hat Tradition in Schmachtenhagen. Zurzeit sind es fünf weibliche Wesen, die dort mitmischen. An der Spitze die Oberbrandmeisterin und Ortswehrführerin Anja Klemer-Koch. Sie wird von allen respektiert, ist fachlich voll und ganz auf der Höhe ihrer Aufgaben und achtet darüber hinaus darauf, dass im Gerätehaus Ordnung und Sauberkeit herrscht. Wenn sich alle daran halten, dann darf im Versammlungsraum während der Weltmeisterschaft auch Fußball geschaut oder am Kicker- beziehungsweise Billardtisch, die der Feuerwehrverein gesponsert hat, gespielt werden. Wenn hinterher Ordnung herrscht, ist alles gut. Wenn nicht, gibt es keinen Schlüssel mehr. „Zuckerbrot und Peitsche“ nennt die Ortswehrführerin diesen Führungsstil, den inzwischen alle verinnerlicht haben.

Eine zweite Garnitur Einsatzsachen wäre toll

Obwohl sie nicht mit den neuesten Fahrzeugen unterwegs sind – das Tragkraftspritzenfahrzeug von 1994 darf ob seiner 3,5 Tonnen sogar mit einem Pkw-Führerschein gefahren werden – mosern die Schmachtenhagener nicht. 2021 und 2023 sollen sie neue erhalten. Was allerdings jetzt schon gut wäre, so die Ortswehrführerin, wäre eine zweite Garnitur Einsatzsachen, damit nasse Kleidung auch mal gewechselt werden könne. Der „verschworene Haufen“ wird’s danken, indem auf ihn auch weiterhin bei jedem Einsatz Verlass ist.

Von Bert Wittke

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