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Oranienburg Zwangsräumung: Familie Moge steht vor dem Aus
Lokales Oberhavel Oranienburg Zwangsräumung: Familie Moge steht vor dem Aus
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00:23 03.09.2018
Sind verzweifelt: Elwira, Natalia, Weronika, Wiktoria und Robert Moge (v. l.). Quelle: Jeannette Hix
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Leegebruch

Schlimmer Schicksalsschlag für die Familie Moge aus Leegebruch: Sonnabend, den 1. September, müssen sie aus ihrem Mietshaus am Birkenhof 2a ausziehen und sie verstehen immer noch nicht so richtig warum. Verzweiflung hat sich bei Elwira (34) und Robert (42) Moge längst breit gemacht, denn trotz langer Suche ist es ihnen nicht gelungen, für sich und die fünf Kinder (5 bis 18) eine geeignete Ausweich-Wohnung zu finden. Für die Gesellschaft Brandenburger Wohnungsnotfallhilfe liegt hier auch behördliches Versagen vor.

Das Schicksal nahm 2013 seinen Lauf. „Damals haben wir noch in Berlin Lichtenberg gewohnt“, erzählt Elwira Moge. Doch Nachbarn soll die Familie mit polnischen Wurzeln (Elwira kam als Zweijährige mit ihren Eltern nach Berlin) ein Dorn im Auge gewesen sein. „Ständig gab es Beschwerden, dass die Kinder zu laut sind“, sagt Elwira Moge. „Auch wurde behauptet, dass wir unsere Kinder schlagen, dass sie verwahrlost sind und wir täglich Alkohol trinken. Wir hatten damals zwar Probleme. Doch die Vorwürfe stimmen nicht.“

2013 nahm das Schicksal seinen Lauf

Schließlich soll sich das Jugendamt Berlin-Lichtenberg eingeschaltet haben. „Wir mussten mit den Kindern sogar zum Arzt. Doch der konnte nichts feststellen.“ Trotzdem sollen der Familie damals vier ihrer fünf Kinder weggenommen worden sein. „Sie wurden im Heim untergebracht“, sagt Elwira. Über das Jugendamt wird der Familie ein Kontakt zu einem gemeinnützigen Träger vermittelt. Der Deal: „Ich bekomme meine Kinder zurück, wenn ich von Berlin nach Leegebruch in ein Mietshaus des Trägers im Rahmen eines Hilfsprojektes ziehe“, sagt Elwira Moge. Kurz entschlossen nimmt die Familie das Angebot an und zieht um. Doch 2015 läuft das Hilfsprojekt aus. Nun soll auch die Familie aus dem Haus ausziehen. Sie beginnt eine neue Wohnung zu suchen – vergebens. Da das Jobcenter auch weiter die Miete in Höhe von 460 Euro pro Monat zahlt, hört die Familie nichts von dem Träger und hofft, doch bleiben zu können – ein schwerwiegender Irrtum.

„Plötzlich hatten wir 67.792,62 Euro Mietschulden.“

Denn im Sommer diesen Jahres flattert plötzlich eine Mietnachforderung in Höhe von 67.792,62 Euro ins Haus. Es ist die Aufstockung von der tatsächlichen Miete für das Haus, denn das Amt zahlt ja nur einen gewissen Teil. Auch eine Räumungsklage liegt nun vor, dass die Familie zum 31. 8. 2018 das Haus räumen muss. „Jetzt hat die Familie nicht nur laut Schufa Mietschulden, sondern auch keine Alternative, wo sie unterkommen kann“, sagt Rainer Krebs von der Gesellschaft Brandenburger Wohnungsnotfallhilfe. „Rein rechtlich handelt der Träger korrekt. Was rechtlich aber nicht korrekt ist, dass das Ordnungsamt Leegebruch jetzt die Kinder zurück ins Heim stecken und nur die Eltern in einer behelfsmäßigen Unterkunft unterbringen will.“ Laut Aussage der Wohnungsnothilfe sei das Amt rechtlich verpflichtet, für eine menschenwürdige Unterbringung zu sorgen, in dem die ganze Familie untergebracht werden kann.

Das Amt sucht seit Monaten geeigneten Wohnraum – vergebens

Dazu Bürgermeister Martin Rother: „Die Zuständigkeiten sind klar. Wie schon 2015, wo erstmals bekannt wurde, dass die Familie ausziehen soll, versuchen wir auch jetzt mit Hochdruck, einen geeigneten Wohnraum zu finden, der es der Familie ermöglicht, zusammenzubleiben. Aber die Marktsituation lässt das rund um Leegebruch derzeit nicht zu. Vorübergehend bliebe da nur die Möglichkeit, die Familie in einem Obdachlosenheim unterzubringen. Doch aus Gründen des Kinderschutzes wollen wir das den Kindern nicht zumuten. Primäres Ziel ist weiterhin, verschiedene Lösungsvarianten zu finden. Außerhalb des Speckgürtels sehe die Lage entspannter aus.“

4 bis 6 Zimmer wären ausreichend – notfalls auch sanierungsbedürftig

Jetzt hofft die Familie, irgendwo eine Wohnung zu finden. Sie dürfte sogar sanierungs- oder renovierungsbedürftig sein. „Mein Mann ist Maler und zur Zeit auf Jobsuche. Er kann für uns die Wohnung herrichten. Unser großer, 18-jähriger Sohn würde schon alleine klarkommen. Aber für unsere anderen vier Kinder und uns würde eine 4- bis 6-Zimmer-Wohnung reichen. Wir ziehen überall hin, bloß dass wir nicht getrennt werden“, sagt Elwira Moge. Weil die Brandenburger Wohnungsnotfallhilfe (Tel. 0178/88 777 33) als Hauptmieter eintreten würde, wäre auch die Bonität der Familie gewährleistet. „Wer der Familie helfen will, kann sich gerne an uns wenden“, sagt Rainer Krebs.

Von Jeannette Hix

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