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Soziale Gerechtigkeit in Oranienburg gefordert

Barrierefreie Stadt? Soziale Gerechtigkeit in Oranienburg gefordert

Kino, Restaurant, Theater. Oft ein Kraftakt für Behinderte. Holger Dreher setzt sich als Behindertenbeauftragter für die Interessen behinderter Menschen ein. In Oranienburg habe sich in Sachen Barrierefreiheit viel getan in vergangenen zehn Jahren, sagt er. Es gebe aber noch Handlungsbedarf.

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Ist seit 2009 hauptamtlicher Behindertenbeauftragter der Stadt: Holger Dreher. Mit der Entwicklung Oranienburgs ist er zufrieden, sieht aber noch einigen Handlungsbedarf.

Quelle: Marco Winkler

Oranienburg. Essen gehen, Kinobesuch, Einkaufen. Ganz normal. Doch für viele Menschen in Oranienburg kann selbst das Alltägliche zur Hürde werden. Holger Dreher weiß das. Der 52-Jährige ist selbst hochgradig sehbehindert – und Behindertenbeauftragte der Kreisstadt. In den letzten Jahren habe sich viel getan, was die Barrierefreiheit angeht, sagt er. Vor zehn Jahren, im Mai 2006, ist die Stadt der Erklärung von Barcelona „Die Stadt und die Behinderten“ beigetreten. Diese sieht vor, dass sich Beitrittspartner verpflichten, ihre Stadt barrierefrei zu gestalten. „Damals wurde ein Maßnahmekatalog von behinderten Aktivisten erstellt“, erinnert sich Holger Dreher. „Dieser wurde bedauerlicherweise von der Stadt abgelehnt.“

Er tritt dafür ein, dass Menschen mit Behinderung nicht als Sonderfälle gesehen werden, für die Ausnahmen gemacht werden müssen. Inklusion ist angestrebt. Ein weiter Weg. „Problem ist, dass Menschen mit Behinderung exklusiv leben, wohnen, leben, arbeiten.“

In Oranienburg habe sich in den vergangenen Jahren aber viel getan. Gerade der Innenstadtkern sei hindernisfrei ausgebaut worden. Es gibt neue barrierefrei Bushaltestellen und Signal-Ampeln, die auch sehbehinderte Menschen problemlos nutzen können. „Oranienburg hat sich entwickelt.“

Aufgerüstet hat Oranienburg viele Ampelschaltungen, um die behindertengerecht zu gestalten

Aufgerüstet hat Oranienburg viele Ampelschaltungen, um die behindertengerecht zu gestalten.

Quelle: Marco Winkler

In öffentlichen Gebäuden ist es laut brandenburgischer Bauordnung sogar Pflicht, barrierefrei zu bauen. „Doch eine Rampe oder ein Aufzug reicht oft nicht.“ Menschen mit einer Sehbehinderung bräuchten Markierungen auf der ersten und letzten Treppenstufe, um sich zurecht zu finden. Kulturhäuser könnten mit so genannten „Hörschleifen“ ausgestattet sein. Diese Art Kopfhörer verstärkt den Ton für Hörgeschädigte.

Doch Holger Dreher weiß: Den Altbestand in Oranienburg umzurüsten geht oft nicht. Nur provisorische Abhilfen sind möglich. Dafür sollte bei Neubauten das Thema eine Rolle spielen. Beratend stand er deshalb den Bauherren der Comenius-Grundschule in Oranienburg-Süd zur Seite. Diese wird vollständig barrierefrei sein.

Fauxpas wie mit der 800-Jahre-Ausstellung auf dem Podest vor dem Schloss hätten seiner Ansicht nach nicht sein müssen. „Man hätte im Vorfeld den Dialog mit Betroffenen suchen müssen.“ Auf die Bedürfnisse behinderten Menschen einzugehen sei deshalb immer noch eine große Herausforderung für die Stadt.

Vor allem die Privatwirtschaft habe Nachholbedarf. Ärzte, Restaurants, Kulturveranstalter. „Barrierefreiheit betrifft alle“, sagt Holger Dreher. Er fordert deshalb mehr soziale Gerechtigkeit. Jeder werde älter und vielleicht mobilitätseingeschränkt oder sei nach einem Unfall auf einen Rollstuhl angewiesen. Auch Mütter und Väter mit Kinderwagen kennen Probleme mit Bordsteinkanten oder Treppen. „Barrierefreiheit ist Komfort für alle, es macht eine Stadt attraktiv.“ Oranienburg gehe zwar in die richtige Richtung. Die Stadt habe aber noch einige Aufgaben vor sich.

In Oranienburg leben rund 7500 behinderte Menschen. Schwerbehindert sind davon gut 5500. Davon an die 90 Kinder und Jugendliche bis 15 Jahren, mehr als 3200 von ihnen sind 65 Jahre und älter. Bei zirka 300 Menschen ist die Behinderung angeboren.

Die Stadt und die Behinderten

Der Behindertenbeirat gründet sich im Juni 2006. Heute heißt er Arbeitskreis für die Belange behinderter Menschen der Stadt Oranienburg (AKBO). Ziel ist es unter anderem Inklusion zu fördern sowie Bürgermeister, Landkreis und Stadtverwaltung beratend zur Seite zu stehen.

Barbara Blauert war bis 2007 ehrenamtliche Behindertenbeauftragte der Stadt. 2008 übernahm Holger Dreher – ehrenamtlich. Das Verfahren, ihn hauptamtlich einzustellen, wurde im ersten Versuch abgelehnt. Erst im März 2009 wurde seine jetzige Stelle als Hauptamt geschaffen.

Von Marco Winkler

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